Traumtor verdirbt Meyers Premiere beim FCE

Das erste Pflichtspiel unter Trainer Daniel Meyer hat der FC Erzgebirge Aue in der 2. Fußball-Bundesliga mit 0:1 bei Union Berlin verloren. Die von ihm geforderte offensive Spielweise konnten die Veilchen nur phasenweise umsetzen. Der Coach nahm seine Profis aber in Schutz.

Der Ball auf dem Flug ins Tor von Martin Männel (r.). Felix Kroos (im Vordergrund), der Mittelfeldspieler vom 1. FC Union Berlin, sicherte mit einem Freistoß in der Schlussphase den 1:0-Sieg der Gastgeber gegen den FC Erzgebirge Aue.

Für Sie berichtet: Sebastian Siebertz

Familie Kroos scheint Freistöße im Blut zu haben. Toni hatte bei der WM gegen Schweden für die Nationalmannschaft die Kugel in den Winkel befördert, am Sonntag machte es ihm sein Bruder Felix im Trikot von Union Berlin nach. Zum Leidwesen des FC Erzgebirge: Durch das Traumtor in der Schlussphase verloren die Veilchen am ersten Spieltag der 2. Bundesliga 0:1 (0:0) im Stadion An der Alten Försterei.

Die Niederlage in allerletzter Minute verdarb dem neuen Auer Trainer Daniel Meyer das Debüt an der Seitenlinie. "Klar bin ich enttäuscht", sagte der 38-Jährige, fügte aber sofort an: "Ich fand die Leistung, die Art und Weise, wie wir gespielt haben, in Ordnung. Am Ende war es eine Frage des Matchglücks."

Bei seiner Premiere vertraute der Coach zwei von acht Neuzugängen: Robert Herrmann, der in der Jugend der Eisernen das Fußballspielen erlernte, und den aus Braunschweig ins Erzgebirge zurückgekehrten Jan Hochscheidt standen in der Startelf. Neu war im Gegensatz zur vergangenen Saison aber die deutlich offensivere Ausrichtung. Zu einem Sturmlauf der Veilchen führte diese allerdings nicht. Zwar gingen die Auer vom Anpfiff weg mit vollem Einsatz in die Zweikämpfe, nach vorn ging nicht viel, die Berliner hatten die Partie anfangs im Griff. In der Auer Spielhälfte fiel den Gastgebern jedoch wenig ein. Ein Distanzschuss von Akaki Gogia, den FCE-Keeper Martin Männel um den Pfosten lenkte, war lange Zeit der einzige gefährliche Abschluss (6.) der Partie.

"Das war typisch für den ersten Spieltag. Es kam kaum ein Spielfluss zustande. Beide Mannschaften waren erst einmal darauf bedacht, keine Fehler zu machen", analysierte Meyer. Mario Kvesic sorgte dann für die Initialzündung: Der Kroate hämmerte einen Freistoß aus rund 35 Metern auf das Tor, Berlins Torwart Rafal Gikiewicz konnte den Flatterball nur nach vorn abprallen lassen (32.). Zu einem Nachschuss kam es nicht, weil der Schiedsrichter ein Offensivfoul sah.

Fortan setzten die Lila-Weißen die Akzente. Nach einem Eckstoß verlängerte Dimitrij Nazarov die Kugel, Fabian Kalig setzte die nicht einfach zu nehmende Vorlage sechs Meter vor der Torlinie allerdings über den Kasten (34.). Für Nazarov war die Distanz sogar noch um die Hälfte kürzer: Doch der aserbaidschanische Nationalstürmer konnte die scharfe Flanke von Kvesic nicht verarbeiten, sodass Union-Keeper Gikiewicz den Ball problemlos sichern konnte (36.). "Der geht mir ans Standbein. Das muss die Führung sein", ärgerte sich Nazarov. "Wenn wir in Führung gehen, gewinnen wir auch."

Diese These ist nicht von der Hand zu weisen: Denn in der zweiten Halbzeit entwickelte sich eine ausgeglichene, aber ereignisarme Partie, die sich fast ausschließlich zwischen den Strafräumen abspielte. Gefährliche Situationen vor den Toren kamen lange nicht zustande. "So eine Partie müsste minus eins zu minus eins ausgehen. Das war nicht einmal ein 0:0", meinte FCE-Abwehrchef Christian Tiffert kritisch. "Wir verteidigen das souverän, was Mut für die Zukunft macht. Aber nach vorn war das zu wenig, um ein Spiel zu gewinnen."

FCE-Trainer Daniel Meyer ging nicht so hart mit seinen Schützlingen ins Gericht, obwohl er in der Vorbereitung vor allem eins deutlich machte: Er steht für Offensivfußball. "Ich hätte gern gesehen, wie wir agiert hätten, wenn wir in Führung gegangen wären. Da hätten wir sicherlich mehr Mut in unseren Offensivaktionen gehabt, als es im zweiten Durchgang der Fall war. Bei den zwei Möglichkeiten vor der Pause wäre das möglich gewesen", erklärte der Fußballlehrer und zeigte sich optimistisch. "Wir haben in der Vorbereitung eine Entwicklung eingeleitet. Wir wollen Dinge anders machen und das braucht Zeit."

Positiv war der Auftritt von Christian Tiffert: Der Routinier hatte die meisten Ballaktionen, war mit einer Quote von 73 Prozent gewonnener Zweikämpfe der Kopf der Abwehr. Der 36-Jährige hatte jedoch auch entscheidenden Anteil am Gegentreffer, als er rund 30 Meter vor dem Tor ein Foul an Unions Mittelstürmer Sebastian Andersson beging. "Ich weiß gar nicht, ob ich ihn zu sehr halte. Er macht das geschickt", sagte Tiffert und schickte ein Lob an den Schützen Kroos. "Den Freistoß in dieser Distanz zuzulassen ist das eine - wir müssen auf der anderen Seite aber anerkennen, dass er kurz zuvor eingewechselt wurde, zwei Ballkontakte hat und dann das Ding so reinschweißt."

Statistik Berlin: Gikiewicz - Trimmel, Parensen, Friedrich, Reichel - Schmiedebach (V/81. Kroos) - Gogia (58. Hedlund), Prömel (V), Hartel, Redondo (65. Mees) - Andersson.

Aue: Männel - Kalig, Tiffert (V), Cacutalua (V) - Rizzuto, Fandrich, Hochscheidt (78. Baumgart/V), Herrmann - Kvesic (69. Rapp) - Bertram, Nazarov (85. Iyoha).

SR: Cortus (Röthenbach); Zu.: 21.752; Tor: 1:0 Kroos (87.).

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