CFC: Kein Ton am Anfang, am Ende viel Musik

In einer turbulenten Schlussphase sichert sich der Chemnitzer FC im Drittligaspiel gegen den KFC Uerdingen noch einen Punkt. Für Unmut sorgte die Leistung des Schiedsrichters.

Chemnitz.

Da wird der CFC-Trainer doch glatt zu einem Fan des Videobeweises. "Wenn das technisch umsetzbar und finanzierbar ist, könnte ich mir das Verfahren sehr gut auch für die Dritte Liga vorstellen", sagt Patrick Glöckner, "einen Nachteil könnte ich dabei nicht entdecken."

Weil es im Jahr 2019 in der Dritten Liga aber noch keinen in irgendeinem Keller sitzenden Videogehilfen gibt, schimpften Spieler und Betreuer des CFC am Sonnabendnachmittag nach dem 1:1 (0:0)-Unentschieden gegen den KFC Uerdingen lauthals auf Schiedsrichter Jonas Weickenmeier. Der 30-Jährige aus Frankfurt am Main fällte in seinem 47. Drittligaeinsatz einige seltsame Entscheidungen, zwei waren gravierend: Als sich Tarsis Bonga in der 41. Minute in den KFC-Strafraum tankte und den Ball an Torwart Lukas Königshofer vorbeilegte, konnte der Keeper den Chemnitz nur regelwidrig stoppen: Königshofer warf sich in Bongas Laufweg, der Stürmer flog in hohem Bogen auf die Wiese. Alle hatten da ein klares Foul gesehen - außer Weickenmeier, dessen Pfeife stumm blieb. Anders in der 82. Minute, als Uerdingens Kinsombi im CFC-Strafraum einfach mal so abhob. Weder Davud Tuma noch Pascal Itter hatten den Joker der Gäste wirklich berührt. Eine Schwalbe Kinsombis, auf die der Schiedsrichter hereinfiel. Tom Boere verwandelte den geschenkten Elfmeter sicher zur Uerdinger Führung. Zwei entscheidende Szenen an diesem Nachmittag, bei denen ein objektiver Videoschiedsrichter sein Veto eingelegt hätte, die Entscheidungen revidiert worden wären.

Dass es für den CFC kein ganz schwarzer Tag wurde, ist Rafael Garcia zu verdanken. Der Deutschspanier köpfte nur drei Minuten nach dem 0:1 zum Ausgleich in die Maschen. Garcia bedankte sich nach seinem dritten Saisontor bei Passgeber Pelle Hoppe, der den Schützen gesehen und dann mit einer butterweiche Vorlage bedient hatte. Vor allem staunte Garcia über sich selbst: "Das war schon mein zweites Kopfballtor in dieser Saison, dabei kann ich eigentlich gar keine Kopfbälle." Dass aus seiner Sicht zumindest dieser eine Punkt für den CFC hochverdient war, bestätige er mit einem erleichterten Nicken.

Alles in allem war es ein zähes Match, das wegen eines Komplettausfalls der Beschallungsanlage - eine mobile Notvariante wurde herbeigeschafft - 15 Minuten später begann. Die Truppe vom Niederrhein tat vor der Pause wenig, nach der Pause noch viel weniger für die Offensive. Der CFC versuchte das, kam aber gegen die mit viel Erfahrung gespickte Fünfer-Abwehrkette der Gäste nicht durch. "Wir haben in der ersten Halbzeit schlecht gespielt", gab Patrick Glöckner später zu, "die Laufwege haben nicht gestimmt, viele Pässe waren schlampig gespielt." Und so richtig Feuer war auch nicht drin. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel. Die Himmelblauen übernahmen nun Initiative und Kommando, kamen einige Mal gefährlich in Tornähe, Torchancen blieben aber Mangelware.

Der Druck wächst wieder. Der CFC ist seit vier Partien ohne Dreier, der Abstand auf das rettende Ufer beträgt vier Punkte. Der sehnsüchtig erwartete 100. Drittligasieg der Himmelblauen soll nun am Freitagabend im Sachsenderby gegen den FSV Zwickau eingefahren werden. Ob Tarsis Bonga gegen seinen Ex-Verein auflaufen kann, ist noch ungewiss. Am Samstag humpelte Bonga nach 80 Minuten verletzt vom Platz. Der schon verwarnte Kevin Großkreutz hatte ihm in die Hacken getreten und führte ein Kaspertheater auf, als ihn Weickenmeier mit Gelb-Rot vom Platz geschickt hatte. Mit dieser Maßnahme lag der Referee komplett richtig, dafür brauchte man keinen Videobeweis.

Zum Bericht des MDR über die Partie


Sandro Sirigu unter Vertrag genommen 

Das ging fix: Der CFC hat Rechtsverteidiger Sandro Sirigu (Foto) unter Vertrag genommen. Der 31-Jährige hatte seit Dienstag mit dem Team von Patrick Glöckner trainiert und überzeugt. Wenn so ein Spieler auf dem Markt ist, muss man zugreifen", meinte der Chemnitzer Trainer.

Sirigu soll bei den Himmelblauen die Lücke schließen, die Thomas Doyle hinterlassen hat. Der Neuseeländer hatte seinen Kontrakt in Chemnitz aus persönlichen Gründen aufgelöst, wollte zurück in die Heimat.

Am Sonnabend verfolgte der gebürtige Ulmer das Match gegen Uerdingen als Zuschauer, nach seiner Vertragsunterschrift am Sonntag sagte er: "Ich habe in den vergangenen Tagen einen hervorragenden Eindruck von der Mannschaft und dem Team drumherum bekommen. Ich freue mich darauf, ab jetzt ein Teil des CFC zu sein." Sirigu erhält er die Rückennummer 8.

In der vergangenen Saison war Sandro Sirigu noch für Zweitligist Darmstadt aktiv. Mit den Hessen war er 2015 in die 1. Bundesliga aufgestiegen, bestritt in den zwei Folgejahren insgesamt 36 Erstligapartien. Seit Sommer 2019 war er vereinslos. (ts)

1Kommentare
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  • 3
    2
    AliceAndreas
    02.12.2019

    Es fällt tatsächlich extrem schwer zu glauben das sich der Schiedsrichter bei den beiden Elfmeter Situation nur verguckt hat!!!



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