St. Paulis Coach Kauczinski: Aufstiegsgerede «Käse»

Der FC St. Pauli hat den Aufstiegskandidaten-Test bestanden: Nach dem 3:1 beim Fünften Bochum sind die Hamburger punktgleich mit dem Dritten Berlin. An den Aufstieg zu denken, verbietet sich aber laut Trainer Markus Kauczinski.

Bochum (dpa) - Den Gedanken an eine doppelte Hamburger Aufstiegsfeier im Mai 2019 empfand Markus Kauczinski als «Käse».

Der Trainer des FC St. Pauli hatte gerade mit 3:1 (2:1) beim Fünften VfL Bochum gewonnen und sich eigentlich als Aufstiegskandidat positioniert. Doch angesichts der Dominanz des Stadtrivalen Hamburger SV und des 1. FC Köln erwartet der Pauli-Coach in diesem Jahr überhaupt keinen Aufstiegskampf.

«Mit Köln oder dem HSV kann sich am Ende keiner messen - da zähle ich uns dazu», sagte Kauczinski nach dem Erfolg an alter Wirkungsstätte - Ende der 80er Jahre spielte er mal für die 2. Mannschaft des VfL. Und stellte dann die ungewöhnliche Rechnung auf: «In dieser Saison beginnt das Tabellen-Mittelfeld auf Platz drei.»

Doch mit diesem Dritten, Union Berlin, sind die Kiez-Kicker nun punktgleich. Und angesichts zweier Heimspiele gegen Fürth und Magdeburg ist ein Überwintern auf dem Relegationsplatz nicht unrealistisch. St. Pauli mischt also voll im Aufstiegsrennen mit.

Ob die Hamburger ein Aufstiegskandidat seien, sollten «andere entscheiden», meinte der angeblich vom FC Liverpool umworbene Abwehrchef Philipp Ziereis: «Wir wollen einfach in Schlagdistanz zu den ersten beiden bleiben und eine richtig geile Saison spielen.»

Dass dies bisher klappt, liegt offenbar an der guten Stimmung im und rund um das Team. In Daniel Buballa, Marvin Knoll, Richard Neudecker und Christopher Buchtmann fehlten in Bochum vier Leistungsträger. Stattdessen kam Pauli-Urgestein Jan-Philipp Kalla zum ersten Einsatz in dieser Saison. Und «Schnecke», so sein Spitzname, rettete gleich zweimal auf der Linie. «Nach ein paar kurzen Krampfanfällen fühlte ich mich ganz gut», scherzte Kalla.

Auch Joker Mats Möller Daehli, der das 3:1 erzielte (86.), war zu Scherzen aufgelegt. «Das war sicher das hässlichste Tor der Saison», sagte der Norweger, der den Ball beim Torschuss nicht richtig getroffen hatte. Und Henk Veerman, der nach dem Elfmeter-Fehlschuss des ersten Torschützen Sami Allagui (15.) das 2:1 im Nachschuss erzielt hatte (42.), gestand lächelnd, dass das Tor irregulär war. «Ich bin zu früh in den Strafraum gelaufen und habe gehofft, dass der Schiedsrichter es nicht merkt», sagte er. «Hat geklappt.»

Gar nicht gelöst war derweil die Stimmung beim VfL, der im Kampf um zumindest Platz drei einen herben Rückschlag erlitt. Auf die Qualität des unterhaltsamen Spiels angesprochen, sagte Trainer Robin Dutt deshalb verbittert: «Ich freue mich für alle neutralen Zuschauer. Meiner Mannschaft kann ich nicht all zu viele Komplimente machen. Denn zu gutem Fußball gehört auch die Absicherung nach hinten.»

Da bis zur Winterpause noch der Dritte Berlin und der Zweite Köln warten, droht der VfL Weihnachten im Tabellen-Mittelfeld zu verbringen. «Anscheinend sind wir noch nicht so weit», stellte Torhüter Manuel Riemann frustriert fest: «Und ob es am 34. Spieltag vielleicht reicht, weil die anderen alle zu doof sind, können wir jetzt noch nicht sagen.»

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