Drei Punkte, aber kein Schönheitspreis

Wer Fehlpässe, Fouls und Gemecker mag, der war am Sonntagnachmittag in der Zwickauer GGZ-Arena richtig. Im Ostderby holten die Gastgeber gegen glücklose Jenaer ein 2:0.

Zwickau.

Es brauchte an diesem Sonntag schon eine deutliche Steigerung des FSV Zwickau in der zweiten Hälfte, um das Spiel gegen die bisher punktlosen Gäste vom FC Carl Zeiss Jena zu gewinnen. Dazu kam noch ein bisschen Glück, vor allem aber die Abschlussschwäche der Gäste. Denn während man dem Team von Lukas Kwasniok den verkorksten Saisonstart im Auftreten auf dem Spielfeld kaum anmerkte, beim gegen den Ball Treten vor dem Zwickauer Tor wurde die Verunsicherung umso sichtbarer.

Schon in der 15. Minute hätte es eigentlich 0:1 aus Sicht der Westsachsen stehen müssen. Doch der allein durchgelaufene Daniele Gabriele scheiterte zunächst kläglich an Torhüter Johannes Brinkies und konnte dann die zu ihm zurückspringende Kugel nicht unter Kontrolle bringen.

Vor allem in der Zone zwischen Mittellinie und eigenem Strafraum ließen sich die Zwickauer immer wieder schnell überspielen. "Da waren wir von Anfang an zu ängstlich und sind zu weit zurückgewichen", versuchte sich Mittelfeldmann Nils Miatke nach dem Abpfiff an einer Analyse. Ein Problem, das auch seinem Trainer Joe Enochs aufgefallen war: "In der ersten Halbzeit hatten wir überhaupt keinen Zugriff, in der zweiten haben wir mutiger nach vorn verteidigt." Jenaer Chancen gab es trotzdem noch - und manch heftige Wortmeldung der Gäste, die sich bei mehreren Entscheidungen benachteiligt fühlten. Sechs gelbe Karten, darunter gegen Trainer Kwasniok, und einmal glatt Rot zückte Schiedsrichter Michael Bacher gegen die Thüringer. Neun Verwarnungen erteilte er insgesamt; zeitweise holte Bacher den Karton im Minutentakt aus der Brusttasche.

Zwickau, erneut auf fünf Positionen verändert und bis dahin nur mit einem Außenpfostentreffer von Leon Jensen positiv auffällig geworden (34.), ging kurz vor dem Pausenpfiff aus heiterem Himmel per Strafstoß in Führung. Dabei bestritt zwar niemand, dass Jenas Marius Grösch bei einer Eingabe von links Torjäger Ronny König zu Boden gerungen hatte, doch der Freistoß, der zu der Szene führte, war schmeichelhaft. Maximilian Rohr hatte im Zweikampf mit Elias Huth eigentlich Ball und nicht Gegner getroffen. Fabio Viteritti, auffälligster Mann bei den Platzherren, übernahm die Ausführung, die mit etwas Glück gelang. Jenas Jo Coppens war an dem halbhoch geschossenen Ball zwar dran, konnte ihn aber nicht abwehren.

Nach der Pause verdiente sich Zwickau in der kampfbetonten, phasenweise von Fehlabspielen und verbissenen Zweikämpfen geprägten Partie die Führung mehr, auch wenn Jena weiterhin Einschussgelegenheiten bekam. So konnte sich Zwickaus Maurice Hehne in der 74.Minute in den Schuss des frei vor Brinkies zum Abschluss gekommenen Ole Käuper werfen - das hätte der Ausgleich sein müssen.

Allerdings hatte die Truppe von Joe Enochs zuvor bereits ihrerseits Chancen auf das 2:0 versiebt. Beispiel die 72. Minute: Statt einfach aus bester Position selbst aufs Tor zu schießen, versuchte Gerrit Wegkamp im Strafraum noch einmal querzulegen. Jenas Unglücksrabe Rohr rundete dann mit einer Notbremse in der 81. Minute seinen Pechtag ab. Zwar kam der von Rohr gefoulte Viteritti nochmal auf die Beine und sogar zum Abschluss, Schiedsrichter Bacher hatte mit dem nach einer Rotsperre aus der Vorsaison in der 3.Liga debütierenden 24-Jährigen allerdings keine Nachsicht und schickte ihn vom Feld.

Ein anderer Youngster erlebte dagegen einen Glücksmoment. Nachdem der eingewechselte Marius Hauptmann, Sohn von Dynamo-Legende Ralf Hauptmann, in der 84.Minute noch am Innenpfosten gescheitert war, machte der 19-Jährige nach einem Solo über das halbe Feld schließlich vor den Augen seiner Eltern und der Freundin das 2:0.

Statistik

FSV: Brinkies - Hehne (V), Frick, Odabas (V) - Reinhardt, Jensen - Schröter (77. Hauptmann), Viteritti (V, 89. Godinho), Miatke - König, Huth (62. Wegkamp); Jena: Coppens - Sarr, Rohr (V, 81. Rot), Grösch (V), Kircher (V) - Käuper, Hammann - Zejnullahu, Gabriele, Eckardt (V) - Günther-Schmidt (V).

Tore: 1:0 Viteritti (42., Elfmeter), 2:0 Hauptmann (90.+1); Schiedsrichter: M. Bacher (Amerang-Kirchensur); Zuschauer: 7342.

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