Tiffert: Es kommt auf den Matchplan an

Aues Routinier kennt die positiven Effekte, die ein Trainerwechsel auslösen kann, und hat schon unter vielen bekannten Namen wie Magath oder Trapattoni gespielt. Jetzt heißt sein Coach Domenico Tedesco, dessen Mut ihm durchaus Respekt abnötigt.

Aue.

An seine Zeit beim VfL Bochum hat Christian Tiffert - was die sportliche Seite betrifft - nicht unbedingt die besten Erinnerungen. Vom Sommer 2013 bis zum Sommer 2014 stand er beim Revierklub unter Vertrag, aber es lief nicht besonders für die Mannschaft von Peter Neururer. "Es hat gebrannt, die Stimmung war schlecht", erinnert sich Christian Tiffert an den März 2014, als der FC Erzgebirge Aue im Ruhrstadion gastierte. "Wir waren in dem Hotel direkt am Stadion, in der Nähe der Starlight-Halle. Davor haben einige VfL-Fans gewartet und uns beim Rüberlaufen darauf hingewiesen, dass wir das Spiel doch bitteschön gewinnen sollten", erzählt der damalige Rechtsaußen lachend. Die Gastgeber hielten sich daran, besiegten den FCE mit 1:0 durch ein Tor von Richard Sukuta-Pasu.

Inzwischen trägt Christian Tiffert das Trikot der Veilchen und spielt auf einer anderen Position. Die jüngsten Erinnerungen an den VfL Bochum, bei dem die Erzgebirger am Sonntag (Anstoß: 13.30 Uhr) am 25. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga bestehen müssen, sind deswegen nicht besser. Denn das Hinspiel im Lößnitztal ging mit 2:4 verloren und der Routinier sah Gelb-Rot. "Aus diesem Spiel habe ich noch viele Szenen im Kopf. Nicht nur, weil ich vom Platz geflogen bin, sondern weil es der VfL sehr gut gemacht hat. Urplötzlich standen sie vor unserem Tor, weil wir nicht wussten, wie wir reagieren sollen", blickt der Chef im Auer Mittelfeld zurück und gleichzeitig voraus: "Das darf uns keinesfalls wieder passieren, dann ist für uns auch da vieles möglich."

Das zuletzt hart erkämpfte 1:0 gegen den Karlsruher SC nährt die Hoffnungen natürlich: "So ein Sieg in einem Abstiegskrimi tut gut. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass bei uns jetzt keiner denkt, alles ist wunderbar. Das ist extrem wichtig", meint Christian Tiffert. Mit Blick auf den Sonntag fügt er hinzu: "Es kommt auf den Matchplan an. Aber dafür haben wir ja einen Trainer." Dieser heißt bekanntlich Domenico Tedesco, der gegen den KSC mit einer neuen taktischen Aufstellung überraschte und damit das Spiel und Sympathien gewann.

Ein neuer Trainer kommt - und das Blatt wendet sich. Das klappt nicht immer, aber doch sehr oft. Christian Tiffert kennt den Effekt. Allein in seiner Zeit beim VfB Stuttgart (2000 bis 2006), dem MSV Duisburg, (2007 bis 2010), dem 1. FC Kaiserslautern (201o bis 2012) und dem VfL Bochum erlebte er acht Trainerwechsel. Unter denen, die gingen und kamen, sind bekannte Namen wie Ralf Rangnick, Felix Magath, Matthias Sammer, Giovanni Trapattoni, Krassimir Balakow, Franco Foda oder Peter Neururer, der Christian Tiffert sowohl in Duisburg als auch Bochum striezte. Ein Trainerwechsel hat ihn nach eigenen Worten aber am meisten geprägt: "Das ist klar. Von Rangnick zu Magath hat sich wahnsinnig viel geändert. Er ist in einer schwierigen Phase gekommen, und im nächsten Jahr waren wir Zweiter. Allerdings war ich damals auch noch sehr jung", sagt der inzwischen 35-Jährige. Auf den "harten Hund" Felix Magath hält er viel. "Bei ihm habe ich am meisten gelernt. Deshalb teile ich es nicht, wenn sich viele immer über ihn beschweren. Klar muss man eigene Erfahrungen machen und einen starken Charakter haben, aber ich finde, dass es einen prägt."

Dotchev-Nachfolger Domenico Tedesco (31) ist mit ziemlicher Sicherheit ein anderer Typ als Felix Magath und auch keiner der aussterbenden Gattung "Feuerwehrmann". Aber er profitiert von den Mechanismen. "Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Trainer seine eigene Philosophie mitbringt. Wenn sie erfolgreich ist, dann heißt das nicht, dass beim alten Coach alles schlecht war, aber manchmal braucht es neue Impulse, eine neue Spielidee oder einen Tausch auf einer Position", weiß Tiffert. Hinzu kommt, dass sich für einige Spieler die Chance bietet, wieder heranzukommen, in der Mannschaft Fuß zu fassen, sich neu anzubieten. Das motiviert und setzt Kräfte frei.

Diese wird der FC Erzgebirge beim VfL Bochum benötigen - und natürlich einen Plan. Christian Tiffert ist diesbezüglich optimistisch: "Unser Trainer macht in den ersten Tagen auf mich den Eindruck, dass er sehr genau weiß, was er in jedem Spiel zu machen hat, dass er Dinge sehr klar analysiert. Ich möchte dazu eigentlich auch nichts Großartiges sagen", meint der erfahrene Profi. Dann lässt er sich aber doch noch ein paar Gedankengänge entlocken. "Der Trainer hatte den Mut, nach zwei Tagen das System zu ändern. Deshalb denke ich, dass er auch den Mut hat, nochmals umzustellen", glaubt Christian Tiffert, für den die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte nichts "Megabesonderes" ist. Ein 1:0 in Bochum würde er aber "selbstverständlich" unterschreiben. Diesmal soll der Sieger allerdings FC Erzgebirge und nicht VfL heißen. Nach der Saison 2013/2014 stiegen im Übrigen beide Mannschaften nicht ab. Das ist doch mal eine schöne Erinnerung.

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