Der FSV Zwickau sortiert aus: Aufstiegshelden werden weniger

Der Fußball-Drittligist hat die Verträge mit sechs Spielern nicht verlängert. Auch Talent Felix Geisler spielt in den Planungen von Trainer Torsten Ziegner keine Rolle mehr. Stürmer Jonas Nietfeld lehnt das Angebot des FSV ab.

Zwickau.

Das Spielerkarussell für die kommende Saison nimmt Fahrt auf: Am Mittwoch gab der FSV Zwickau bekannt, mit welchen Profis er die auslaufenden Verträge nicht verlängern wird: Verteidiger Patrick Wolf und Mittelfeldspieler Michael Schlicht, die es zum Regionalligisten FC Schweinfurt zieht, waren schon bekannt. Hinzu kommen Defensivspieler Robert Berger sowie die Offensiven Marcel Bär, Kevin Bönisch und Martin Juhár. Auch mit Felix Geisler und Lukas Wilton plant Trainer Torsten Ziegner nicht mehr, obwohl das Talent und der Abwehrmann noch gültige Arbeitspapiere bis Sommer 2018 besitzen. Den beiden letztgenannten Spielern wurde ein Vereinswechsel nahegelegt. "Für ihre Entwicklung ist es besser, dorthin zu wechseln, wo sie auch das Gefühl haben, gebraucht zu werden", sagte Ziegner.

Der 24-jährige Rechtsaußen Bär gehörte in der schwächeren Hinrunde des FSV zum Stammpersonal. Er glänzte mit einem Tore-Dreierpack beim 4:0-Heimsieg gegen Regensburg. Bei der sensationellen Aufholjagd seit Februar musste der gebürtige Gifhorner aber oft von draußen zusehen. Mit insgesamt fünf Drittliga-Treffern verkörpert Bär dennoch zusammen mit Patrick Göbel nach Jonas Nietfeld (6) und Ronny König (14) den drittbesten Torschützen des FSV - was aber bald Schnee von gestern sein wird. Wie auch das Stürmerduo Nietfeld/König. Jonas Nietfeld ließ den Verein am Mittwochnachmittag wissen, dass er das Vertragsangebot nicht annehmen werde.

Der 23-Jährige ist damit der elfte Aufstiegsheld, der den FSV verlassen wird oder bereits verlassen hat. Dass Ziegner die Mannschaft fußballerisch entwickeln muss, ist logisch. "Wenn wir weiter mit diesem riesigen Aufwand spielen würden, müssten wir wegen des Substanzverlustes nach jeder Saison die ganze Mannschaft austauschen. Das können und wollen wir nicht", erklärte der Cheftrainer. So passiert dies stufenweise: "Die Jungs, die aufgestiegen sind, hatten es sich verdient, in der 3. Liga zu spielen. Aber irgendwann ist die Leistungsgrenze eben erreicht", strebt Ziegner den nächsten Schritt an. Und der heißt: die spielerische Qualität erhöhen.

In dieses Konzept würde Felix Geisler eigentlich passen. Doch in der rauen 3. Liga, in der Zweikampfhärte gefragt ist, konnte der 20-Jährige noch nicht Fuß fassen. "Klar wissen wir, dass Felix riesiges Potenzial hat und seine Entwicklung auch mal explodieren kann. Aber ein zweites verlorenes Jahr wäre extrem schlecht für seine Laufbahn", begründete Ziegner die avisierte Trennung. Auf drei Kurzeinsätze brachte es Geisler. Eine Rückkehr zum Heimatverein Cottbus schloss der Techniker am Mittwoch nicht aus. "Ich würde mit jedem Verein gern aufsteigen", sagte er. In jedem Fall - so seine Einschätzung - habe er menschlich und auch sportlich einiges gelernt in seinem ersten Männerjahr im Profifußball: "Das Training in der Rückrunde war auf extrem hohen Niveau." Nun aber muss Geisler den Umzug aus seiner ersten eigenen Wohnung organisieren. Seinen Vertrag absitzen will er in Zwickau jedenfalls nicht.

Geisler wäre der vierte (mit Bär, Wilton und Marcel Gebers) Spieler, der vor dieser Premierensaison in der 3. Liga verpflichtet wurde und nach einem Jahr Zwickau schon wieder tschüss sagt. Ob Winterzugang Jonas Acquistapace bleibt, ist ebenso offen. Scheinbar gibt es unterschiedliche Gehaltsvorstellungen auf Spieler- und Vereinsseite. Torsten Ziegner zur Personalie: "Wir sind kein normaler Drittligist, der mit Geld um sich werfen kann. In Zwickau muss sich jeder einordnen und mit dem Projekt FSV zu 100 Prozent identifizieren." Fest steht: Ohne eine Weiterverpflichtung des Verteidigers hätte der FSV - Stand jetzt - 15 Feldspieler inklusive des ersten feststehenden Neuen, Anthony Barylla, für die Spielzeit 2017/18 unter Vertrag. 20 plus 3 Torhüter sollen für die einstige BSG Sachsenring in Zwickau den Profifußball sichern.

Der Kampf um Platz vier: Es geht um 150.000 Euro

Sollte der Deutsche Fußball-Bund am Donnerstag das Strafmaß von neun Punkten Abzug für den VfR Aalen (Insolvenzantrag) bestätigen, rangiert der FSV Zwickau in der Tabelle auf Rang sechs. Platz vier berechtigt automatisch zur Teilnahme am DFB-Pokal, was in der ersten Runde mit rund 150.000 Euro Einnahmen einhergeht.

Das Restprogramm der Zwickauer hat es in sich. Am Samstag tritt der FSV beim SC Paderborn, der im Abstiegskampf nur einen Punkt vor dem Tabellen-18. Bremen II liegt, an. Im letzten Saisonheimspiel empfängt Zwickau am 13. Mai (13.30 Uhr) den VfL Osnabrück, eine Woche später heißt der Gegner MSV Duisburg, der dann schon aufgestiegen sein könnte.

Zwickaus Hauptkonkurrenten haben folgende Restprogramme: Regensburg (Erfurt/A, CFC/H, Münster/A); Osnabrück (Köln/H, Zwickau/A, Paderborn/H); Großaspach (Wehen Wiesbaden/A, Kiel/H, Erfurt/A).

Voraussichtliche Aufstellung in Paderborn: Brinkies - Schröter, Acquistapace, Frick, Lange - Koch - P. Göbel, Könnecke, Miatke - Öztürk, König.

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