CFC: Keine neuen Spieler im Winter

Sportdirektor Stephan Beutel über den bisher unbefriedigenden Saisonverlauf, Steigerungspotenzial und Erwartungen an die Mannschaft

Chemnitz.

Ein Viertel der Drittligasaison ist vorbei, der Chemnitzer FC rangiert mit zwölf Zählern auf Rang 14 der Tabelle. Thomas Scholze sprach mit Stephan Beutel, seit 2014 Spordirektor beim CFC. Eine Zwischenbilanz.

Freie Presse: Zufrieden sein können Sie mit den bisherigen Ergebnissen und dem Tabellenstand nicht?

Stephan Beutel: Wir sind in der Tat alles andere als zufrieden. Dieses Fazit inkludiert einen Großteil der Ergebnisse in der Liga, den aktuellen Tabellenstand und auch unsere Spielweise bei den meisten Auftritten. Hier erwartet der Verein in den kommenden Wochen in allen Bereichen eine deutliche Steigerung. Das ist allen Beteiligten auch bekannt.

Ohne Tore von Daniel Frahn kann der CFC keine Spitzenmannschaft sein.

Dies sehe ich vollkommen anders. Alle Feldspieler sind aufgerufen, sich an den Offensivaktionen zu beteiligen. Dann sind wir deutlich schwerer auszurechnen. Wegen Daniel Frahn mache ich mir die geringsten Sorgen. Daniel arbeitet in jedem Spiel überdurchschnittlich und ist vollkommen klar im Kopf. Ihm fehlt aktuell einfach das Abschlussglück, das er sich aber über kurz oder lang wieder erarbeiten wird. Wir haben alle ein ungetrübtes Vertrauen in diesen Spieler.

Es ist permanent von fehlender Konstanz die Rede. Ist fehlende Konstanz nicht auch Indiz für fehlende Qualität?

Auch das sehe ich anders. Insbesondere im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück - ein Spitzenteam der Dritten Liga - hat jeder gesehen, über welche Qualität die Mannschaft verfügt. Diese Qualität war auch nicht nur wenige Minuten zu sehen, wir haben den Gegner über die volle Spielzeit beherrscht und nur sehr wenige Torchancen zugelassen. Unsere drei Treffer waren wunderbar herausgespielt. Dieses Spiel muss die Messlatte für die kommenden sein. Leider konnten wir diese Leistung beim Spiel in Duisburg nicht bestätigen. Wir bringen unsere durchaus vorhandenen PS nicht konsequent auf die Straße. Dieses Problem müssen wir in den kommenden Wochen mit viel Arbeit lösen.

Der Kader ist zusammengestellt, um in der Spitze der Dritten Liga mitzumischen und perspektivisch den Aufstieg in die 2. Liga zu schaffen - richtig oder falsch?

Diese Aussage ist bezüglich der Etablierung der Mannschaft im vorderen Drittel der Tabelle der Dritten Liga durchaus richtig. Um sicher über den Aufstieg sprechen zu können, müsste der Etat für die erste Mannschaft aber deutlich erhöht werden. Das ist aber unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Chemnitz nicht realistisch. Es ist im Übrigen eine Mär, dass der CFC in der Dritten Liga über den zweithöchsten Mannschaftsetat verfügt. Der Etat wurde gegenüber der letzten Spielzeit nur marginal erhöht. Die Mannschaft des CFC weist nach der Erhebung von "Transfermarkt.de" den zweithöchsten Marktwert aller Teams der 3. Liga auf. Das hat mit dem tatsächlichen Etat nichts zu tun, wird aber oftmals verwechselt.

Im Derby gegen Zwickau und auch danach beim Spiel in Paderborn stand kein einziger der Neuzugänge in der Startelf. Warum spielen die Jopek, Reinhardt, Mast, Grote oder Rodriguez keine tragenden Rollen beim CFC? Sind Sie enttäuscht von den Leistungen der Neuzugänge?

Wie bereits beschrieben, sind wir enttäuscht vom Gesamtauftritt der Mannschaft. Wir unterscheiden schon lange nicht mehr zwischen alten und neuen Spielern. Die Mannschaft zeigt sich insgesamt sehr homogen, die hinzugekommenen Spieler sind gut integriert. Alle Neuzugänge haben mittlerweile ihre Einsatzchancen bekommen und konnten - wie der Rest der Mannschaft auch - den Gesamtauftritt nicht entscheidend positiv beeinflussen. Ich bin der Meinung, dass bei fast allen Spielern, inklusive der Neuzugänge, noch viel Luft nach oben ist.

Tom Baumgart war in der Vorsaison so etwas wie der CFC-Shootingstar. Aktuell spielt er wie auch Danny Breitfelder so gut wie keine Rolle. Was ist mit den Youngsters los?

Tom bekam in der vergangenen Saison unter Trainer Karsten Heine die ersten Einsatzchancen. Er hatte keine Zeit, sich große Gedanken zu machen, und konnte befreit aufspielen. Dies hat er in einer wunderbaren Art und Weise gemacht. In dieser Saison kann Tom zum ersten Mal etwas verlieren und ist wie alle anderen Druck ausgesetzt. In einer solchen Situation ist es normal, dass ein sehr junger Spieler in ein kleines Formtief gerät. Danny Breitfelder macht jetzt seine ersten Schritte im Profibereich, hat dabei die üblichen Anpassungsprobleme hinsichtlich Tempo, Härte, Aufmerksamkeit. Beide Talente arbeiten jeden Tag mit viel Elan und Charakter an ihren Defiziten und kommen Schritt für Schritt weiter. Wir sind stolz darauf, diese beiden Jungs im Kader zu haben, und sind von ihrem sportlichen Potenzial überzeugt.

Der CFC hat 21 Feldspieler und drei Torleute unter Vertrag. Wenn davon wie am letzten Wochenende fünf Spieler verletzt oder erkrankt fehlen, ergibt sich daraus ein Personalproblem. Ist der Kader zu klein?

Genau genommen stehen uns aktuell sogar nur 20 Feldspieler und drei Torleute zur Verfügung, da Tom Scheffel nach seiner zweiten schweren Knieverletzung wohl die gesamte Spielzeit fehlen wird. Wir haben uns vor der Saison bewusst für diese schmale Kadergröße entschieden und sind unverändert davon überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung war. Wir sind und bleiben auch mit diesem kleinen Kader durchaus konkurrenzfähig. Jeder Spieler ist nah dran am Spielbetrieb, die Gruppe der Unzufriedenen bleibt klein.

Sie verkehren mit Geldgebern und Gönnern des CFC - wie ist die Stimmung in diesem Personenkreis: ruhig und zuversichtlich oder nervös und aggressiv?

Selbstverständlich ist das Umfeld des CFC genauso enttäuscht vom bisherigen Saisonverlauf wie Spieler, Trainerteam, Sportliche Leitung und Vorstand. Die Kommunikation ist in der Regel sachlich, aber erkennbare Defizite werden auch deutlich angesprochen. Zum jetzigen Saisonzeitpunkt ist es aber nicht angebracht, den Kopf zu verlieren und unkoordiniert vorzugehen. Für gute Stimmung helfen nur attraktivere und erfolgreichere Spiele.

Befassen Sie sich auch mit dem Szenario Abstiegskampf?

Wir sind Realisten und haben ein waches Auge auf die Tabelle. Wir leben aber auch im Hier und Jetzt und konzentrieren uns nur auf die kommenden Spiele. Damit haben wir genug zu tun. Mit dem Thema Abstiegskampf befassen wir uns aktuell nicht. Das Gleiche gilt für das Aufstiegsrennen. Tabellenplatz zwei ist auch nur fünf Punkte entfernt.

Wäre es nicht besser, der Club würde seine Ziele offensiv formulieren, anstatt sich hinter einem 45-Punkte-Gerede zu verschanzen? Das kann auch ein gutes Versteck für die Mannschaft sein.

Beim Chemnitzer FC versteckt sich niemand. Der aktuelle Saisonverlauf zeigt sehr deutlich auf, wie eng die Mannschaften beinander liegen. Das oberste Ziel der Mannschaft muss es sein, den Profifußball in Chemnitz zu erhalten. Dies ist nun mal in der Regel bei etwa 45 Punkten der Fall. Fragen Sie doch mal bei den Stuttgarter Kickers oder bei Energie Cottbus nach, ob sie diese 45 Punkte in der letzten Saison nicht gern gehabt hätten. Es spricht nichts dagegen, mit einer gewissen Demut in die Saison zu starten. Die 45 Punkte wollen wir so schnell wie möglich erreichen, um uns dann neue Ziele zu setzen.

Hat der CFC die Mittel, um im Winter noch einmal personell nachzurüsten? Und auch das Bedürfnis? Von wem wird über diese Frage entschieden?

Zu diesem Thema beraten Aufsichtsrat, Vorstand, kaufmännische und sportliche Leitung sowie das Trainerteam. Wir haben im Sommer die Spieler verpflichtet, die wir im Fokus hatten, und sind vom Potenzial der Mannschaft überzeugt. Aktuell gibt es keine Planungen, den Spielerkader im Winter personell zu verändern. Dies gilt sowohl für Zugänge als auch für Abgänge. Lediglich schwerwiegende Verletzungen oder eine ungewöhnliche Entwicklung könnten uns an dieser Stelle zum Umdenken bewegen.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es in diesem Herbst besser läuft als 2015?

Spieler und Trainerteam gehen mit der aktuellen sportlichen Situation sehr selbstkritisch um. Alle haben das Visier oben, die Mannschaft wächst immer besser zusammen, hat ihr spielerisches Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft.

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