Bittroff freut sich auf die Reise zum CFC

In Chemnitz war Alexander Bittroff seit Mai 2017 nicht mehr. Am Sonnabend kommt der ehemalige CFC-Verteidiger mit dem KFC Uerdingen zurück, um drei Punkte zu entführen. Dass das keine leichte Aufgabe wird, weiß der 31-Jährige.

Chemnitz.

Ein bisschen anders als gewöhnlich wird es schon. Am Sonnabend (Anstoß 14 Uhr) gastiert der KFC Uerdingen zum Drittligatreffen mit dem Chemnitzer FC im Stadion an der Gellertstraße. Mittendrin: Alexander Bittroff. Von Anfang 2016 bis zum Frühjahr 2017 spielte er selbst für die Himmelblauen, war unter Trainer Karsten Heine, der ihn vom FSV Frankfurt nach Chemnitz geholt hatte, und später auch unter Heine-Nachfolger Sven Köhler Stammspieler. "Ich freue mich auf das Stadion, auf das Spiel und auf das eine oder andere bekannte Gesicht aus dem Funktionsteam", sagt Bittroff, "von den Spielern aus meiner Zeit ist ja keiner mehr da."

Ab und zu trifft er auf den Fußballplätzen der Republik den einen oder anderen alten Kollegen, schwatzt hier mit Dennis Grote, dort mit Björn Jopek und Dennis Mast. Engeren Kontakt pflegt Bittroff noch zu Tom Scheffel. "Unsere Frauen sind befreundet, wir waren auch schon gemeinsam im Urlaub", erläutert er. Selbst wäre er nach der turbulenten Saison 2016/2017 durchaus gern in Chemnitz geblieben. Doch der CFC hielt ihn damals lange hin, gab ihm dann doch den Laufpass. Erst nach dem Sachsenpokalfinale (der CFC gewann dank zweier Frahn-Tore mit 2:0 gegen Lok Leipzig) bat ihn Sportdirektor Steffen Ziffert in sein Büro und eröffnete ihm einen Tag vor dem Urlaub, dass man künftig auf seine Dienste verzichten werde. "Mein Vertrag war ausgelaufen, ich musste mich neu orientieren", erinnert sich Bittroff.

Und so heuerte er beim gerade erst in die Regionalliga aufgestiegenen KFC Uerdingen an. "Was der Verein vorhatte, hat mich gepackt und inspiriert", sagt Bittroff. Das Ziel war der Durchmarsch in die 3. Liga. Und genauso hat es dann auch funktioniert. "Es war ein wunderbares Jahr, auch für mich persönlich", erzählt der Mann aus Lauchhammer, "zuvor hatte ich ja noch nicht so oft in meiner Karriere ganz oben mitgespielt. Nun war das der Fall. Wir haben am letzten Spieltag die Meisterschaft gesichert, uns dann in der Relegation gegen Waldhof Mannheim durchgesetzt. In Krefeld waren 18.000 Zuschauer dabei, beim Rückspiel in Mannheim 25.000. Das waren Highlights in meiner Karriere."

Für Bittroff, der für Energie Cottbus und den FSV Frankfurt auch schon 167 Zweitligapartien bestritten hat, folgte eine Saison mit vielen Rückschlägen, wenigen Einsätzen und mehreren Trainerwechseln. Und mit einer beim Spiel in Rostock nach einem Foul eines Gegenspielers erlittenen üblen Bänderverletzung, die ihn mehrere Monate außer Gefecht setzte. Einen Trainerwechsel gab es beim KFC auch schon wieder in dieser Saison: Auf Heiko Vogel folgte Daniel Steuernagel. Zudem engagierte Michail Ponomarew, in Uerdingen Vereinspräsident, Geldgeber und Übervater in einer Person, mit Stefan Reisinger einen neuen Teamchef und mit Stefan Effenberg einen neuen Manager. Bittroff hat mit den vielen Wechseln in der Führungsebene kein Problem: "Man kann von jedem Trainer etwas lernen. Jeder bringt eigene Ideen mit, jeder hat einen anderen Stil. Für einen Spieler müssen Trainerwechsel kein Nachteil sein." Und was die Person Effenberg betrifft, verrät Bittroff: "Das ist kein unnahbarer Überflieger. Er ist immer dabei - bei jedem Training, jedem Spiel. Jeder kann ihn ansprechen und um Rat und Hilfe bitten. Gut, dass er da ist."

Fakt ist: Seit Effenberg, Reisinger und Steuernagel da sind, punktet das Team vom Niederrhein zuverlässig und konstant: im Stadion der Düsseldorfer Fortuna, wo der KFC wegen des Umbaus der Uerdinger Grotenburg derzeit vor selten mehr als 4000 Zuschauern seine Heimspiele austrägt; und vor allem auswärts, wo der mit großer Tradition beladene DFB-Pokalsieger von 1985 und Europapokalhalbfinalist der Folgesaison 14 seiner bislang 22 Zähler in dieser Spielzeit gesammelt hat. "Wir spielen jetzt kompakter, achten mehr auf eine stabile Defensive und laufen nicht mehr so oft ins offene Messer wie zuvor", erklärt Bittroff, die wichtigsten Maßnahmen des neuen Coaches.

Dass der CFC eine harte Nuss für sein Team wird, ist Alexander Bittroff klar. "Auch Chemnitz hat nach einem schwachen Start mit dem Trainerwechsel neue Kraft gefunden, ist sehr heimstark und ganz bestimmt besser als der aktuelle Tabellenplatz. Wir werden aber am Sonnabend vor allem auf uns selbst achten. Wenn wir unser Spiel durchbringen, haben wir gute Karten." Die hat auch Bittroff selbst, der beim KFC in den letzten zwölf Spielen immer in der Startelf stand und wieder unangefochtene Stammkraft ist. "Das empfinde ich irgenwie auch als Lohn für meine Beharrlichkeit. Ich lasse mich nie hängen, auch nicht in schlechten Zeiten. Man kann sich auch mit 31 noch verbessern, was Fitness, Taktik, Cleverness betrifft. Das versuche ich in jedem Training."

Beharrlich ist auch Ponomarew. Mit dem KFC will der reiche Russe weiter hoch hinaus: in den nächsten zwei, drei Jahren mindestens erst einmal bis in die 2. Liga. Der Marktwert des Uerdinger Kaders wird beim Portal "transfermarkt.de" mit 8,25 Millionen Euro heute schon fast doppelt so hoch taxiert wie der des CFC (4,23 Millionen Euro). Alexander Bittroff wäre bei weiteren KFC-Höhenflügen gern dabei: "Ich bin fit, will noch ein paar Jahre spielen." Ehefrau Anne, die mit ihm nach Krefeld gezogen ist, arbeitet als Berufsschullehrerin, fühlt sich ebenfalls wohl.

Irgendwann, nach dem Ende von Alex' Profikarriere, wird Familie Bittroff vielleicht wieder in die Lausitz zurückkehren und größer werden - Zukunftsmusik. Ein Stück in Richtung alter Heimat geht es für Alexander Bittroff schon am Wochenende. Das Match beim CFC wird ein bisschen anders als gewöhnlich.

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