Spätes, aber verdientes K. o.

Erzgebirge Aue verliert in der 2. Fußball-Bundesliga beim VfL Bochum durch ein spätes Gegentor mit 1:2 (1:0). Dabei hatten die Veilchen lange Zeit das Glück auf ihrer Seite.

Bochum.

Die Spieler des FC Erzgebirge schauten bedröppelt aus ihrer durchnässten Wäsche, während die Bochumer im heimischen Ruhrstadion zu den Klängen Herbert Grönemeyers den Sieg in letzter Sekunde feierten. Im Epizentrum des Jubels: VfL-Profi Tom Weilandt. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte gegen die Auer erst den frühen Treffer von FCE-Stürmer Pascal Testroet egalisiert und in der dritten Minute der Nachspielzeit - quasi mit dem Schlusspfiff - für den 2:1 (0:1)-Erfolg des Revierclubs gesorgt. "Bitter. Echt ärgerlich, wenn man am Ende ohne etwas Zählbares nach Hause fahren muss", meinte Aues Torhüter Martin Männel enttäuscht.

Der Kapitän der Erzgebirger merkte jedoch auch ohne Umschweife an, dass "das Ergebnis die Partie widerspiegelt". Sein Trainer Daniel Meyer kam zum gleichen Schluss. "Der Zeitpunkt des Gegentors war bitter. Wir hätten den Punkt klauen können", sagte der Coach der Erzgebirger. "Wir haben uns mit allem gewehrt, was wir haben. Wir müssen aber anerkennen, dass der Gegner besser war."

Dabei lief bei nasskalten Temperaturen im Ruhrgebiet lange Zeit vieles zu Gunsten der Gäste. Bereits nach 14 Sekunden parierte Männel einen Schuss von Weilandt aus aussichtsreicher Position. Die Bochumer ließen ihre erste Gelegenheit liegen, die Auer schlugen nicht einmal anderthalb Minuten später eiskalt zu: Florian Krüger behielt bei seinem Zweitligadebüt die Übersicht und bediente Testroet, der überlegt zum 1:0 verwandelte.

Im zweiten Durchgang ging es bis zum Doppelpack Weilandts ähnlich weiter. FCE-Verteidiger Dennis Kempe foulte den Mann des Spiels im Strafraum (60.). Dies blieb ohne Folgen: Der bereits zuvor verwarnte Kempe sah nicht die Gelb-Rote Karte und Bochums Lukas Hinterseer setzte den Elfmeter an den Pfosten.

Warum die Auer es nicht schaffte, im zweiten Durchgang dies zumindest in einen Zähler umzumünzen? "Kaum Ballbesitz, wenig Entlastung, wir standen zu tief und waren oft zu passiv", analysierte Meyer. Außer einem Distanzschuss von Kempe, den VfL-Keeper Manuel Riemann problemlos entschärfte (77.), gab Aue nach der frühen Führung keinen Schuss mehr ab.

Die Statistiken belegen das Übergewicht des VfL. Die Bochumer hatten 64 Prozent Ballbesitz, sie schossen 18-mal auf das Tor, flankten 26-mal. In den Bochumer Strafraum segelte gerade einmal eine Flanke, die Erzgebirger kamen zu keinem Eckstoß und wiesen zudem mit 69 Prozent eine schwache Passquote auf.

Bereits vor der Pause schnürte die Mannschaft von Trainer Robin Dutt die Auer in der eigenen Hälfte ein. Meyer vor Spielbeginn mit einem taktischen Kniff versucht, das spielstarke Bochumer Mittelfeld auszuschalten. Die Veilchen verteidigten nicht in der gewohnten Fünferkette, sondern mit vier Spielern in der letzten Linie. Nicolai Rapp agierte gemeinsam mit den defensiven Mittelfeldspielern Philipp Riese und Clemens Fandrich vor der Abwehr. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Steve Breitkreuz (21.) übernahm Dominik Wydra die Rolle. Das Zentrum war dicht, doch auf der Außenbahn fanden sich Calogero Rizzuto und Kempe häufig in Unterzahlsituationen wieder. "Wir haben in der Halbzeit zusammengesessen und beraten: Denn die Jungs hatten auf der Außenbahn Probleme mit den Verlagerungen", berichtete Meyer. "Deswegen haben wir das System in der Pause zu einem 4-1-4-1 geändert, um mehr Spieler auf dem Flügel zu haben und den Zugriff zu erhöhen."

Doch die Maßnahme fruchtete nur bedingt. Beide Gegentore wurden durch ungehindert flankende Flügelspieler eingeleitet. Gleichzeitig musste Meyer für die Umstellung einen Stürmer opfern (Verteidiger Fabian Kalig kam für Testroet). Das machte es für den einsam ackernden Krüger nahezu unmöglich, den Ball vorn zu halten und so für Entlastung zu sorgen. "Wenn sie uns über außen auseinanderspielen, wird gefragt, warum wir nicht reagiert haben. Im Nachhinein darüber zu diskutieren, ist müßig", meinte Meyer.

Die Bochumer hätten durch ihren starken Auftritt den Auern ein System und eine Spielweise aufgezwungen, die ungewohnt ist, meinte der 39-Jährige. Er machte jedoch einen anderen Hauptgrund dafür aus, dass seine Schützlinge nicht mehr aus der eigenen Hälfte herauskamen: "Das ist eher ein mentales Thema. Du führst auswärts 1:0, hast das Gefühl, das Bochum kein Tor mehr schießt - spätestens nach dem verschossenen Elfmeter. Je länger das Spiel dauert, desto mehr hast du zu verlieren, willst es über die Zeit retten und verschanzt dich."

Da die meisten Clubs aus dem Tabellenkeller der 2. Bundesliga auch leer ausgingen, stehen die Veilchen weiterhin auf Platz 13. Doch nach drei Niederlagen in Serie, ist die Lage trügerisch. Um das von Meyer anvisierte ruhige Weihnachtsfest im Lößnitztal genießen zu können, müssen die Auer in den vier Partien - drei davon zu Hause - vor der Winterpause mindestens zwei gewinnen.

Statistik: Bochum: Riemann - Celozzi, Hoogland (V), Gyamerah, Danilo Soares - Losilla, Tesche - Sam (63. Ganvoula), Saglam (57. Lee), Weilandt (V) - Hinterseer (V). Aue: Männel - Rizzuto, Cacutalua, Breitkreuz (22. Wydra/V), Kempe (V) - Fandrich (V), Rapp, Riese (V) - Hochscheidt - Testroet (46. Kalig), Krüger (79. Iyoha). SR.: Kampka (Mainz); Zu.: 17.012; Tore: 0:1 Testroet (2.), 1:1, 2:1 Weilandt (73., 90.+3); bes. Vorkommnis: Hinterseer verschießt Foulelfmeter (61.).

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...