Der Mann, der mit Beckham kickte

Fußball-Drittligist FSV Zwickau bereitet sich auf das erste Spiel nach der Winterpause gegen den Karlsruher SC vor. Der lange verletzte Bryan Gaul will wieder angreifen.

Zwickau.

Ein bisschen baut Bryan Gaul fürs Interview vor. "Mein Deutsch ist nicht so gut", sagt der in Los Angeles wohnhafte Abwehrhüne des FSV Zwickau, besteht dann aber gleich den ersten Test. Das Wort "Muskelkater" kennt der US-Amerikaner gut. "Den habe ich in den vergangenen sieben Monaten einige Male gespürt", berichtet der 1,93 Meter große und 86 Kilo schwere FSV-Profi und lächelt. Die Erklärung dafür ist plausibel. Denn nach zehn Minuten während des ersten Trainings bei seinem neuen Verein in Zwickau prallte Gaul im vergangenen Sommer mit Keeper Max Sprang zusammen, riss sich dabei das Innenband im rechten Knie und beide Menisken. Nun nimmt er einen neuen Anlauf bei den Rot-Weißen, die am 27. Januar ihr erstes Heimspiel nach der Winterpause gegen den Tabellenzweiten Karlsruher SC bestreiten werden.

Bryan Gaul wird nach seiner langen Zwangspause noch Zeit benötigen, um den Rhythmus wieder aufzunehmen. Dabei war schon sein Kurzeinsatz am Dienstag bei Regionalligist Rot-Weiß in Erfurt (1:1) und am Tag danach die erste Halbzeit gegen den VfB Auerbach (4:2) Balsam auf die Wunden. "Ich habe gedacht: Endlich, endlich kann ich wieder an den Ball treten. Das Knie macht keine Probleme mehr. Das ist positiv", meint Gaul, der nun richtig durchstarten und bereit sein will, wenn er gebraucht wird.

Sechs Wochen musste Gaul nach dem Missgeschick und der OP an Krücken gehen. In Zwickau, wo der Spieler in einer Wohnung in der 4. Etage ohne Fahrstuhl lebt, halfen ihm zunächst die eingeflogene Freundin und seine Mutter im Haushalt und beim Einkauf. Danach folgte die Reha, die er in South Carolina, wo seine Eltern leben, absolvierte. "Es war eine schwere Zeit. Ich bin 29, da steckt man so eine Verletzung nicht mehr so weg wie mit 22", sagt er. Im Dezember hat Gaul dann seine Freundin Andreea Cristina, ein aus Rumänien stammendes Model, in Mexiko geheiratet, bevor er im neuen Jahr in Westsachsen ins Mannschaftstraining einstieg.

Und dabei heißt es momentan zu improvisieren. So gab es in der Vorwoche ein Fußballmatch im kniehohen Schnee. Als Teambuildingmaßnahme gaben die Profis auf der Kartbahn in Chemnitz Gas. Um fußballerisch voranzukommen, sind aber vor allem Übungseinheiten auf Rasen wichtig. Die wird es aber wohl erst kommenden Dienstag beim Test gegen Zweitligist 1. FC Magdeburg geben. Wegen der Witterung sind die städtischen Plätze in Zwickau gesperrt. Auf das Ziel Klassenerhalt blickt Gaul trotzdem - typisch für einen Amerikaner - positiv: "Auch wenn wir nur vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze haben: Die Mannschaft ist stark genug für den Klassenerhalt."

Und wenn der 29-Jährige seine Fähigkeiten in der Rückrunde einbringen könnte, hätte dies auch ein klitzekleines bisschen was mit Fußballikone David Beckham zu tun. Denn mit dem Superstar aus England kickte Gaul von 2012 bis 2014 in der Major League Soccer, dem US-Pendant zur deutschen Bundesliga, gemeinsam bei Los Angeles Galaxy. "Ich habe einiges von ihm gelernt. Er trifft auf dem Platz wahnsinnig schnell Entscheidungen", erinnert sich Gaul an Beckham als relativ normalen Typen trotz des großen Glamourfaktors. Kontakt hat er übrigens keinen mehr zum Superstar. Schon damals fehlte im Mannschaftshandbuch der LA Galaxy hinter den Spielernamen nur eine Telefonnummer - die der weltweiten Werbeikone. Immerhin spendete Beckham seinem Mitspieler mal die Auswärtsspesen. Und Gaul erinnert sich noch genau an die erste Begegnung, als er dem Briten mit den Worten "Hi, ich bin Bryan" die Hand reichte. Beckham beließ es bei einem Augenzwinkern. "Von da an war alles gut. David hat eigentlich nur mit denen gesprochen, die er auch leiden konnte."

Apropos reden: In der Zwickauer Kabine muss Bryan Gaul aufpassen, im Gespräch mit Landsmann und Trainer Joe Enochs nicht ins Englische zu verfallen. Sonst nämlich drohen 50 Euro Strafgeld in die Mannschaftskasse. Aber da macht sich der gefühlte Neuzugang des FSV keine großen Sorgen. "Joe", sagt er, "ist inzwischen mehr Deutscher."

Info Offensivspieler Daniel Gremsl weilt in seiner österreichischen Heimat zum Probetraining, spielt in den Planungen keine Rolle mehr. Ein Zwischenstand in Sachen Nachlizenzierung und den bis Ende Januar nachzuweisenden 670.000 Euro war vom FSV nicht zu erfahren. Vor der Mitgliederversammlung am Sonntag sei laut Pressesprecher Daniel Sacher damit nicht zu rechnen.

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