FSV Zwickau: Mit Kampf und Königs Köpfchen

Fußball-Drittligist Zwickau glückt ein Riesenschritt in Richtung Klassenverbleib. Beim 2:1 gegen das Spitzenteam aus Wiesbaden spielt der FSV mutig und wird dafür belohnt.

Zwickau.

Obwohl Ronny König mit seinen zwei Kopfball-Toren der Mann des Tages beim Zwickauer 2:1-Sieg gegen Wehen Wiesbaden war, durfte ein anderer Spieler nach dem Abpfiff im hüpfenden Kreis der Profis und Betreuer in die Mitte: Der zweikampf- und laufstarke Davy Frick hatte ein prima Spiel abgeliefert und stand damit für ein Team, das mutig agiert, leidenschaftlich gekämpft und letztlich in heiklen Phasen auch das nötige Glück auf seiner Seite hatte. "Uns war klar, dass wir die Heimspiele ziehen müssen, wenn wir drin bleiben wollen. Das war ein ganz wichtiger Sieg. Klar ist aber auch: 40 Punkte werden nicht reichen", sagte König ziemlich unaufgeregt nach einer rassigen Partie.

Seine Saisontreffer sieben und acht liefen nach dem gleichen Schema ab. Der agile Nils Miatke flankte von der linken Seite, König köpfte mit seiner ganzen Klasse ein. Insofern traf Trainer Joe Enochs die richtige Entscheidung, mit einer Viererkette René Lange als defensive Absicherung für Miatke zu positionieren. "Ich weiß, dass Nils aus vollem Lauf präzise flanken kann. Ich habe zu ihm gesagt, er soll jede Möglichkeit dazu nutzen", erklärte Enochs. Der Linksfuß selbst war nach seinen zwei Mustervorlagen bemüht, den Ball flach zu halten. "Man braucht gegen so einen starken Gegner auch das nötige Matchglück. Aber wir wussten schon, dass Wiesbaden bei Flanken ins Halbfeld anfällig ist. Gut, dass es zweimal geklappt hat."

Vom Anpfiff weg dauerte es nur 35 Sekunden, bis die Kombination "Flanke Miatke, Kopfball König" erstmals in einen Torerfolg mündete. Dabei gab Wiesbadens Maximilian Dittgen im Luftduell mit König zweimal keine gute Figur ab. Wie schon nach dem 1:2-Anschlusstreffer in Rostock gelang dem Gegner jedoch postwendend ein Tor. Diesmal vollendete Nicklas Shipnoski aus Nahdistanz zum 1:1, was auch Ronny König mächtig ärgerte.

Dem Routinier war in Diensten des SV Wehen Wiesbaden im Jahr 2007 während eines Zweitligaspiels gegen den 1. FC Köln mal ein Dreierpack innerhalb von sieben Minuten gelungen. Ob aber sein Blitztor das schnellste seiner Karriere war, konnte der 35-Jährige nicht beantworten. Ein äußerst wichtiges ist es allemal gewesen. Denn nach zuvor 0:11 Toren und nur einem Pünktchen in den vier Duellen mit den Hessen könnte dieser Triumph bestenfalls die letzten Kräfte in der Zwickauer Mannschaft in den verbleibenden sechs Punktspielen freisetzen. Zunächst steht am Mittwoch (19 Uhr) das Sachsenpokal-Halbfinale bei Budissa Bautzen an, bevor es am Sonntag in Unterhaching (seit sechs Spielen ohne Sieg/vier Niederlagen) weitergeht. "Der Pokal ist ein wichtiges Saisonziel für uns. Wir wollen nächste Saison im DFB-Pokal dabeisein", forderte Kapitän Toni Wachsmuth ein schnelles Umschalten.

Sein Mitwirken nach der Erkältung in Rostock brachte am Sonnabend vor 3969 Zuschauern im Stadion Zwickau die erwünschte Stabilität in der Abwehr. Dem 32-Jährigen blieb natürlich nicht verborgen, dass seine Mannschaft das Glück des Tüchtigen hatte. Einmal stand die Latte (Niklas Schmidt), einmal der Pfosten (Marcel Titsch-Rivero) Pate. SV-Coach Rüdiger Rehm, früher bei Zwickaus Erzrivale Aue aktiv, ärgerte sich aber über eine andere Szene noch mehr. So war seiner Ansicht nach der eingewechselte Florian Hansch in der ersten Halbzeit von Nils Miatke im Strafraum gefoult worden. Der Pfiff blieb jedoch aus. Nach Studium der TV-Bilder hätten sich die Zwickauer nicht beschweren können, wenn es Elfmeter gegeben hätte.

Gab es aber nicht. Und Rehm vergaß auch nicht, den entscheidenden Unterschied zu erwähnen, weshalb die Niederlage verdient war und Zwickau indirekt auch noch seinem Ex-Trainer Torsten Ziegner (im Aufstiegsduell mit Wiesbaden) einen Gefallen tat. "Wir waren heute nicht 100 Prozent da, nicht bereit und gallig genug", schätzte Rehm ein. Sein Gegenüber Joe Enochs wirkte dagegen erleichtert und überglücklich. "Das ist der Fußball, mit dem ich mich identifizieren kann. So habe ich früher auch gespielt. Und so eine Leistung kommt nur mit ganz großem Willen zustande", sagte der 47-Jährige und fügte an: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft."

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