FSV hat den nächsten Matchball

Der Fußball-Drittligist aus Zwickau kann am Samstag im heimischen Stadion das erste Saisonziel erreichen. Für Julius Reinhardt ist dies aus einem Grund besonders wichtig.

Zwickau.

Über ungelegte Eier zu reden, kommt für Julius Reinhardt nicht in Frage. Dafür hat der Profi auch zu viel erlebt in jüngster Vergangenheit. Das bittere Erlebnis des Drittligaabstieges mit dem Chemnitzer FC hat den 31-Jährigen motiviert, diesen Miesmacher seiner sportlichen Vita in Zwickau nicht noch einmal zuzulassen. Der Mann aus dem zentralen Mittelfeld verkörpert den besten FSV-Neuzugang dieser Saison, die schon am Samstag (14 Uhr) im Heimspiel gegen 1860 München einen Haken hinter das erste Ziel bekommen könnte. "Noch gibt es nichts zu feiern. Aber wenn es soweit ist, bin ich mir sicher, wird uns spontan etwas einfallen", erklärte Reinhardt in der Firmenzentrale von VW in Mosel.

Der Verein hatte die obligatorische Pressekonferenz der Woche ins Haus seines Premiumsponsors verlegt. Der Konzern hatte im Vormonat seinen Vertrag mit dem FSV für die nächste Saison verlängert. Dabei unterstützt der sächsische Großarbeitgeber den FSV mit einer sechsstelligen Summe im Jahr, die nach Aussage des Sponsors komplett in den Nachwuchs des Vereins fließt.

Ob das Bier auf den Klassenverbleib am Samstag ab 16 Uhr in Strömen fließt, ist die Frage, nachdem die Elf von Joe Enochs am vergangenen Samstag ihren ersten Matchball zum Klassenerhalt in Meppen vergeigt hatte. Als "ganz ordentliches Auswärtsspiel von uns", bezeichnete Julius Reinhardt den Auftritt seiner Mannschaft im Emsland und begründete die 0:2-Niederlage so: "Wir haben ein bisschen zu viel mitgespielt. Das war nicht so der Fußball, der uns ausmacht."

Damit verriet er sogleich den Schlüssel zum Erfolg in dieser dritten Drittligasaison in Serie, der wohl eine vierte folgen wird. Mit viel Leidenschaft und Teamgeist bekam der FSV die Kurve und brachte sich mit fünf Siegen in den letzten acht Partien auf den richtigen Weg. Dass die sehr aufwendige und kampfbetonte Spielweise den Verschleiß der Spieler fördert, daher ausgeprägte Kompetenz und auch Glück in der jährlichen Kaderzusammenstellung erfordert, weiß der künftige Sportdirektor Toni Wachsmuth. Mit Reinhardt (Vertrag bis 2021) hat er einen Führungsspieler länger an Bord, und mit dem 30-jährigen Christopher Handke (1. FC Magdeburg) bereits einen Nachfolger für sich selbst auf der Innenverteidiger-Position gefunden. Gut möglich, dass mit dem rechnerisch perfekten Klassenverbleib weitere Neuzugänge bekannt werden. Für Julius Reinhardt ist so oder so klar: "Jeder Verein, jede Mannschaft muss oder sollte sich von Jahr zu Jahr entwickeln. An den Grundprinzipien ändert das aber nichts. In Zwickau war es für den Gegner immer eklig zu spielen. Das muss auch so bleiben", verweist Reinhardt auf das kampfbetonte Spiel in der Zwickauer Tradition.

Apropos: Von diesen Tugenden können sicher auch einige Legenden des Zwickauer Fußballs berichten. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Zweitligaaufstieg vor 25 Jahren haben sich die einstigen Helden mit dem damaligen Trainer Gerd Schädlich für das Duell mit den Münchner Löwen angekündigt. Sie werden in der Halbzeitpause vom Verein geehrt. Dass dies alles in einem würdigen Rahmen passiert, verspricht weniger die Wetterprognose (vier Grad Celsius), dafür aber der Ticketvorverkauf. Über 5900 Eintrittskarten waren bis Donnerstag abgesetzt. FSV-Trainer Joe Enochs hofft auf 8000 Fans im knapp über 10.000 Zuschauer fassenden Stadion. Bei aller gedämpfter Euphorie nach dem Aufschwung in den letzten Wochen warnte der Coach aber: "Die Sechziger sind schwer auszurechnen, haben mit vielen verschiedenen Formationen agiert. Was wir aber wissen: Sie besitzen eine große Qualität im Kader." Zumindest seinen Spieler Morris Schröter schreckt das weniger: "Wir sollten uns nicht von den Namen beeindrucken lassen. 1860 spielt bei uns in der Liga." Und der TSV hat mit zwei Zählern Rückstand auf den FSV die Punkte im Abstiegskampf noch dringender nötig.

Voraussichtliche Aufstellung: Brinkies - Antonitsch, Wachsmuth, Gaul, Lange - Schröter, Frick, Reinhardt, Miatke - König, Lauberbach.

Was wäre, wenn - wann kann gefeiert werden?

Bei einem Sieg ist egal, wie die Konkurrenz spielt, dann wäre der Klassenverbleib zwei Spieltage vor Saisonende perfekt.

Bei einem Remis dürfte Großaspach am Samstag in Karlsruhe nicht gewinnen, dann wäre die Rettung praktisch perfekt. Denn selbst bei Siegen von Cottbus (Torverhältnis: -9) am Sonntag in Uerdingen und von Fortuna Köln (-23) am Montag gegen Meppen hätte Zwickau sechs Zähler Vorsprung auf die beiden Teams mit dem deutlich besseren Torverhältnis (0).

Auch bei einer Niederlage ist der Klassenerhalt möglich. Nämlich, wenn Cottbus und Köln nicht mehr als einen Punkt holen und Großaspach verliert.

Erneute Geldstrafe für den FSV: Das Sportgericht des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) hat den Verein zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Grund sind die Vorfälle beim Sachsenpokal-Halbfinale in Bautzen, wo laut SFV im Zwickauer Fanblock vier Leuchtraketen sowie fünf Knall- und Rauchbomben gezündet worden waren.

Strafverschärfend wirkte sich das erhebliche Vorstrafenregister des Vereins im Pokalwettbewerb und in der 3. Liga in jüngster Vergangenheit aus. Der FSV hatte keine Stellungnahme zu den Vorfällen abgegeben. (tp)

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