Wiedergenesener Cacutalua: Ich habe den Ball vermisst

Der FC Erzgebirge Aue musste fast neun Monate auf seine Dienste verzichten, nun stand Malcolm Cacutalua wieder in der 2. Bundesliga auf dem Platz. Der Profi freut sich auf eine bei Fußballern eher ungeliebte Zeit.

Aue.

Die bis dato schwerste Phase seiner Karriere hat Malcolm Cacutalua hinter sich. Neun Monate musste der Verteidiger des FC Erzgebirge Aue wegen einer schweren Knieverletzung pausieren. "Das war eine lange -und keine schöne - Zeit. Dieses Kapitel ist mit der Einwechslung in Hannover abgeschlossen", erklärt der 25-Jährige. Am vergangenen Samstag kam er gegen den Bundesligaabsteiger in der Schlussphase zum Einsatz. Den Siegtreffer von 96 in der letzten Minute konnte er nicht verhindern. "Es hat nach der enttäuschenden Niederlage ein paar Stunden gedauert, bis ich mich wirklich über meine Rückkehr auf den Platz freuen konnte."

Anfang März riss Cacutalua während der Partie gegen Paderborn das vordere Kreuzband und der Außenmeniskus. "Das war die erste ernsthafte Verletzung meiner Karriere. Dass es mich gleich so schwer erwischt hat, war heftig", so der gebürtige Rheinländer. Auf die Operation folgte eine monatelange Reha. "Man schafft immer wieder einen neuen Schritt. Am Anfang habe ich mich gefreut, dass ich wieder laufen konnte. Während der Genesung wird der Zeitraum zwischen den Schritten aber stetig größer - die Ungeduld nimmt zu", berichtet "Mal", wie er von Mitspielern und Trainern genannt wird. Langweilig wurde dem Profi nicht. "Ich habe in der Reha deutlich mehr Trainingsstunden absolviert als derzeit im Spielbetrieb. Die Übungen sind fordernd, aber dann doch sehr trocken. Ich habe den Ball vermisst."

Sicherheit gab ihm, dass sein Vertrag, der im Sommer ausgelaufen wäre, kurz nach der Operation bis Juni 2022 verlängert wurde: "Wir waren zuvor in guten Gesprächen. Dass diese durch die Schwere der Verletzung nicht abgerissen sind, spricht für den Verein. Das hat mich besonders zu Beginn der Reha beruhigt: Ich wusste, dass ich einen Vertrag bei einem Verein habe, bei dem ich gern bin und der auf mich setzt."

Seit drei Monaten steht Cacutalua mit den Teamkollegen wieder auf dem Platz, konnte in den vergangenen Wochen immer intensiver am Mannschaftstraining teilnehmen. "Ich spüre nichts mehr. Das Knie ist gesund", betont er. Sorgen vor einem Rückfall hat er nicht mehr. "In der Reha fragt man sich schon, was passiert, wenn man mal einen abkriegt. Aber diese Gedanken habe ich schnell abgelegt. Du kannst nicht auf den Platz gehen, wenn du noch Hemmungen hast."

Dass die Winterpause mitsamt der üblicherweise bei Profis ungeliebten Zeit der Vorbereitung nicht mehr weit weg ist, kommt dem Wiedergenesenen gerade recht. "Ich freue mich sogar darauf. Ich kann wieder richtig Fitness aufbauen - und es finden Testspiele statt, bei denen ich wichtige Spielminuten sammeln kann."

Für die Heimpartie am Freitagabend gegen Jahn Regensburg ist Cacutalua laut Trainer Dirk Schuster noch kein Kandidat für die Startformation. Nach der Winterpause soll er den internen Konkurrenzkampf auf den beiden Posten in der Innenverteidigung erhöhen. Das aus den Neuzugängen Marko Mihojevic und Sören Gonther bestehende Duo hat sich seit Saisonbeginn zum Stammpersonal im Abwehrzentrum entwickelt. Diesen Status hatte Cacutalua vor seiner schweren Verletzung noch sicher. Druck, sich diese Rolle möglichst schnell zurückzuholen, macht er sich nicht. "Es wäre vermessen, sich einen Stichtag zu setzen, wann man wieder in der Startelf stehen will", erklärt er.

Mit Platz sieben und 23 Punkten nach 16 Spieltagen besteht im Erzgebirge - trotz der zwei Niederlagen zuletzt - schlicht keine Not, am aktuellen Stammpersonal zu rütteln. "Wir machen die Dinge gerade sehr gut, die die 2. Bundesliga charakterisieren: Wir stehen kompakt gegen den Ball, haben eine hohe mannschaftliche Geschlossenheit und in den Spielen, in denen wir gewonnen haben, waren wir sehr effektiv", beschreibt er die Stärke des FC Erzgebirge, mit Blick auf das Heimspiel am Freitagabend fügt er hinzu: "Und zu Hause sind wir eine Macht."

Einsatz von Kempe fraglich

Vor dem letzten Spieltag der Hinrunde will der FC Erzgebirge Aue zurück in die Erfolgsspur finden. Zuletzt verloren die Veilchen erstmals in dieser Saison zwei Partien in Serie. Mit Jahn Regensburg ist jedoch am Freitagabend (18.30 Uhr) ein Gegner zu Gast im Erzgebirgsstadion, der genauso viele Punkte auf dem Konto hat wie die Auer. "Sie spielen eine gute Saison", sagt FCE-Trainer Dirk Schuster. "Sie konnten den Aderlass im Sommer - unter anderen haben ja Trainer Achim Beierlorzer und Torgarant Hamadi Al Ghaddioui den Verein verlassen - nahtlos auffangen. Die offensive Spielweise, die Wucht der Regensburger nötigt einem Respekt ab."

Verzichten muss Schuster auf die langzeitverletzten Steve Breitkreuz, Fabian Kalig und Erik Majetschak. Ein Fragezeichen steht noch hinter einem Einsatz von Verteidiger Dennis Kempe. Der 33-Jährige musste beim 2:3 gegen Hannover vergangene Woche ausgewechselt werden, nachdem er sich am Kopf verletzt hatte. "Er hat diese Woche noch nicht mittrainiert", erklärte Schuster am Mittwoch. "Ich will ihn noch nicht abschreiben, hoffe, dass er einsatzbereit ist. Wir werden aber kein Risiko eingehen."

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