Trotz Slapstick-Einlage - Krüger wird zum Matchwinner

Der FC Erzgebirge Aue gewinnt am 1. Spieltag der 2. Bundesliga mit 3:0 bei den Würzburger Kickers. So souverän wie es das Ergebnis vermuten lässt, war der Auftritt der Veilchen aber lange nicht.

Würzburg.

Florian Krüger konnte nach Abpfiff über seinen kapitalen Fehlschuss lachen. "Das können wir jetzt schon in die Slapstick-Zusammenfassung für diese Saison reinnehmen", sagte der Stürmer des FC Erzgebirge Aue grinsend. Sein Trainer Dirk Schuster meinte mit deutlich ernsterer Miene: "Wir konnten verschmerzen, dass Flo Krüger aus drei Metern das leere Tor nicht trifft." Statt in die Maschen zu zischen, knallte der Ball in der 83. Minute an die Latte. Es wäre der Treffer zum 3:0 gegen die Würzburger Kickers, die vorzeitige Entscheidung zugunsten der Veilchen und die Krönung von Krügers Leistung gewesen. Denn der Blondschopf war am Sonnabend trotz der vergebenen Riesenchance der Matchwinner beim 3:0 (0:0)-Auswärtssieg der Auer beim fränkischen Aufsteiger.

Der Stürmer hatte das 1:0 durch Patrick Strauß (60.) und das 2:0 von Pascal Testroet (63.) mustergültig vorbereitet. Vor dem ersten Treffer kombinierte sich Krüger per Doppelpass mit Philipp Riese durch die Kickers-Verteidigung und bediente seinen Mitspieler, der nur noch den Fuß hinhalten musste. Dem 2:0 ging ein Solo des gebürtigen Staßfurters über den linken Flügel voraus - wieder spielte er quer, wieder war der Abschluss reine Formsache. "Eine massive Leistungssteigerung im Vergleich zur Pokalpartie", sagte Schuster zu Krügers Auftritt. Bei der 0:2-Niederlage gegen Regionalligist SSV Ulm hatte er sich in die schwache Leistung des gesamten Teams eingereiht. "Da wirkte er müde und nicht auf der Höhe", meinte Schuster und schob die Erklärung dafür gleich nach: "Er hat 15 Tage lang bei der deutschen U21 Vollgas gegeben, um sich zu empfehlen, und hat ja auch in beiden Partien einige Minuten gespielt. Dazu kamen noch die Reisestrapazen. Im Nachhinein kann man sagen, dass es besser gewesen wäre, ihn in der Garage zu lassen."

Vor der Auswärtsreise nach Würzburg gewährte Schuster dem 21-Jährigen einen zusätzlichen trainingsfreien Tag. Mit Erfolg. "Ich habe mich körperlich sehr gut gefühlt, war froh, dass ein Tag mehr zum Durchschnaufen da war. Das kam mir zu Gute - und der Mannschaft auch", meinte Krüger. Der für ihn eingewechselte Tom Baumgart sorgte in der Nachspielzeit per Kopf für den 3:0-Endstand.

So souverän wie das Ergebnis klingt, war der Erfolg am 1. Spieltag für die Erzgebirger aber lange nicht. Die Gastgeber waren im ersten Durchgang deutlich näher am Führungstor dran. Den Schuss von Kickers-Stürmer Luca Pfeiffer lenkte FCE-Torwart Martin Männel gerade noch über den Querbalken (31.). Die abgefälschte Direktabnahme von Dominic Baumann flog nur Zentimeter am Tor vorbei (36.). "Würzburg hat es am Ende der ersten Halbzeit gut gemacht, da hatten wir etwas den Zugriff verloren", analysierte Krüger. "Die Halbzeitpause war wichtig, weil wir uns sammeln konnten. Wir sind mit der richtigen Einstellung wieder rausgekommen." Und mit Testroet. Der bullige Angreifer ersetzte Jan Hochscheidt, der alles andere als fit wirkte.

Besonders Krüger tat der völlig andere Spielertyp an seiner Seite gut. "Es liegt mir einfach eher, wenn neben mir ein Stürmer ist, der die ersten Bälle festmacht oder verlängert, und ich mich drumherum oder in die Tiefe bewegen kann", erklärte Krüger, der zudem mit "Paco" eng befreundet ist. Und Testroet wollte sich bei seinem Kumpel Krüger für dessen Vorlage revanchieren: Der Joker hätte in der 83. Minute selbst abschließen können, doch legte quer - mit bekanntem Ausgang. "In engen Spielen geht er rein", versprach Krüger. Doch wie viele Partien im Auer Trikot bestreitet er noch? Seit Wochen wird über einen Abgang spekuliert. Bundesligisten sollen Interesse an dem talentierten Stürmer zeigen. "Ich habe dazu alles gesagt", meinte Krüger erst - um dann doch einen Satz hinzuzufügen, der die FCE-Fans freuen dürfte: "Ich glaube nicht, dass noch etwas passiert."


"Ein Supergefühl"

Patrick Strauß zeigte gegen Würzburg eine starke Leistung. Mit Sebastian Siebertz sprach der 24-Jährige nach der Partie über seine aktuelle Form.

Freie Presse: Sie haben das erste Saisontor für den FC Erzgebirge geschossen. Wie ist die Stimmung?

Patrick Strauß: Ein Supergefühl. Es ist umso besser, da wir heute auch drei Punkte mitgenommen haben.

Wie wichtig ist der Auftaktsieg?

Es war die richtige Antwort nach der Pokalniederlage letzte Woche. Außerdem wollten wir auf gar keinen Fall so eine Serie mit sieglosen Auswärtsspielen hinlegen wie vergangene Saison. Jetzt möchten wir aber erst einmal im Heimspiel den nächsten Dreier einfahren.

Vor einem Dreivierteljahr haben Sie sich Gedanken über einen Wechsel gemacht, weil Sie kaum gespielt haben. Nun kommen Sie fast in jeder Partie zum Einsatz.

Ich spüre das Vertrauen des Trainerteams. Bis zur Winterpause habe ich mir selbst nicht viel zugetraut. Das hat sich inzwischen um 180 Grad gedreht. Ich fühle mich jetzt einfach wohl.

Ihre Form ist blendend.

Ich hoffe, es wird noch besser.sesi

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