Chemnitzer FC: Ein gutes Jahr mit bitterem Ende

Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, dass der Chemnitzer FC zum letzten Mal gegen Duisburg gewinnen konnte. Einer der Himmelblauen von damals erinnert sich noch gut an jenen Abend im November 1995. Und an das, was folgte.

Chemnitz.

Wenn der Chemnitzer FC als Vorletzter der Dritten Liga am Sonntag (Anstoß 14 Uhr) das Spitzenteam vom MSV Duisburg zu Gast hat, drückt René Hecker aus der Ferne die Daumen. Das macht der er für alle Ostclubs, ganz besonders für jene, bei denen er einst selbst die Töppen geschnürt hat: Aue, Zwickau und eben Chemnitz. "Ich wohne zwar seit vielen Jahren weit im Westen, aber mein Herz hängt nach wie vor im Osten", sagt der 51-Jährige, der in Ahlen zu Hause ist und seit neun Jahren als Landestrainer beim Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverband angestellt ist. Dort ist er für die Trainerausbildung verantwortlich, betreut zudem die Landesauswahlmannschaften der Altersklassen U13 und U16. "Da kommen die größten Talente von Schalke, Dortmund oder aus Bochum zusammen," erzählt René Hecker, "die Arbeit mit den Jungen macht mir unheimlich viel Spaß."

Spaß hatte der gebürtige Auer auch am 29. November 1995: Ein trister Novemberabend, nur 3100 Zuschauer wollten in Chemnitzer Sportforum die Zweitligapartie gegen den MSV Duisburg sehen. Sie wurden belohnt. Die damals von Reinhard Häfner trainierten Himmelblauen bezwangen die Zebras mit 1:0. Schütze des goldenen Treffers - es war sein letzter im CFC-Trikot - war René Hecker. "Ich bin von rechts nach innen gedribbelt, habe mit links abgezogen. Links unten im Kasten von Torwart Holger Gehrke schlug es ein", erinnert er sich noch ziemlich genau an die Szene in der 45. Minute. "Es war ein großer Erfolg. Der MSV war ein Topteam der Liga, ist am Ende der Saison ja auch in die Bundesliga aufgestiegen."

Solche Ambitionen hatte - zumindest im Geheimen - in jener Spielzeit auch der CFC. "Wir hatten eine klasse Mannschaft beisammen: zu den starken Chemnitzern waren Leute wie Henri Fuchs, Torsten Gütschow oder Jens Melzig gekommen, Michel Ballack rückte aus dem Nachwuchs zu den Profis aufgerückt. Wir waren lange oben dran, haben noch sieben Spieltage vor Ende vom Aufstieg geträumt. Dann kam der große Einbruch."

Einem 1:1 in Mannheim folgten fünf Niederlagen in Serie, nach der dritten davon (einer 0:1-Niederlage beim "Rückspiel" in Duisburg) wurde Trainer Häfner entlassen, dessen Assistent Christoph Franke übernahm. Der CFC gewann zwar noch die letzte Partie gegen den VfB Lübeck, stieg mit 42 Punkten aus der 2. Bundesliga ab. "Der Abstieg 1996 war ein schwerer Schock. Ich habe noch Jahre später darüber gegrübelt, wie das passieren konnte", sagt Hecker. Und er grübelt er noch heute: "Ich kann mir dieses Desaster auch über 2o Jahre später nicht erklären. Losgelassen hat es mich nie."

Für den Blondschopf selbst war es eine starke Saison. In 32 Ligaspielen und drei DFB-Pokalpartien stand er in der Startelf, sieben Treffer steuerte der Mittelfeldspieler bei. Insgesamt stehen für Hecker in seiner Karriere 142 Zweitligaeinsätze zu Buche: 94 für Waldhof Mannheim, wohin ihn 1992 Trainer Klaus Toppmöller ("Ein Supertyp" sagt Hecker) aus Aue mitgenommen hatte, 22 für den FSV Zwickau, für den er im Jahr nach dem Abstieg des CFC spielte, später noch eines für Rot-Weiss Ahlen. Das dauerte für Hecker genau vier Minuten.

1997 war er mit seiner Familie nach Ahlen gezogen, im Frühjahr 2000 stieg das Team in die 2. Liga auf. Im August im Auftaktspiel gegen den FC St. Pauli riss bei Hecker die Achilllessehne an der linken Ferse. Fünf Monate später, beim ersten Einsatz nach vermeintlich überstandener Verletzung riss die Sehne in einem Testspiel erneut. Das bedeutete das Karriereende. "Ich bin ein ganzes Jahr lang an Krücken gegangen", erinnert sich René Hecker, der danach in den Trainerstab der Ahlener aufrückte. Mittlerweile sind die Rot-Weißen nur noch in der fünftklassigen Oberliga Westfalen unterwegs.

Eine Etage höher in der Regionalliga West spielt sein Sohn Nico auf dem rechten Flügel des SC Verl. "Er macht sich gut, der Vater ist zufrieden", sagt Rene Hecker, der - so oft es die Zeit erlaubt - zuschaut, wenn der Junior gegen den Ball tritt. Im Sommer 2017 wäre der 28-Jährige beinahe in Chemnitz in der Dritten Liga gelandet. Der damalige Sportdirektor Steffen Ziffert hatte den Wechsel vorbereitet. "Der Vertrag war unterschriftsreif, alles geklärt. Doch dann zog musste sich Nico einer erneuten Schulteroperation unterziehen, dem CFC leider absagen", erzählt der Vater. "Aber was nicht ist, kann ja noch irgendwann werden.

Wie vielleicht auch ein Aufschwung des CFC in dieser Saison. "Ich bin gespannt, was der Trainerwechsel bringt", sagt René Hecker. Patrick Glöckner kennt er nicht persönlich. Umso besser Dirk Schuster. Mit ihm kreuzten sich die Wege seit frühesten Fußballertagen, mit Schuster gemeinsam absolvierte er den Fußballlehrer-Lehrgang in Köln. Wenn er demnächst mal wieder in der alten Heimat bei den Eltern in Aue ist, will er sich mit ihm treffen - über den FC Erzgebirge sprechen, und über den CFC.

Wie stoppt man Stoppelkamp?

Der MSV Duisburg kommt als Favorit nach Chemnitz. Der Tabellenvierte stellt mit 23 Treffern die effektivste Offensive der Liga, hat mit Moritz Stoppelkamp, der schon neunmal traf, den Führenden der Torjägerliste in seinen Reihen.

Um Stoppelkamp und dessen Sturmpartner Vincent Vermeij zu stoppen, hat CFC-Trainer Patrick Glöckner in dieser Woche speziell an der Defensivarbeit seines Teams gefeilt. Die Stimmung im Team sei trotz der vorausgegangen Niederlage in Großaspach gut, sagt Glöckner.

Wie die Zebras zu bezwingen sind, hat Glöckner am Mittwochabend gesehen, als der MSV sein Nachholspiel gegen den SV Meppen im eigenen Stadion mit 1:3 verlor. Die Bilanz des CFC gegen den MSV ist schlecht. In zwölf Duellen gab es sechs Siege für die Duisburger, nur zwei für die Himmelblauen. Verzichten muss Glöckner auf die verletzten bzw. noch nicht wieder 100 Prozent fitten Joannis Karsanidis, Kostadin Velkov und Matti Langer sowie den gesperrten Tobias Müller. Fragezeichen stehen hinter dem Einsatz von Davud Tuma (Hnadverletzung) und Taris Bonga (Prellung).

Voraussichtliche Aufstellung des CFC: Jakubov - Milde, Hoheneder, Reddemann, Doyle - Langer, Bohl - Garcia, Bonga, Awuku - Hosiner.

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