FSV Zwickau: Neuer Trainer, neue Reize, altes Ziel

Gleich zum Auftakt steht das brisante Duell mit dem Ex-Trainer an. Interessant ist für den Verein vor allem das Saisonende. Dann soll mindestens Platz 16 zu Buche stehen.

Zwickau.

Dritte Spielzeit in der Dritten Liga und das Ziel bleibt wie immer: Klassenerhalt. Trotz geringfügiger Steigerung des Etats für die erste Mannschaft von 1,6 auf 1,9 Millionen Euro bäckt der FSV Zwickau auch diese Saison kleinere Brötchen. Alles andere würde an Größenwahn grenzen angesichts der mit prominenten Vereinen bestückten Liga und den nach wie vor bescheidenen wirtschaftlichen Voraussetzungen des Sachsenring-Nachfolgeklubs. Dass positive Überraschungen möglich sind, zeigte die Premierensaison mit Rang fünf. Allerdings hatte schon in der vergangenen Spielzeit (Rang 15) keiner der Beteiligten in Westsachsen mit einem ähnlichen Rückrunden-Rausch wie im Winter und Frühjahr 2017 gerechnet.

"Die Klasse halten und die Qualifikation für den DFB-Pokal", nennt dann auch Joe Enochs die Zielstellung. Der neue Coach, US-Amerikaner, hat Torsten Ziegner, der am Ende der Vorsaison nach über fünf erfolgreichen Jahren seinen vorzeitigen Rauswurf provozierte, an der Mulde beerbt. Der Osnabrücker Enochs hat es auch ohne Punktspiele bereits geschafft, Vorfreude zu wecken. Mit seiner freundlich-offenen Art, einer glänzenden Vorstellung seines Konzepts bei den Sponsoren und dem erstmals öffentlichen Trainingsauftakt sammelte der 46-Jährige erste Sympathiepunkte.

Jetzt müssen die Ergebnisse kommen. Joe Enochs will beim FSV nicht alles umkrempeln, setzt aber auf neue Reize und Ideen. Unter seiner Regie haben die im Profifußball üblichen Sprint-, Laktat- und Beweglichkeitstests auch in Zwickau Einzug gehalten. Mit der Einbindung des jungen Athletiktrainers Christoph Rezler ist es nun besser möglich, individuell mit Spielern an deren Schwachstellen zu arbeiten. Obwohl es erstmals kein Trainingscamp gab, versuchte Enochs, mit nicht alltäglichen Einlagen den Zusammenhalt im Team zu fördern. Erst vergangene Woche wurde es bunt im Stadionareal. Paintball anstelle Fußball hieß das Motto. Doch bei allem Spaß kam das Training nicht zu kurz, wie Keeper Johannes Brinkies meinte: "Alle haben gut mitgezogen. Der neue Trainer ist sehr ehrgeizig. Man spürt, dass er etwas erreichen will. Er brennt", berichtete der Torhüter.

Obwohl das Gerüst der Mannschaft und damit die meisten Leistungsträger beim FSV blieben, bekamen die Fans in der Vorbereitung viele neue Gesichter zu sehen. Elf Neuzugänge verpflichtete Zwickau, zwölf Abgänge verzeichnete der Verein. Jonas Acquistapace besitzt zwar noch Vertrag beim FSV, in den sportlichen Planungen spielt er aber keine Rolle mehr. Auch Julian Hodek könnte, so er einen Verein findet, wechseln. Der aktuelle Kader (ohne Acquistapace) besteht aus drei Torhütern und 22 Feldspielern. Der Altersdurchschnitt des Teams liegt bei 24,6 Jahren. Bei der Umsetzung des vom DFB beschlossenen U-23-Reglements (vier U-23-Profis müssen auf dem Spielberichtsbogen einer Drittligapartie stehen) besitzt der Trainer mit zehn Akteuren (davon zwei Torhüter) einige Alternativen.

Mit den zweitligaerfahrenen Julius Reinhardt und Christian Bickel sollen die Abgänge von Jan Washausen und Bentley Baxter Bahn, die mit Ziegner zum Halleschen FC wechselten, kompensiert werden. Enochs achtete bei der Auswahl besonders auch auf die Körpergröße. Mit Bryan Gaul (1,95 Meter), der sich allerdings in der Vorbereitung einen Innenbandriss im Knie zuzog, Tarsis Bonga (1,96) sowie Lion Lauberbach (1,92) bekam Sturmtank Ronny König (1,90) Spieler auf Sichthöhe an seine Seite. Enochs trug damit einem Vorhaben Rechnung, das der Trainer schon vor der WM in Russland äußerte: "Wir wollen unsere Stärke bei Standards ausbauen und bei ruhenden Bällen gegen uns weniger Tore bekommen."

Nach Eindrücken in der Vorbereitung dürfte Reinhardt übermorgen gegen Halle in der Startelf stehen. Auch andere Neuzugänge wie zum Beispiel Bonga, Nico Beyer, Manolo Rodas oder Kevin Hoffmann deuteten ihr Potenzial an. "Wir haben eine gute Mischung aus Jung und Alt. Wichtig war, dass das Gerüst der Mannschaft erhalten blieb. Die neuen Jungs passen charakterlich gut rein. Sie sind heiß auf Zwickau" schätzte Toni Wachsmuth, der alte und neue Kapitän des FSV, ein. Der 31-Jährige mahnte allerdings an: "Wenn wir die Klasse halten wollen, müssen wir es hinbekommen, dass jeder seine Stärken reinhaut."

Dem Bemühen, sportliche Fortschritte zu erzielen, müssen allerdings weitere Schritte folgen, die den Verein professioneller aufstellen. Der erstmals öffentliche Trainingsauftakt war nur ein kleiner Anfang. Die Aktion "Lebenslang Mitglied" brachte bisher immerhin rund 85.000 Euro in die Vereinskasse. Dennoch: Mit einem Mini-Etat auf Dauer könnte die Gratwanderung in der 3. Liga auch schnell wieder im Amateurfußball enden.


Das Aufgebot des FSV Zwickau in der Saison 2018/19

Tor

1 Johannes Brinkies 20.06.1993

26 Max Sprang 04.07.2000

29 Matti Kamenz 09.08.1998

 

Abwehr

6 Bryan Gaul 08.10.1989

14 Toni Wachsmuth 15.11.1986

16 Anthony Barylla 01.06.1997

35 Nico Antonitsch 30.09.1991

36 Nico Beyer 22.09.1996

22 Alexandros Kartalis 29.01. 1996

 

Mittelfeld

7 Jannik Mäder 27.09.1996

8 Kevin Hoffmann 06.06.1995

10 Christian Bickel 27.01.1991

11 Manolo Rodas 04.07.1996

13 Mike Könnecke 23.08.1988

17 Morris Schröter 20.08.1995

18 Lion Lauberbach 15.02.1998

19 Davy Frick 05.04.1990

20 René Lange 22.11.1988

24 Julian Hodek 09.05.1998

28 Nils Miatke 30.01.1990

30 Julius Reinhardt 29.03.1988

 

Angriff

15 Ronny König 02.06.1983

19 Fabian Eisele 10.03.1995

23 Daniel Gremsl 02.08.1992

32 Tarsis Bonga 10.01.1997

 

Trainerteam

Joe Enochs (01.09.1971), Cheftrainer seit Juni 2018; Co-Trainer: Danny König (18.10. 1974); Co- und Torwarttrainer: Steffen Süßner (26.09.1977); Athletiktrainer: Christoph Rezler (11.07.1990).

 

Zugänge

Joe Enochs (VfL Osnabrück), Christoph Rezler (Rot-Weiß Erfurt), Matti Kamenz (Energie Cottbus), Nico Beyer (Hertha BSC U-23), Julius Reinhardt (Chemnitzer FC), Janik Mäder (ZFC Meuselwitz), Christian Bickel (SC Paderborn), Manolo Rodas (SC Freiburg U-23), Tarsis Bonga (Fort. Düsseldorf U-23), Lion Lauberbach (RW Erfurt), Bryan Gaul (SV Elversberg), Kevin Hoffmann (Jahn Regensburg/ausgeliehen), Alexandros Kartalis (Greuther Fürth II).

 

Abgänge

Lukas Cichos (RW Erfurt/Leihende vom 1. FC Magdeburg), Ali Odabas (Jahn Regensburg/Leihende), Christoph Göbel (Wacker Nordhausen), Bentley Baxter Bahn, Jan Washausen (beide Hallescher FC), Dimitrios Ferfelis (Worm. Worms), Sinan Tekerci (Elversberg), Robert Koch (Neugersdorf), Fabian Schnabel (Schalding-Heining), Christian Mauersberger, Aykut Öztürk, Ronny Garbuschewski (alle unbekannt).

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...