CFC-Geschäftsführer: "Wir sind ein verschworener Haufen"

CFC-Trainer David Bergner und Sport-Geschäftsführer Thomas Sobotzik über Personal, Perspektiven und Probleme des Chemnitzer FC.

Chemnitz.

Trainer David Bergner und Sport-Geschäftsführer Thomas Sobotzik sind die Väter des Erfolgs beim Chemnitzer FC. Mit beiden sprachen Thomas Scholze und Thomas Reibetanz.

Freie Presse: Herr Bergner, Herr Sobotzik, wie zufrieden sind Sie mit der Saisonvorbereitung?

David Bergner: Der Urlaub war kurz, die Vorbereitung kompakt. Mit der Art und Weise sind wir sehr zufrieden, auch mit dem Trainingslager in Polen. Wermutstropfen sind die Verletzungen von Kostadin Velkov und Ioannis Karsanidis, die kräftig ins Kontor schlagen.

Auf die Sie kurzfristig noch personell reagieren müssen?

David Bergner: Wir beobachten den Markt und die Möglichkeiten, die sich eventuell bieten. Aber Spieler wie Karsanidis wachsen nicht auf Bäumen, solche Jungs will in der Dritten Liga jeder haben. Deswegen haben wir den Vertrag mit ihm trotz der Verletzung vorfristig verlängert.

Mit welchen Zielen gehen Sie in die Saison?

Thomas Sobotzik: Eine konkrete Platzierung nenne ich nicht. Es geht darum, an der Art Fußball festzuhalten, die uns in der Vorsaison stark gemacht hat. Fakt ist, dass wir uns in dieser Liga nicht abschlachten lassen wollen. Wir sind überzeugt davon, dass wir gut mithalten können.

Sind auf dem Wunschzettel des Trainers alle Namen abgehakt?

Thomas Sobotzik: Wir erarbeiten diese Liste gemeinsam und wissen, dass wir sie unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten anpassen müssen. Das bedeutet, dass wir trotz des prall gefüllten Spielkalenders erneut einen recht schmalen Kader haben, in dem Qualität klar vor Quantität geht. Das war im letzten Sommer nicht anders.

Hat Georgi Sarmov tatsächlich das Zeug dazu, Dennis Grote in allen Facetten zu ersetzen? Als Spielgestalter, als Antreiber, als Kopf der Mannschaft?

David Bergner: Das war nie der Anspruch. Wir wollten jemanden, der eine ähnliche Position ausfüllt. Das kann Georgi mit seiner Vita auf alle Fälle. Aber natürlich ist es eine große Herausforderung, einen Spieler zu holen, der schon 33 Jahre alt ist und die deutsche Sprache noch nicht beherrscht. Aber das sind Dinge, die wir lösen werden. Entscheidend war, dass wir bei seinem Besuch hier im Frühjahr das Feuer in seinen Augen gesehen haben. Er will sich hier beweisen, zeigen, dass er sich in Deutschland durchsetzen kann.

Sie haben Tarsis Bonga aus Zwickau geholt, wo er in den letzten Monaten nur wenig Einsatzzeit bekommen hat. Trauen Sie sich zu, ihn noch besser zu machen?

David Bergner: Wir müssen den Jungen dahin bringen, dass er seine Waffen gewinnbringend einsetzt. Er ist erst 22, hat alles vor sich. Wir werden wir noch Freude an ihm haben.

Zweieinhalb Aufstiegsplätze, vier Absteiger - da gibt es kaum ein Mittelfeld, man steht eigentlich immer unter Stress. Ist das gut oder schlecht?

David Bergner: Selbst wenn ich es schlecht finden würde, könnte ich es nicht ändern. Diese Liga ist verrückt, Prognosen sind schwierig. Im vergangen Jahr wurden 19 Trainer entlassen, die Zündschnur ist vielerorts sehr kurz. Wir tun sehr gut daran, uns auf uns zu konzentrieren.

Wie lang oder kurz ist die Zündschnur beim CFC?

Thomas Sobotzik: Wenn die vergangene Saison uns eines gebracht hat, dann ist es Erfahrung mit schwerer See. Uns wird nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Wir sind mittlerweile nicht nur in der Mannschaft, sondern auch in den Führungsstrukturen ein verschworener Haufen. Wir werden Durststrecken gemeinsam überstehen.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis untereinander beschreiben?

David Bergner: Es gibt zwei Ebenen. Eine freundschaftliche und eine Arbeitsebene, auf der wir uns auch deutlich die Meinung sagen. Wir können beides sehr gut voneinander trennen. Thomas Sobotzik: Genauso ist es.

Wie sehen Sie mit vier Monaten Abstand die Vorfälle im März?

David Bergner: Es war eine harte Zeit, die ich so nicht noch einmal erleben möchte. Ich habe in Gesichter geschaut, die viele Fragen hatten, die ich nicht beantworten konnte. Man hat viel geredet, ist aber nicht mehr in die Köpfe gedrungen. In diesen Wochen stand hier alles auf der Kippe, auch der Aufstieg.

Der Imageschaden ist nach wie vor nicht behoben.

Thomas Sobotzik: Der Schaden, den der Verein und die ganze Stadt in den vergangenen zwölf Monaten durch nicht nur eines, sondern durch mehrere Ereignisse erlitten hat, ist kaum wiedergutzumachen. Wir dürfen uns dabei beim CFC nicht als Opfer einer Kampagne sehen, sondern klar sagen, dass Fehler begangen wurden und Dinge passiert sind, die nicht hätten passieren dürfen. Es ist eine Minderheit, aber sie hat es geschafft, alles mit in den Dreck zu ziehen. Diesen Schaden zu beheben, wird eine langwierige, kraftzehrende Aufgabe. David Bergner: Zu der wir unseren Teil beitragen möchten. Die Dritte Liga ist ein Geschenk für Chemnitz, das wir bewahren wollen.

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