Trainerwechsel bei FC Aue: Erfolgreich und erleichtert zurück in die zweite Reihe

Beim FC Erzgebirge Aue vertrat André Meyer seinen Bruder und Cheftrainer Daniel Meyer in der vergangenen Woche erfolgreich. Nun ist der Ältere zurück - aufgrund des anstehenden Gegners hat André Meyer aber auch diese Woche eine besondere Aufgabe.

Aue.

Die Erleichterung darüber, dass Daniel Meyer am Donnerstag auf den Auer Trainingsplatz zurückkehrte, war seinem jüngeren Bruder André anzumerken. "Klar bin ich froh darüber", bestätigt der Co-Trainer des FC Erzgebirge Aue den Eindruck. Für etwa anderthalb Wochen ersetzte der 35-Jährige den vier Jahre Älteren, weil dieser sich nach einem Trauerfall um die Familie kümmerte. "Es ist für die Spieler eine ganz andere Situation, wenn der Cheftrainer anwesend ist. Ich hoffe, dass er nicht so häufig weg ist - auch wenn es jetzt gut funktioniert hat."

Nicht nur der 3:2-Sieg gegen den SV Wehen Wiesbaden der Veilchen im ersten Zweitligaheimspiel der Saison spricht für André Meyer. In einer sicherlich auch für einen Bruder emotional schwierigen Phase strahlte er die nötige Ruhe aus, fand öffentlich und offensichtlich auch in der Kabine die richtigen Worte.

Beim unverhofften Rollenwechsel kam ihm zugute, dass er zuletzt eine Saison bei Regionalligist Union Fürstenwalde das Ruder als Chef in der Hand hatte. "Die Erfahrung, im Männerbereich bereits Ansprachen geleitet zu haben, und das Wissen, wie man mit verschiedenen Spielertypen umgeht, haben geholfen", erklärt der Brandenburger.

Unerfahren ist der im Sommer verpflichtete Auer Co-Trainer nicht. 2006, noch während seines Sportstudiums, trainierte der damals 22-Jährige beim 1. FC Köln erstmals eine Nachwuchsmannschaft eines Proficlubs. Zuvor stand er bei seinem Heimatverein in Strausberg an der Linie. "Ich weiß nicht, wie viele Profitrainer vorweisen können, schon 13 Jahre lang Coach zu sein. Der Trend geht ja eher dahin, dass man zügig in die Verantwortung geschubst wird", meint der Fußballlehrer und diplomierte Sportökonom. "Ich kann von mir dagegen behaupten, dass ich alle meine Trainerschritte sorgfältig gemacht habe. Von klein nach groß, vom Nachwuchs- in den Herrenbereich."

Die Trainerstationen im Lebenslauf lesen sich für einen 35-Jährigen bereits beachtlich: Beim 1. FC Köln, bei Hertha BSC, beim FC Augsburg und bei Union Berlin war er für Jugendteams verantwortlich sowie zuletzt in Fürstenwalde Chef der ersten Mannschaft. "Ich bin mir in meinem Handwerk sehr sicher, habe eine klare Vorstellung davon, wie ich Fußball spielen will, wie man mit einer Mannschaft in puncto Ordnung und Disziplin umgeht. Das habe ich mir über 13 Jahre zusammengebastelt." Und es ist kein Zufall, dass sich seine Vorstellungen mit denen seines Vorgesetzten überschneiden. "Ich habe in der Jugend selbst unter Daniel gespielt und seine Denke bereits als Aktiver aufgesaugt. Und dann ist es schon so, dass man sich am großen Bruder orientiert."

Wie Daniel schaffte auch André Meyer als Spieler den Sprung zu den Profis nicht. Der Jüngere konzentrierte sich mit Anfang 20 auf sein Studium und seine Trainerlaufbahn, kickte nur noch nebenbei. Wer der bessere Fußballer war? "Wenn man Daniel fragt, wird er sagen, dass er es war. Ich antworte mal so: Ben, unser Jüngster, hat das größte Talent (spielt derzeit bei Energie Cottbus; Anm. d. Redaktion). Danach fällt das Niveau ab. Damit wäre ich als Mittlerer ja noch vor Daniel", erklärt André Meyer lachend.

Obwohl er im Trainerstab wieder in die zweite Reihe zurückkehrt ist, kommt ihm vor der ersten DFB-Pokalrunde am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen Wacker Nordhausen eine besondere Aufgabe zu. Als Trainer von Fürstenwalde traf er vergangene Saison zweimal auf die Thüringer - und verlor 0:4 und 1:2. "Das Rückspiel lief unglücklich für uns. Selbst mit den Möglichkeiten von Fürstenwalde haben wir aber ein gutes Mittel gefunden, wie man gegen Wacker spielt", sagt André Meyer. "Fakt ist: Nordhausen ist keine klassische Regionalligamannschaft. Von der Qualität und der Erfahrung der Spieler her ist sie eher mit einem Drittligisten zu vergleichen." Er warnt auch vor der Atmosphäre im Harz: "In dem kleinen, engen Stadion ist die Stimmung für den Gast unangenehm. Wir dürfen gar nicht erst anfangen, uns mit den Fans zu beschäftigen." Daniel Meyer betont, dass die Auer die Kampfansagen des Außenseiters in den vergangenen Tagen vernommen hätten: "Wir gehen die Partie fokussiert an, um der Favoritenrolle gerecht zu werden."

Gut möglich, dass am Sonnabend in Nordhausen trotz der Rückkehr von Daniel erneut nur ein Meyer auf der Bank sitzt. Diesmal könnte André aus persönlichen Gründen fehlen: "Meine Frau ist mit unserem zweiten Kind hochschwanger. Ich warte stündlich darauf, dass es losgeht."

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