FSV Zwickau fährt mit breiter Brust zum Ex-Trainer

Nach zehn Spieltagen - so hat es Trainerikone Hans Meyer einmal gesagt - lügt die Tabelle nicht. Fußball-Drittligist FSV Zwickau liegt im Soll. "Freie Presse" zeigt auf, was gut war und was besser werden kann.

Zwickau.

14 Punkte, 16:14 Tore, Tabellenplatz 10 - für den FSV Zwickau ist die vierte Spielzeit nach der umjubelten Rückkehr in den Profifußball im Jahr 2016 gut angelaufen. Der Verein musste nach der letzten Saison die Herausforderung meistern, sich fußballerisch zu verbessern sowie zu verjüngen und trotzdem reif für die 3. Liga zu bleiben. "Freie Presse" analysiert vor dem Ostderby am Sonnabend (14 Uhr) in Halle, wo Zwickaus Aufstiegstrainer Torsten Ziegner das Zepter schwingt, wie der Schnitt im FSV-Kader bisher bewältigt wurde.

Neuzugänge: Zwölf an der Zahl sind eine Menge. Voll eingeschlagen hat Fabio Viteritti (vier Saisontreffer/eine Torvorlage). Auch Leon Jensen (ein Tor) konnte überzeugen. Beide sorgen fußballerisch für eine höhere Qualität im Spiel. Der von Energie Cottbus verpflichtete Viteritti ist als Ballverteiler mit seiner Torgefahr fast nicht mehr wegzudenken. Auch die Abwehrspieler Maurice Hehne, der schon auf drei verschiedenen Positionen eingesetzt wurde, und Christopher Handke helfen der Mannschaft weiter. Der routinierte Handke hatte nach einer Wadenverletzung in der Vorbereitung erst einmal selbst mit sich zu tun, um körperlich in die Spur zu finden. Das klappt immer besser. So besteht die Hoffnung, dass der Hüne künftig auch noch mehr die ihm zugedachte Führungsrolle ausüben wird. Die Stürmer Elias Huth (vier Tore) und Gerrit Wegkamp (zwei Tore) konnten sich ebenso gut einbringen. Überhaupt fällt auf: Von den zwölf Neuen haben bereits fünf mindestens ein Tor erzielt. "Ich bin mit allen Neuen zufrieden. Trotz der großen Anzahl sind wir eine Einheit auf dem Platz. Alle bringen die Mentalität mit, die es braucht, um Spiele zu gewinnen", sieht Sportdirektor Toni Wachsmuth sein Team auf dem richtigen Weg.

Neue Abwehr: Durch die Abgänge von Abwehrchef Wachsmuth, Bryan Gaul, Nico Antonitsch und Anthony Barylla stand der FSV vor der Aufgabe, sich in der Defensive neu zu formieren. Dabei begann Trainer Joe Enochs die Saison mit einer Dreierkette, wechselte inzwischen mit einem fitteren Handke auf vier Abwehrspieler: "Vielleicht sind wir im Vergleich zur Vorsaison etwas flexibler geworden", schätzt Enochs ein. 14 Gegentore sind zwar nicht wenig, doch hat der FSV auch schon fünfmal zu Null gespielt. "Das Problem ist, wenn wir verlieren, dann rappelt es auch mal richtig. Da müssen wir etwas gegen tun", meint Mittelfeldakteur Julius Reinhardt in Anspielung auf das 3:5 gegen Kaiserslautern oder die 0:3-Niederlage bei 1860 München. Tatsächlich gab es Spiele, in denen Zwickau den Gegnern zu viele Torchancen ermöglichte. Joe Enochs sieht die Problemlösung als gesamtmannschaftliche Aufgabe: "Ob wir erfolgreich sind, hängt davon ab, wie wir unser frühes Pressing durchziehen und unsere Tugenden ins Spiel einbringen. Wenn uns dies gelingt, sind wir schwer zu schlagen."

Stärken: Neben den erwähnten Tugenden wie Laufbereitschaft, Kampfgeist und Leidenschaft spielt Torhüter Johannes Brinkies bisher eine überragende Saison. Ohne die für die 3. Liga überdurchschnittlichen Leistungen des Keepers würde der FSV vermutlich ein paar Plätze weiter unten in der Tabelle stehen. Vor allem auch in Phasen, in den Spiele leicht kippen können, bewies Brinkies seine Klasse. Mit dem bereits erwähnten Ballverteiler Viteritti hat die Mannschaft nicht nur ihr spielerisches Niveau verbessert. Auch für Standardsituationen hat der FSV mit dem Ex-Cottbuser eine neue Option erhalten.

S chwächen: Die Bilanz der Heimspiele (zwei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen) ist ausbaufähig. "Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir wieder zu der Heimmacht aus der Vorsaison werden", mahnt Enochs. Zu den Reserven zählen auch, Leistungsschwankungen innerhalb eines Spiels und von Partie zu Partie zu minimieren. Die mangelnde Konstanz verbindet Wachsmuth nicht mit der Integration der zwölf neuen Spieler im Team. "Das betrifft alle. Wir haben die nötige Qualität im Kader, sind super in Form. Das müssen wir nun von Spieltag zu Spieltag abrufen."

Fazit und Ausblick: Der Umbau in der Mannschaft ist gut angelaufen. Hoffnung schürt zudem die Annahme, dass einige Spieler wie zum Beispiel Ali Odabas, Handke, Jensen oder Huth noch Potenzial besitzen. Bei ihren Ex-Vereinen kamen sie in der Vorsaison nur als Teilzeitarbeiter zum Einsatz. Mit zunehmender Wettkampfhärte sollten sie sich steigern können. Vielleicht schon beim Halleschen FC? Der 36 Jahre alte Routinier Ronny König fordert nach dem 4:0-Sieg über Viktoria Köln eine breite Brust für den Auftritt in Halle: "Wir haben diese Saison bisher noch kein Ostderby verloren. Das soll auch so bleiben."

Voraussichtliche Aufstellung gegen den Halleschen FC: Brinkies - Hehne, Handke, Frick, Lange - Schröter, Reinhardt, Jensen, Viteritti - König, Huth.

Ex-Zwickauer Mai fällt aus

HFC-Trainer Torsten Ziegner muss gegen seinen Ex-Verein auf Sebastian Mai verzichten. Die Allzweckwaffe der Hallenser zog sich am Dienstag im Training eine Innenbanddehnung im Knie zu. Mai gehörte 2016 als Abwehrchef zu den FSV-Aufstiegshelden.

Zwickaus Coach Joe Enochs lobte den mit 20 erzielten Toren offensivstarken Tabellenzweiten: "Sie haben eine sehr intakte Mannschaft, die sehr viel Spaß beim Spiel hat. Im Umschaltspiel ist sie noch einmal besser geworden. Halle steht nicht zufällig da oben."

Bis auf die Langzeitverletzten Sascha Härtel und Mike Könnecke sind alle FSV-Profis an Deck. Nils Miatke trainierte diese Woche wieder mit der Mannschaft, sein Einsatz sollte aber noch zu früh kommen.

Um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten und Staufolgen vorzubeugen, brechen die Zwickauer bereits am Freitag zum Derby in Richtung Halle auf.

Leon Jensen ist nach seiner Gelbsperre wieder spielberechtigt. Ob Enochs den Mittelfeldmann in die Startelf beordert, ließ er offen. "Das werden wir nach den Trainingseindrücken entscheiden."

Der FSV kann in Halle auf eine lautstarke Anhänger bauen. Vereinssprecher Daniel Sacher rechnet mit rund 700 Fans, die ihr Team im Erdgas-Sportpark unterstützen wollen. (tp)

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