Warum die Situation beim FCE anders ist als vor einem Jahr

Daniel Meyer, Trainer des FC Erzgebirge, steht nach drei Partien ohne Erfolgserlebnis unter Druck. 2017 kostete ein schlechter Saisonstart Thomas Letsch zum gleichen Zeitpunkt in Aue den Job.

Aue.

57 Tage, drei Pflichtspiele - dann war Thomas Letsch Mitte August 2017 seinen Job als Trainer des FC Erzgebirge wieder los. Ein Jahr später wird in Aue wieder über den zu Saisonstart frisch vergebenen Posten diskutiert. Cheftrainer Daniel Meyer selbst hat den Gegenwind nach eigener Aussage bereits vernommen. Eine Niederlage zum Auftakt, ein enttäuschendes Remis gegen Aufsteiger Magdeburg und eine frustrierende 1:3-Niederlage im Pokal gegen den über die nahezu komplette Spielzeit dezimierten Bundesligisten FSV Mainz im Pokal stehen bisher zu Buche. "Freie Presse" analysiert, warum es zwar Parallelen zwischen 2017 und 2018 gibt, die Situation aber eine andere ist.
 

Vorbereitung: Letsch gewann vor einem Jahr kein Test gegen eine Profimannschaften. Es gab Niederlagen gegen Linz und Liberec sowie ein Remis gegen Antalyaspor. Meyer hingegen konnte in der Vorbereitung drei Siege - Halle, Samara, Schalke - und ein Unentschieden gegen Mlada Boleslav einfahren. Letsch rückte schon vor Saisonstart von seinen Vorstellungen ab und kehrte halbherzig zum vorherigen Stil zurück. Meyer bleibt bis dato seinen Vorstellungen treu. Der 38-Jährige hat noch nicht das Vertrauen verspielt, wie es Letsch zum gleichen Zeitpunkt getan hatte.

Pflichtspiele: Letschs erstes Saisonspiel in Heidenheim wurde wegen eines Unwetters abgebrochen und an einem Mittwoch nachgeholt. Aue startete daher mit einer englischen Woche in die Saison, die mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den späteren Aufsteiger Düsseldorf ungünstig begann. Es folgte ein unnötiges 1:2 beim Nachholspiel in Heidenheim, bei dem die Auer das spielbestimmende Team waren, und eine desaströse 0:2-Pokalpleite bei Drittligist Wiesbaden. Das diesjährige Pokal-Aus von Sonnabend schlägt sich derzeit ähnlich negativ auf die Stimmung nieder - auch innerhalb der Mannschaft. Allerdings: Gegen eine unterklassige Mannschaft chancenlos zu sein, ist schlimmer, als sich von einem in Unterzahl agierenden Bundesligisten überrumpeln zu lassen. Zudem sammelte Meyer anders als Letsch zumindest einen Zähler. Das 0:1 gegen Union resultierte aus einem traumhaft verwandelten Freistoß des Berliners Felix Kroos, während Aues Dimitrij Nazarov den Führungstreffer aus drei Metern verpasste. Glück hatten also weder Letsch noch Meyer - Meyers Bilanz ist dennoch besser.

Meyers Vorteil: Im Vergleich zu Letsch kommt der neue Coach besser rüber. Dem gebürtigen Stuttgarter haftete an, dass er aus dem Red-Bull-Fußball-Kosmos stammte. Der gebürtige Brandenburger Meyer sucht die Nähe zu den Fans und scheut sich nicht vor deutlichen Ansagen. Damit macht er sich in der Mannschaft nicht immer Freunde, bei Fans kommt jedoch besser an als die betont korrekte Art Letschs. 2017 gab FCE-Präsident Helge Leonhardt als Grund für die Trennung an, dass Letsch die Spieler nicht erreicht habe und nicht zum Team passe. Das lässt sich in diesem Maße bei Meyer noch nicht erkennen. Zudem stärkte Leonhardt Meyer nach dem 1:3 im DFB-Pokal am Sonnabend den Rücken.

Meyers Problem: Gut rüberzukommen, wird Meyer auf Dauer nicht reichen. Wie Letsch vor einem Jahr will auch der neue Trainer im Lößnitztal offensiver spielen lassen. Das passt nicht jedem: Stammkräfte fürchten um ihre Stellung, die Profis müssen aus ihrer Komfortzone heraus und auf Außenstehende wirkt eine neue - und noch nicht perfektionierte - Gangart häufig planlos. Die besten Argumente eines Trainers sind Siege. Ein Beispiel: Domenico Tedesco schmiss als Nachfolger von Pavel Dotchev bei den Veilchen das komplette System um. Die erste Partie gegen den späteren Absteiger Karlsruhe war eine ganz zähe Angelegenheit - Aue gewann jedoch dank eines äußerst schmeichelhaften Foulelfmeters. Tedesco machte in seinen drei Monaten im Erzgebirge zweifellos viel richtig, das 1:0 gegen den KSC war aber der entscheidende Türöffner, damit der Coach in Ruhe seine Vorstellungen umsetzen konnte. "Wir brauchen Erfolgserlebnisse. Dann ist die Stimmung wieder anders", weiß auch Meyer. Dass nun zwei schwere Auswärtsspiele in Köln (Sonnabend, 13 Uhr) und Ingolstadt sowie ein spielfreies Wochenende anstehen, macht die Aufgabe nicht leichter. Gleichzeitig bietet das Programm jedoch eine Chance: Nichts steigert die Stimmung schneller als ein Erfolg gegen einen vermeintlich überlegenen Club.

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