Schusters spezielle Rückkehr

Der FC Erzgebirge gastiert beim SV Darmstadt 98, wo der Auer Trainer einst ein Fußball-Wunder vollbrachte. Doch am Freitag sollen sich vor allem die Hessen wundern.

Aue.

Es ist immer etwas Spezielles, wenn ein Trainer an seine alten Arbeitsplatz zurückkehrt. Für den einen weniger, für den anderen mehr. Für den einen ist es eher mit schlechten, für den anderen eher mit guten Erinnerungen verbunden. Auf den Auer Chefcoach Dirk Schuster und seinen Co-Trainer Sascha Franz trifft jeweils das Zweite zu. Beim SV Darmstadt 98, bei dem die Veilchen am Freitag (ab 18.30 Uhr) antreten müssen, wurde das Duo im Februar zwar entlassen. Im Rückblick überwiegen jedoch ganz klar die positiven Aspekte - was angesichts eines Fußball-Wunders kein Wunder ist.

Schuster schaffte mit den Lilien von 2013 bis 2015 den sensationellen Durchmarsch von der Dritten Liga in die Bundesliga. Dort wehrte sich der "Abstiegskandidat Nummer eins" erfolgreich gegen die deutsche Kickerelite. "Ich glaube, der Klasserhalt in der Bundesliga war das größere Wunder", sagt der gebürtige Karl-Marx-Städter, für den das damalige Geschehen "definitiv eine geile Geschichte war." Nach einem Intermezzo beim FC Augsburg kehrte er im Dezember 2017 zurück und führte die abstiegsbedrohten Hessen zum Klassenerhalt in 2. Liga. Eine weitere Erfolgsgeschichte, die sie am Böllenfalltor sicher nicht vergessen haben. Entsprechend freundlich dürfte der Empfang der erwarteten 14.000 Zuschauer ausfallen.

Nun ist der 51-Jährige kein Mann, der gern in der Vergangenheit verweilt. Auf ein erneutes "Wunder" mit dem FC Erzgebirge, der sich am 10. Spieltag der 2. Bundesliga (Tabellenplatz 4/18 Punkte) in einer ähnlich komfortablen Situation wie Darmstadt 98 (Platz 6/16 Punkte) in der Aufstiegssaison 2014/2015 befindet, lässt sich Schuster schon gar nicht festnageln: "Da muss ich sie enttäuschen. Wir bleiben bodenständig und geerdet. Wir wollen Punkte für den Klassenerhalt holen und fangen nicht an zu träumen", wiederholte der Ex-Nationalspieler, was er in letzter Zeit oft gesagt hat.

Auch die Tugenden, die Schuster am Freitag von seinen Männern einfordert, sind nicht neu: "Wir müssen wie in den letzten Spielen alles geben, an unsere Grenzen gehen, um zu bestehen", blickte der Coach voraus und verwies auf den 1:0-Auswärtserfolg der Lilien zuletzt beim FC St. Pauli. "Dadurch haben die Darmstädter Aufwind bekommen. Sie werden den Sieg definitiv vergolden wollen und wir werden eine harte Nuss zu knacken haben", meint Schuster, der personell nahezu aus dem Vollen schöpfen kann. Nur Filip Kusic (muskuläre Probleme) steht ihm nicht zur Verfügung. Die Malcolm Cacutalua und Steve Breitkreuz sind ebenso noch keine Alternativen, aber auf einen sehr guten Weg dahin.

Wohin der Weg des FCE führt, ist trotz des positiven Trends von drei ungeschlagenen Spielen noch nicht abzusehen. Die 18 Punkte sind für Schuster nicht mehr als Makulatur. Am liebsten würde er die viel zitierten "40 Punkte für den Klassenerhalt" lieber heute als morgen einfahren. Die nächsten drei am besten in Darmstadt, trotz einer schönen Zeit, trotz oder gerade wegen eines speziellen Spiels. "Es wird keine großen Sentimentalitäten meinerseits geben. Wir haben den klaren Auftrag, das Spiel bestmöglich zu gestalten", sagt Schuster, der noch eine Parallele zwischen den Gegner vom Freitag verrät: "In Darmstadt waren es zum damaligen Zeitpunkt wenige Personen, die ganz viel Arbeit gemacht haben. Das ist in Auer auch so, wo alle mit Herzblut dabei sind, jeder sich voll einbringt, alle an einem Strang ziehen, alle in eine Richtung marschieren." Wohin dass noch führen kann? Dirk Schuster will es gar nicht wissen: "Wir tun gut daran, wenn wir gar nicht groß Energie, Zeit und Gedanken an das "was wäre wenn" verschwenden."

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