Veilchen vergolden Rieses Traumtor nicht

Der FC Erzgebirge Aue kassiert beim 1:1 gegen den 1. FC Heidenheim erneut ein spätes Tor. Auffällig ist, auf welche Weise der Zweitligist zuletzt Gegentreffer hinnehmen musste.

Aue.

Philipp Riese bog nach seinem Kunstschuss ins Netz schnurstracks zur Haupttribüne des Erzgebirgsstadions ab. Der Mittelfeldspieler des FC Erzgebirge Aue sprintete an den ausgebreiteten Armen der Mitspieler vorbei zu Fabian Kalig und nahm den Verteidiger in die Arme. "Wir haben das Tor 'Foxi' gewidmet", erklärte der Torschütze des Führungstors den Jubellauf beim 1:1 (0:0) der Veilchen gegen den 1. FC Heidenheim. Kalig leidet seit anderthalb Wochen unter einer Knieverletzung, saß am Sonnabend das dritte Spiel in Folge auf der Tribüne.

"Er ist so wichtig für uns - nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld. Deswegen gab es keine Alternative, als ihm das Tor zu widmen", sagte Riese. "Er braucht jetzt unsere Unterstützung. Wir hoffen, dass er so schnell wie möglich wieder bei uns sein kann." Was der Rechtsverteidiger genau hat, ist noch nicht bekannt. Laut FCE-Trainer Dirk Schuster soll es sich um Probleme im Knorpelbereich handeln. "Er will sich aber noch eine zweite Meinung einholen", sagte der Coach vergangene Woche.

Dass die Stimmung bei Torschütze Riese direkt nach Abpfiff getrübt war, lag jedoch vor allem am Tor der Heidenheimer in der 87. Minute. "Leider haben wir wieder so spät ein Gegentor kassiert", meinte der 29-Jährige. Am Spieltag zuvor hatten die Erzgebirger beim SV Darmstadt ebenfalls drei Minute vor Ende der regulären Spielzeit einen Treffer hinnehmen müssen und so 0:1 verloren. "Wir werden das analysieren, damit uns das nicht so schnell wieder passiert", erklärte Riese.

In der Analyse wird den Auern auffallen, dass das Remis gegen den 1. FC Heidenheim durchaus leistungsgerecht war, ein Heimsieg eher glücklich gewesen wäre. Die Schwaben bestimmten weitestgehend die Partie und hatten insgesamt die besseren Torchancen. FCE-Torhüter Martin Männel war gleich dreimal glänzend zur Stelle: Erst kratzte er einen Kopfball von Ex-Veilchen Arne Feick aus dem Eck (39.), dann parierte der Kapitän zweimal per Fußabwehr die Abschlüsse von FCH-Angreifer Tim Kleindienst (61., 80.). Feick setzte außerdem einen Schuss nur knapp am Tor vorbei (67.). In der 87. Minute zappelte die Kugel dann aber doch im Netz der Gastgeber: Die Heidenheimer verlängerten zweimal einen langen Einwurf und der eingewechselte Sebastian Schimmer verwandelte aus kurzer Distanz zum 1:1. "Der Ausgleich war verdient. Aber es war ärgerlich, dass es so kurz vor Schluss und nach einem Einwurf passiert ist", resümierte Schuster.

"Wenn uns das 1:1 früher gelungen wäre, hätten wir gute Chancen gehabt, das Spiel zu gewinnen. Warum? Weil wir den ein oder anderen frischeren Spieler auf dem Platz hatten", mutmaßte Gäste-Trainer Frank Schmidt, der im Vergleich zur 1:4-Pokalniederlage am Mittwochabend bei Bundesligist Werder Bremen auf gleich acht Positionen andere Spieler von Beginn an brachte. FCE-Trainer Schuster entschied sich nach dem 1:2 bei Fortuna Düsseldorf zu drei Wechseln. "Das hat sich zum Ende der Partie bemerkbar gemacht", gab der Auer Coach zu.

Betrachtet man die vier Gegentore der Veilchen in der zurückliegenden Englischen Woche, stellt man fest: Keines fällt aus dem Spiel heraus. Beim 0:1 gegen Darmstadt wurde den Erzgebirgern ein Eckball zum Verhängnis, beim 1:2 am Mittwochabend im DFB-Pokal resultierten die Gegentore aus einem Elfmeter und einem Eckball. Gegen Heidenheim klingelte es nach verlorenen Kopfballduellen bei einem weiten Einwurf. "Wir waren heute von der Körpergröße her gnadenlos unterlegen und haben dennoch unzählige Eckbälle und Freistöße verteidigt", verteidigte Schuster seine Schützlinge, fügte aber an: "Wir müssen uns etwas einfallen lassen, wie wir Standards angehen. Ich denke, dass die Mannschaft lernfähig ist, sodass wir das abstellen können." Riese sieht das ähnlich: "Wenn wir daran nicht arbeiten, wird das immer wieder passieren."

Der Torschütze wäre ein passender Matchwinner gewesen. Vor vier Jahren war er aus Heidenheim ins Lößnitztal gewechselt. Gegen seinen Ex-Club war er mit 11,07 Kilometern - wie so häufig - der Spieler mit der besten Laufleistung. Da naturgemäß Tore bejubelt werden und nur selten gewissenhafte Arbeit, Riese zudem außerhalb des Platzes nicht der Mann der großen Worte ist, steht er selten im Rampenlicht.

Das Tor zur Auer Führung in der 53. Minute war eines für den Saisonrückblick: Riese schlenzte die Kugel mit viel Effet unhaltbar ins lange Eck. Der Kunstschuss seines Lebens? "Ich habe auch schon ein schönes Freistoßtor geschossen, aber dieser Treffer ist in meiner persönlichen Liste weit vorn", meinte er. Sein Ex-Trainer Schmidt war nicht überrascht: "Ich weiß aus unserer gemeinsamen Zeit: Wenn er den Ball auf der rechten Seite auf dem linken Fuß hat, dann wird es gefährlich."

Statistik Aue: Männel (V) - Rizzuto (V), Mihojevic, Gonther, Kempe - Fandrich (V), Riese - Baumgart (85. Krüger), Nazarov, Hochscheidt - Zulechner (70. Testroet). Heidenheim: Müller - Strauß (46. Busch), Hüsing (V), Beermann, Feick (69. Leipertz) - Multhaup (V), Griesbeck (V), Theuerkauf, Föhrenbach - Schmidt (V/Schimmer), Kleindienst (V). SR.: Heft (Neuenkirchen); Zu.: 8700; Tore: 1:0 Riese (53.), 1:1 Schimmer (87.).

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