Freudentänze nach einer Wahnsinnswoche

Fußball-Drittligist FSV Zwickau verschafft sich durch einen 2:0-Auswärtssieg bei Preußen Münster etwas Luft im Abstiegskampf. In finanziell schwierigen Zeiten sendet die Mannschaft ein Signal ans Umfeld des Vereins.

Zwickau.

Was für eine Woche für den FSV Zwickau: Erst der 3:0-Triumph am Montag gegen Großaspach und das Ende einer langen Durststrecke an sieglosen Heimspielen. Und nun am Wochenende der dritte Saisonerfolg auf fremdem Platz. Hüpfende Spieler, singende Fans, erleichterte Trainer und Betreuer - es herrschte ausgelassene Freude nach dem 2:0 in Münster im rot-weißen Lager. Von dem Stimmungskiller der Wochenmitte, als der DFB dem Verein ein Loch im laufenden Saisonetat von rund 740.000 Euro (der FSV ging von einem Defizit von 555.000 Euro aus) bescheinigt hatte, war nichts zu spüren.

Mitten in der Runde jubelte auch Toni Wachsmuth wieder mit. Der Kapitän hatte seinen Magen-Darm-Infekt überwunden und fasste die Ereignisse am Sonntag nach dem individuellem Auslaufen so zusammen: "Die finanziellen Dinge können wir nicht beeinflussen. Das, was wir Spieler machen können, ist, Punkte zu holen. Vielleicht wirken die zwei Siege wie ein kleines Signal an die Region und die Stadt, dass es sich lohnt, den Verein zu unterstützen."

In Münster lieferte die Mannschaft von Joe Enochs in jedem Fall eine Meisterleistung in Bezug auf Effektivität ab. Obwohl Preußen-Keeper Maximilian Schulze-Niehues nicht den arbeitsreichsten Tag erlebte, stand der 30-Jährige am Ende des Tages mit leeren Händen da. Zweimal musste er hinter sich greifen, wobei ihm zweimal kein Fehler anzulasten war. Beim 1:0 wollte André Barylla seinem gesperrten Teamkollegen Julius Reinhardt offenbar nicht nachstehen und sich einen Platz auf der Liste beim "Tor des Monats" in der ARD ergattern. Mit einem gewaltigen Distanzschuss gab der 21-Jährige, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, bereits in der fünften Minute eine sehenswerte Bewerbung ab. Es war sein erstes Saisontor und das zweite für den FSV in der 3. Liga überhaupt erst. "Endlich hat es mal geklappt mit dem Tor. Zwischendurch war auch etwas Glück im Spiel, am Ende ist der Sieg aber verdient", strahlte André Barylla. Als dann Ronny König in der 21. Minute einfach mal draufhielt, zappelte das noch abgefälschte Leder erneut im Netz. Es war der zweite Schuss aufs Preußen-Tor. "Das ist mal sehr effektiv gewesen. Klar haben wir auch einiges zugelassen. Aber das ist bei einer offensivstarken Mannschaft und einem Top-Standardschützen wie Kobylanski nicht ungewöhnlich", schätzte Toni Wachsmuth ein.

Die Gastgeber besaßen u. a. durch Simon Scherder (allein vorm Tor), Tobias Warschewski (Lattenkopfball) oder Lion Schweers (auch allein vorm Tor) 100-prozentige Torchancen. Doch Zwickau konnte sich wieder einmal auf einen glänzend aufgelegten Keeper Johannes Brinkies verlassen. Mit tollen Reflexen ließ er die Preußen-Profis der Reihe nach verzweifeln und bekam nach Schlusspfiff ein Lob vom Käpt'n: "Das war schon Extraklasse. Diese Bälle halten nur wenige Torhüter."

So reichte am Ende der Ausfahrt ins Münsterland der vierte Saisontreffer von FSV-Torjäger König aus, um den 25. Punkt in der nun abgeschlossenen Hinrunde einzufahren. Im abschließenden Spiel vor der Winterpause geht Zwickau erneut auf Reisen, diesmal aber ins nur rund 130 Autokilometer entfernte Halle. Dort musste der ehemalige FSV-Trainer Torsten Ziegner am Sonnabend zeitgleich bei der 0:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC einen Dämpfer hinnehmen. Der Sprung auf einen direkten Aufstiegsplatz ist für den HFC in diesem Jahr nicht mehr möglich. Genauso, wie sein ehemaliger Verein nicht auf einem Abstiegsrang überwintern muss. Das ist gut für die Gemütslage. Und vielleicht klappt es ja beim HFC mit dem Sahnehäubchen.

Statistik SC: Schulze-Niehues - Menig (46. Heinrich), Schweers, Scherder - Pires-Rodrigues (V/61. Warschewski), Klingenburg, B. Schwarz - P. Müller (V), Rühle (75. P. Hoffmann), Cueto - Kobylanski (V). FSV: Brinkies - Barylla (V), Wachsmuth, Antonitsch - Schröter (86. Bonga), Bickel (71. Hoffmann), Frick, Könnecke, Lange - König (V), Miatke (58. Kartalis). SR.: Willenborg (Osnabrück); Zuschauer: 4976; Tore: 0:1 Barylla (5.), 0:2 König (21.).

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