Aus dem Werder-Internat über die Regionalliga nach Zwickau

Maurice Hehne vom FSV Zwickau musste in seiner Karriere erst einen Schritt zurückgehen, um den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Dass er nun in der 3. Liga angekommen ist, hat er auch seiner Flexibilität zu verdanken.

Zwickau.

Karten für die Eltern, die Freundin und die Schwiegereltern hat Maurice Hehne für die Partie am Samstag (14 Uhr) zwischen dem FSV Zwickau und Waldhof Mannheim bestellt. "Die Familie ist fast zu jedem Heimspiel da. Sie haben es aus Pößneck ja auch nicht weit", erklärt der 22-jährige FSV-Verteidiger. Das war lange anders: Mit 14 Jahren zog er aus dem thüringischen Elternhaus aus, ging erst auf das Internat von Carl Zeiss Jena und später auf das von Bundesligist Werder Bremen. "Anfangs war das für mich und meine Eltern nicht einfach. Speziell Bremen ist nicht gerade um die Ecke", erinnert er sich. "Jetzt kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat. Ich habe mein Abitur gemacht und im Endeffekt war die fußballerische Ausbildung das Entscheidende."

Hehne hat seit seinem Wechsel zum FSV im Sommer Fuß gefasst im Profifußball. Als er vor der Saison aus der zweiten Mannschaft von Hannover 96 zu den Westsachsen wechselte, stand für den Defensivmann gerade einmal ein Kurzeinsatz in der Dritten Liga für Werder II zu Buche. "Ich bin aus verschiedenen Gründen nicht zum Zug gekommen. Ich habe mich dann entschieden, zurück in die Regionalliga zu gehen und Spielpraxis zu sammeln. Die habe ich in Hannover bekommen", berichtet Hehne. Der Umweg hat sich offensichtlich ausgezahlt. Er wurde diese Saison in 15 der 18 Punktspiele der Zwickauer eingesetzt, zwölfmal stand er in der Startelf. "Damit habe ich zu Saisonbeginn gar nicht gerechnet, aber ich konnte offenbar schon in der Vorbereitung überzeugen, denn ich habe vom ersten Spieltag an meine Einsätze bekommen."

Ein Lautsprecher ist Hehne nicht. Auf spektakuläre Aktionen auf dem Rasen wartet man ebenso vergebens. Im Rampenlicht stehen andere. Dafür ist Verlass auf den fleißigen Zweikämpfer. "Er tut alles dafür, gute Leistungen zu bringen. Letztendlich belohnt er sich selber dafür", sagt FSV-Trainer Joe Enochs und bescheinigt seinem Schützling die richtige Einstellung: "Er saugt alles auf, will von den Älteren lernen."

Ein weiterer Trumpf: Hehne ist flexibel. Enochs setzte den gelernten Innenverteidiger auch rechts in der Viererkette und im defensiven Mittelfeld ein. "Ich hatte bei einer Vorstellungsrunde bei einem Fantreff im Sommer gesagt, dass ich auf der 'Sechs' spielen kann. Da wurde etwas geschmunzelt", erzählt er. Das passiert inzwischen nicht mehr: Beim 4:0 gegen Viktoria Köln und vergangene Woche beim 2:2 gegen den Chemnitzer FC überzeugte er als Abräumer vor der Abwehr.

An den Auftritt in Chemnitz will Hehne im letzten Hinrundenspiel am Samstag anknüpfen: "Wir müssen gegen Mannheim den Zusammenhalt und die Mentalität an den Tag legen, die wir in Chemnitz in Unterzahl gezeigt haben. Waldhof ist ein Aufsteiger, der gute Ergebnisse gegen gute Teams geholt hat. Wir sind aber heimstark und wollen das mit einem Sieg beweisen."

Voraussichtliche FSV-Aufstellung: Brinkies - Godinho, Handke, Frick, Miatke - Schröter, Hehne (Jensen), Reinhardt, Viteritti - Wegkamp, König.

Post vom DFB

Der FSV Zwickau muss wie schon in den vergangenen Jahren bei der Nachlizenzierung gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund "zusätzliche liquide Mittel nachweisen". Das teilte der Vorstand des Fußball-Drittligisten am Donnerstag mit.

Die Höhe des Betrages wurde nicht genannt. "Der Nachweis wird hauptsächlich durch den Abschluss weiterer Sponsoringverträge erfolgen und sollte den Verein nicht vor eine unlösbare Aufgabe stellen", heißt es in der Mitteilung des FSV. In den vergangenen Jahren hatten die Zwickauer Benefizspiele gegen Bundesligisten und weitere spezielle Aktionen benötigt, um die Auflagen des DFB erfüllen zu können.

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