FSV Zwickau vor der neuen Saison: Entspannt, aber ehrgeizig

Vierte Saison in der 3. Fußball-Liga für den FSV Zwickau. Mit runderneuertem Kader steht der Klassenerhalt als übergeordnetes Ziel fest. Offen ist die Zukunft des besten Torjägers.

Zwickau.

So genau weiß es Ronny König selbst nicht, ob es nun seine 18. oder 19. Saisonvorbereitung im Profifußball gewesen ist. Und er weiß nach eigener Aussage auch noch nicht, ob es seine letzte war. Der Vertrag des 36 Jahre alten Stürmers, in den vergangenen drei Spielzeiten immer der beste FSV-Torschütze, läuft aus. 15, 11 und 11 Tore knipste der Angreifer, bei dem gerade während des Camps in Bad Blankenburg bei hitzigen 35 Grad Celsius der Schweiß tropfte, in den zurückliegenden drei Spielzeiten. "Es wird anstrengender, den inneren Schweinhund zu überwinden. Und die Regeneration ist auch nicht mehr so wie vor sieben, acht Jahren. Aber ich habe es ja überlebt", sagt König mit einem Augenzwinkern.

Da er einen Anschlussvertrag im Verein im Nachwuchsbereich besitzt, wäre eine weitere Saison im Trikot der Schwäne formal kein Problem. Ob dies ein Thema wird, wird sich an der Antwort auf die Frage orientieren: Wie oft spielt und trifft der 1,90-m-Hüne noch?

Mit Elias Huth (1,85 m) und Gerrit Wegkamp (1,93 m) hat König jedenfalls schon mal auf körperlicher Ebene annähernd gleichwertige Konkurrenz erhalten. Doch die gab es mit Tarsis Bonga vor der letzten Saison auch. Geblieben ist König als bester Torjäger, Bonga versucht nun beim Chemnitzer FC sein Glück. Der runderneuerte Kader (11 Zugänge, 13 Abgänge) mit dem neuen Kapitän Johannes Brinkies soll den internen Konkurrenzkampf beleben. Auch wenn sich der neue Sportdirektor Toni Wachsmuth im Klaren ist, dass nicht jede Position gleichwertig besetzt ist, sieht er diesbezüglich nach den Eindrücken in der Vorbereitung Fortschritte. "Es ist im Training zu spüren gewesen, dass jeder um seinen Platz gekämpft hat. Um die Qualität zu erhöhen, sind wir bewusst das Risiko mit nur 20 Feldspielern eingegangen", erklärt Ex-Kapitän Wachsmuth.

Für Trainer Joe Enochs wird es die zweite Spielzeit beim FSV. Mit Rang sieben konnte der gebürtige Kalifornier die Erwartungen voll erfüllen. Nie stand der Verein unter dem Strich als einer der vier Absteiger. Die Ziele haben sich auch für die neue Saison nicht geändert. Mit annähernd dem gleichen Etat wie in der zurückliegenden Spielzeit, der laut FSV 2,5 Millionen Euro für die Profimannschaft beträgt, steht das Ziel Klassenerhalt über allem. Und die offene Rechnung im Sachsenpokal (0:2 gegen den CFC) soll am besten auch noch beglichen werden.

Joe Enochs jedenfalls will seine bodenständige Art beibehalten. Nie würde der 47-Jährige öffentlich ein böses Wort über einen seiner Spieler verlieren. Nicht immer wird dies dem Coach nach dem Prinzip des Gebens und Nehmens gedankt. Das war schon so in Osnabrück, wo er 22 Jahre als Spieler und Trainer eindrückliche Arbeit geleistet hat. Als Enochs in der Saison 2017/18 ohne Murren aus Sparzwängen dem Verkauf einiger Leistungsträger zustimmte, wurde ihm nach elf Spieltagen in einer Phase mit vielen Verletzten der Stuhl vor die Tür gestellt. Auch in Zwickau herrschte nicht nur eitel Sonnenschein. Als der Trainer im Heimspiel gegen Unterhaching (2:2) den früh eingewechselten Bonga nach schwacher Partie auf dem Feld ließ und Lion Lauberbach auswechselte, musste er sich Pfiffe vom Publikum anhören. Enochs wollte Bonga aber mental nicht verbrennen. Was auch gelang. Zumindest bis Bongas Vertragsunterschrift beim CFC bekannt wurde, spielte er eine gute Jokerrolle. Doch für das Pokalfinale gegen seinen künftigen Arbeitgeber fehlte er als Alternative. "Das Geschäft ist hart, man ist auch oft enttäuscht. Aber ich werde mich da nicht ändern. So tickt auch unser Verein. Wir versuchen, unsere Spieler zu schützen", reflektiert Enochs: "Ich habe auch 20 Menschen kennengelernt, die mich nicht enttäuscht haben. An diesen positiven Dingen halte ich mich fest." Motto: Entspannt, aber ehrgeizig. Und mit einem treffsicheren Ronny König sollte es auch diesmal mit dem Klassenerhalt klappen.

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