Bereit für den Tag X

Fast alle Spieler sind fit, CFC-Trainer Patrick Glöckner hat bei der Nominierung seines Teams für das Match am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern die Qual der Wahl. Abwehrrecke Clemens Schoppenhauer hofft auf seine nächste Chance. Geduld hat er gelernt.

Chemnitz.

Wie man gegen Kaiserslautern gewinnt, weiß Clemens Schoppenhauer. Das gelang dem Chemnitzer Innenverteidiger in der vergangenen Saison mit dem VfR Aalen. "Ich kann mich gut daran erinnern", sagt der 27-Jährige, "es war ein glücklicher 1:0-Sieg für uns, das Spiel hätte genausogut mit einem Erfolg für die Lauterer enden können." Deswegen mag Schoppenhauer aus diesem Match auch keine Schlüsse für die Partie am Sonntag (Anstoß 13 Uhr) ziehen, wenn die Pfälzer zu Gast im Stadion an der Gellertstraße sind.

Eine Sache hat er in der zurückliegenden Serie aber auf jeden Fall gelernt: "So eine Saison ist wie ein Marathonlauf, man braucht Geduld. Nichts wird auf den ersten Metern entschieden. Man darf sich nie aufgeben, niemals den Kopf hängen lassen. Das war in Aalen am Ende der Fall. Da saßen selbst die erfahrenen Spieler in der Kabine und wussten nicht mehr weiter. Und so sind wir abgestiegen", erklärt Schoppenhauer, der nach einem wenig erfolgreichen anderthalbjährigen Engagement beim FC St. Pauli erst im Winter zum VfR gekommen und vom damaligen Trainer Rico Schmitt sofort zum Kapitän ernannt worden war. Deswegen fühlt er sich für das Scheitern der Ostwestfalen auch noch ein bisschen mehr verantwortlich als vielleicht der eine oder andere Mitspieler: "Man spielt nicht nur für sich und nimmt das als persönliche Niederlage mit. An so einem Abstieg hängen Arbeitsplätze, manchmal sogar die Existenz des Vereins."

Zum Aufschwung des Chemnitzer FC, der die Lauterer am Sonntag mit einem Sieg in der Tabelle überholen kann, würde er gern mehr beitragen. "Ich habe mir das hier schon ein bisschen anders vorgestellt, mehr Einsatzzeiten erhofft", gibt Schoppenhauer ehrlich zu. In vier von zwölf Drittligaspielen dieser Saison durfte er aufs Feld, ist weit davon entfernt, Stammspieler zu sein. "Das ist unbefriedigend", sagt der Blondschopf, "aber ich werde mich nicht hängen lassen, mich weiter in jedem Training anbieten und auf den Tag X warten, an dem ich meine nächste Chance bekomme. Dann muss ich hellwach sein und liefern."

So einen Tag X hatte Schoppenhauer am 6. Oktober, als er im Match gegen den MSV Duisburg nach einer halben Stunde für den verletzten Kapitän Niklas Hoheneder auf den Platz kam. Es war das erste Spiel unter Leitung des neuen Trainers Patrick Glöckner - ein starker Auftritt des gesamten himmelblauen Teams, ein starker auch von Schoppenhauer. "Ich war mit meiner Performance sehr zufrieden", sagt der gebürtige Bremerhavener, "habe mir ausgerechnet, auch bei der folgenden Drittligapartie in Ingolstadt auf dem Platz zu stehen. Dass ich dort dann wieder auf die Bank musste, war eine brutale Enttäuschung."

Die hat der Familienvater - Ehefrau Michelle und die mittlerweile 17 Monate alte Tochter Lenja sind mit nach Chemnitz gekommen - inzwischen verdaut. Er will weiter angreifen, mehr erreichen als eine Reservistenrolle. "Ich traue mir andere Herausforderungen zu, auch die 2. Bundesliga." Dahin hat er es 2016 schon einmal für eine Saison mit den Würzburger Kickers geschafft, dahin soll in der Weg als Fußballprofi noch einmal führen. Das Wichtigste beim Fußball sind für ihn die Grundtugenden: Einsatzbereitschaft, Zweikampfverhalten, klares Passspiel, kein Harakiri. Woran er noch arbeiten will, ist seine Torbilanz. Nur zwei Treffer in 90 Drittligapartien, dazu eines in insgesamt 33 Zweitligaspielen für Würzburg und St. Pauli hat Schoppenhauer bislang erzielt. "Da habe ich Nachholbedarf", weiß er, "auch im offensiven Kopfballspiel. Da fehlt mir ab und an das richtige Timing. Aber das kann man trainieren." Prädestiniert für Kopfballtore wäre er mit seinen 1,86 Metern Körperlänge durchaus.

Von der ganz großen Karriere träumt er nicht mehr. Mit 19 war das anders: Schoppenhauer dufte bei Werder Bremen ein halbes Jahr lang mit den Bundesligastars trainieren, spielte im Oktober 2011 auch einmal international für Deutschland mit der U20-Auswahl des DFB gegen die Schweiz (4:1). Für den CFC hat er sich im Frühjahr nach "sehr guten Gesprächen mit Thomas Sobotzik und David Bergner" mit voller Überzeugung entschieden - trotz aller Negativschlagzeilen und aller Unwägbarkeiten angesichts der Insolvenz des Vereins. "Ich finde es beeindruckend, was der CFC mit dem Aufstieg bei all diesen Widrigkeiten geleistet hat."

Widrigkeiten (zu wenige Zuschauer, fehlende Sponsoren) gibt es nach wie vor. Die Mannschaft kann mit weiterhin guten Leistungen - und Ergebnissen - dazu beitragen, dass sich dieser Zustand bessert. Am Sonntag ist sie gegen kriselnde Rote Teufel kein Außenseiter mehr, eher schon wieder leichter Favorit. "Wir müssen aufpassen, dass bei uns jetzt nach ein paar guten Spielen kein Schlendrian einzieht", sagt Schoppenhauer und schiebt schnell nach, dass er dafür beim CFC keine Anzeichen sieht: "Da muss der Trainer nicht eingreifen, da passen wir Spieler schon gegenseitig auf." Die Stimmung ist gut, der interne Konkurrenzkampf groß. Und Clemens Schoppenhauer mittendrin.

Voraussichtliche CFC-Aufstellung: Jakubov - Itter, Hoheneder, Reddemann, Milde - Bohl, Müller - Bonga, Tallig, Garcia - Hosiner.

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