Drei Hosiner-Tore und kein Happy End

Mit 4:2 bezwingt der Chemnitzer FC am letzten Spieltag der Dritten Liga den FC Hansa Rostock und steigt trotzdem ab. Der Mann des Tages war am Ende den Tränen nah.

Chemnitz.

Die Hoffnung auf das Wunder währte knapp 60 Sekunden. Ein feines Tor von Philipp Hosiner, stark vorbereitet von Dejan Bozic, stellte die Führung des Chemnitzer FC im Match gegen Hansa Rostock auf 4:1. Inklusive Nachspielzeit waren noch sechs Minuten Zeit für einen weiteren Treffer, der angesichts des Ergebnisses von Mannheim zum himmelblauen Klassenerhalt gereicht hätte. Doch es fiel kein Chemnitzer Tor mehr, sondern direkt vom Anstoß weg das zweite der Rostocker, die zu diesem Zeitpunkt mit diesem Nachmittag, diesem Match und dieser Saison längst abgeschlossen hatten. Nichts lief auf den anderen Plätzen für die Männer von der Ostsee, alle paar Minuten konnten sie auf der Anzeigetafel ein neues Ergebnis lesen, das alle Ambitionen stoppte.

Knapp zwei Stunden zuvor war das noch anders. Hansa hatte den Aufstiegsrelegationsplatz im Visier, dominierte die erste Halbzeit, hatte Chancen. Die ums Überleben kämpfenden Gastgeber hatten nach Sonnebergs Fauxpas nur eine Gelegenheit durch Hosiner, dessen Aufsetzer das Tor verfehlte (34.), und vor allem einen Jakub Jakubov im Kasten, der erst einmal nicht zu bezwingen war.

Anders das Bild nach der Pause. Nun rappelte es. Erst verwandelte Hosiner einen durch einen Schubser von Sonnenberg an ihm selbst verursachten Elfmeter mit Wucht mitten ins Tor zum 1:0 (50.), nach dem schnellen Ausgleich durch Scherff, bei dem der Ball zuvor wohl schon im Tor-Aus war (52.), brachte Sören Reddemann den CFC per Kopf erneut in Führung (79.). Und Hosiner stand wieder richtig, erzielte kurz vor seinem dritten das zweite Tor (87.). Die Dämme brachen, unter den wenigen Anwesenden im und den vom Supermarktparkplatz hinter dem Stadion zuschauenden Fans kehrte Euphorie ein. Eine kurze Euphorie, die Hansas Engelhardt mit dem 2:4 (90.) jäh beendete. Nun konnte nur noch der Blick aufs Handy helfen.

Schlusspfiff in Mannheim - hängende Köpfe in Chemnitz. Zwei Tore fehlten Trainer Patrick Glöckner und seinen Jungs am Ende zum Klassenerhalt. Drei Tore und kein Ertrag, Philipp Hosiner war geknickt. "Das ist extrem bitter. Wir haben noch einmal alles reingehauen, doch es hat nicht gelangt", sagte der Österreicher. "Der schlechte Saisonstart und der schlechte Start nach der Coronapause haben uns den Klassenerhalt gekostet. Zudem hatten wir in den letzten Wochen viel Pech, in den zurückliegenden drei Spielen allein fünfmal Aluminium getroffen." Für den CFC in der vierten Liga zu halten sein wird der 19-fache Torschütze dieser Drittligasaison wohl nicht. "Ich weiß noch nicht, was kommt", sagte der 31 Jahre alte Angreifer selbst, "wohin diese Reise jetzt geht, muss ich noch sehen." Innenverteidiger Sören Reddemann erklärte: "Es ist schwer zu begreifen. Das sind alles gute Jungs, wir waren eine Familie. Man hat ein Jahr alles gegeben und jetzt ist da nur noch Leere. Kleinigkeiten haben uns das Genick gebrochen. Wir waren fast immer auf Augenhöhe mit den Gegnern, gehören in diese Liga. Ich hoffe, der CFC kommt bald wieder."

Nun tagen Gesellschafter und Führungsgremien. Auszuloten ist, mit welchem Geld und welchem dazu passenden Personal es in der Viertklassigkeit weitergehen kann. Erste Ergebnisse dieser Beratungen sollen in dieser Woche verkündet werden.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.