Den Ex-Verein im Visier

Patrick Göbel erlebte eine erfolgreiche Zeit beim FSV Zwickau, gegen den er morgen in der 3. Liga antritt. Für Sentimentalitäten ist aber kein Platz im schnelllebigen Fußball.

Würzburg/Zwickau.

Sohn Romeo wird morgen Abend vermutlich friedlich schlafen, wenn Papa Patrick Göbel mit den Würzburger Kickers um Punkte in der 3. Fußball-Liga kämpft. "Um 19.30 Uhr ist Schlafenszeit für den Kleinen. Er krabbelt viel rum am Tag. Es ist immer eine riesige Freude, ihn zu sehen", sagt der stolze Familienvater des ein Jahr und zwei Monate alten Sprösslings. Und freudvoll soll für den Rechtsverteidiger auch die Partie gegen seinen Ex-Verein FSV Zwickau, den er vor eineinhalb Jahren in Richtung Unterfranken verlassen hatte, enden. "Ich spiele die zweite Saison in Würzburg. Ich fühle mich sehr wohl hier, bin gesund, darf jede Woche von Beginn an ran. Aber klar, wir hätten gern ein paar Punkte mehr auf dem Konto", erzählt Göbel vor der Partie ab 19 Uhr in der Flyeralarm-Arena am Dallenberg.

Mit letzterem Wunsch unterscheiden sich die Kickers vom FSV in keiner Weise. Patrick Göbel erlebte eine erfolg- und lehrreiche Zeit an der Mulde. Der Standardspezialist feierte 2016 mit dem FSV die Rückkehr in den Profifußball seit 18 Jahren. Doch inzwischen sind die Berührungspunkte mit den Westsachsen rar geworden. "Vielleicht einmal", schätzt Göbel, sei er in den anderthalb Jahren privat nach Zwickau gereist - den dienstlichen Ausflug beim 1:0-Sieg der Kickers in der Vorsaison nicht mit eingerechnet. Damals hatte es sogar vereinzelt Pfiffe aus dem FSV-Fanlager gegen den Aufstiegshelden gegeben.

Der Fußball ist eben schnelllebig. Göbel besitzt noch bis Saisonende Vertrag bei den Kickers, mit denen er den nächsten Schritt in seiner Profilaufbahn machen wollte. Der sollte eigentlich in Blickrichtung 2. Liga gehen. Doch diese Saison glich in Würzburg das Formbarometer einer Sinuskurve. Drei Niederlagen zum Auftakt folgten vier Siege. Nach durchwachsener Phase verloren die Kickers zuletzt erneut dreimal in Serie, Samstag 1:2 in Karlsruhe mit Torschütze Göbel. In den 14 Partien hat die Mannschaft von Michael Schiele nur dreimal kein Gegentor kassiert. Der junge Torhüter Leon Bätge wirkte zuletzt verunsichert.

Bei all den Sorgen bleibt wohl kaum Zeit, die Entwicklung des ehemaligen Vereins mit dem neuen Coach Joe Enochs zu verfolgen. "Die Ergebnisse schaue ich mir schon an, und mit dem einen oder anderen Spieler gibt es auch mal eine WhatsApp. Ansonsten kann ich aber schlecht einschätzen, was beim FSV läuft", sagt Patrick Göbel. Eines weiß er allerdings genau: "Der FSV ist immer noch der unangenehme Gegner, der mit Robustheit Spiele zerstören kann. Sie werden alles reinhauen. Das machen sie immer, egal, ob es gegen den Ersten der Tabelle oder den Letzten geht", stellt sich der Profi auf ein hartes Stück Arbeit ein.

Ein Remis wäre nach den drei Niederlagen zwar ein Fortschritt, Ziel sind im Heimspiel aber drei Zähler. Für Zwickau wäre ein Unentschieden das vierte in Serie. 44 Partien, rund ein Drittel aller Drittligaspiele, endeten in dieser Saison bereits ohne einen Sieger. Göbels ehemaliger Trainer in Zwickau, Torsten Ziegner, sagt auch, warum das so ist: "Die vielen Unentschieden sind Indiz für die extreme Ausgeglichenheit der Liga. Es gibt nur marginale Unterschiede, egal ob zu Hause oder auswärts, oben in der Tabelle oder weiter unten", meint Ziegner: "Oberstes Credo ist bei vielen Klubs: Nur nicht verlieren!"

Würzburg kennt sich damit gut aus. Als Remiskönig der Saison 2015/16 wurde das Team mit 16 Unentschieden Tabellendritter der 3. Liga, stieg dann in der Relegation mit zwei Siegen gegen Duisburg in die 2. Liga auf. Das Motto "Kleinvieh macht auch Mist" kann also mitunter die richtige Strategie sein. Daniel Thioune, Trainer des aktuellen Spitzenreiters VfL Osnabrück, sagt: "Klammern wir Wiesbaden am letzten Wochenende mal aus, ist keine Mannschaft der Liga in der Lage, ein Spiel zu beherrschen. Viele Teams legen Wert darauf, hinten gut zu stehen. Das sind die Mannschaften, die auch erfolgreich sind." Wie auch immer der Weg zum Erfolg ausfällt: Patrick Göbel wird alles daransetzen, gegen Zwickau seinen dritten Saisontreffer zu erzielen. Um dann auch zu jubeln im Duell gegen den Ex-Verein? "Ja klar, ich freue mich über jedes Tor, egal, gegen wen."

Voraussichtliche Aufstellung, FSV: Brinkies - Barylla, Sorge, Wachsmuth, Anto-nitsch - Schröter, Frick (Hoffmann), Reinhardt, Bickel (Könnecke) - König, Lauberbach.

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