Pauli kommt als Lieblingsgegner - und Fandrich weiß, wie es geht

Im Winter 2015 bestritt Clemens Fandrich sein erstes Zweitligaspiel für die Veilchen, mittlerweile hat der seitdem sechste Cheftrainer das Sagen beim FCE. Die Ideen sind verschieden, die Aufgabe immer gleich: Siege für den Klassenerhalt.

Aue.

3:7 Tore, nur ein Zähler auf dem Konto, Platz 16 - die Tabelle der 2. Bundesliga sieht nach vier Spieltagen ganz und gar nicht so aus, wie man sich das im Erzgebirge vorstellt. Punkte müssen her. Der FC St. Pauli kommt da am Sonntag (Anstoß 13.30 Uhr) gerade recht. Die Hamburger sind so etwas wie ein Lieblingsgegner der Veilchen: In 14 Zweitligatreffen gab es sieben Auer Siege, fünf Unentschieden und nur zwei Erfolge der Kiez-Kicker. Ein Lieblingsgegner auch für Clemens Fandrich. Verloren hat er mit dem FCE noch nie gegen Pauli, vor allem aber im letzten Duell im April ein wunderschönes Tor erzielt. "Ich zog in die Mitte, habe einfach mal draufgehalten, der Ball war noch leicht abgefälscht - und drin. Das war schon schick", sagt der 27-Jährige. "Vor allem aber war es wichtig. Wir haben das Spiel letztlich durch einen von Mario Kvesic verwandelten Elfmeter mit 2:1 gewonnen."

Es war Aues letzter Dreier der Vorsaison, die erst über den Umweg der Relegation ein gutes Ende fand. Vor allem an das Heimspiel gegen den Karlsruher SC, das die Erzgebirger mit 3:1 gewannen und so den Klassenerhalt perfekt machten, erinnert sich Fandrich gern: "Das war bisher das absolute Highlight meiner Zeit in Aue, das war ein starker Auftritt, ein sehr emotionaler Abend." Erlebt hat der gebürtige Berliner in seiner Karriere schon so einiges: den Aufbruch der "jungen Wilden" Cottbusser unter Trainer Pelé Wollitz, zwei Aufstiege von der vierten bis in die zweite Liga mit RB Leipzig unter seinem Mentor Ralf Rangnick, einen Abstieg bei seinem ersten halben Jahr als Veilchen- Kicker. "Das war nach den Jubelfeiern der Vorjahre eine schwere Situation und nicht so leicht zu verkraften. Vor allem, weil wir unter Trainer Tomislav Stipic wirklich eine starke Rückrunde hingelegt haben, letztlich nur an einem Tor gescheitert sind. Beeindruckend war, wie die Auer Fans uns damals behandelt haben. Wir dachten, sie reißen uns die Köpfe runter, stattdessen gab es Zuspruch von allen Seiten."

Der damals von RB ausgeliehene Fandrich wäre durchaus gern in Aue geblieben, doch dann kam das Angebot aus Luzern. "Marcus Babbel - er war damals dort Trainer - hat mich angerufen, mir den Verein und vor allem die Euro League schmackhaft gemacht. Im Europacup zu spielen - das hat mich doch zu sehr gereizt. Ich konnte das nicht ablehnen."

Angenommen hat er dann ein Jahr später auch die erneute Offerte aus Aue. Der FCE war unter Coach Pavel Dotchev flugs in die 2. Bundesliga zurückgekehrt, und Fandrich wieder da. Dass er es anders als seine ehemaligen Leipziger Kollegen Joshua Kimmich, der inzwischen Stammspieler in der Nationalelf ist, oder Kumpel Dominik Kaiser, der seit diesem Sommer bei Bröndby Kopenhagen spielt, nie bis ganz nach oben in die Bundesliga schaffte, hat er akzeptiert. "Die Bundesliga war und ist natürlich immer ein Traum. Wäre ich 22, würde ich mit aller Macht danach streben. Mit 27 muss schon sehr viel zusammenkommen, damit das noch klappt. Da bin ich Realist", sagt Fandrich. "Ich bin mit meiner Karriere im Großen und Ganzen zufrieden, ich habe überall dazugelernt und etwas mitgenommen." Aus Leipzig zum Beispiel auch Freundin Amina. Seit fünf Jahren sind beide ein Paar.

In Aue gehört er mittlerweile zu den Erfahrenen im Team. Sein erster Zweitligaeinsatz - damals als später Einwechsler für Cottbus - dauerte im September 2009 genau zwei Minuten und endete für ihn ohne Ballkontakt. Das Spiel am Freitag vor knapp zwei Wochen bei der 2:3-Niederlage in Ingolstadt war sein 100. Zweitligamatch. Ein Jubiläum, das er verpasst hätte, wenn ihm nicht seine Mutter darauf aufmerksam gemacht hätte. "Ein schöner Nebenaspekt, mehr nicht", sagt der zweikampfstarke Dribbler. "Wichtiger sind Siege." In Fandrichs 101. Zweitligaspiel muss ein solcher her: "Der Druck ist schon recht groß. Wir stehen schon ein bisschen mit dem Rücken zur Wand. Wir brauchen offensiven Mut, dann können wir am Sonntag gewinnen." Was ihm Hoffnung macht: "Mit Ausnahme der Partie in Köln sind wir unter Wert geschlagen worden. Bei Union war mindestens ein Punkt, vielleicht sogar ein Sieg drin. Daheim gegen Magdeburg sowieso. Wir sind besser, als es die Tabelle zeigt."

Und Pauli ist nicht Köln. Und vielleicht gelingt "Universalwaffe" Fandrich, der schon die linke und rechte Mittelfeldseite besetzte, von Daniel Meyer als eher etwas defensiverer Akteur im Zentrum eingesetzt wird, ja wieder ein Sonntagsschuss.

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