"Ich will es mir noch mal beweisen"

Die Vorbereitung des FSV Zwickau steht unter dem Fokus: neue Abwehr gesucht. Christopher Handke soll dabei die Chefrolle zukommen. Eine Verstärkung in der Defensive wird noch erwartet.

Bad Blankenburg.

Laut geht es zu auf dem Rasenplatz in der Landessportschule Bad Blankenburg. Besonders das Organ des neuen Kapitäns Johannes Brinkies ist deutlich zu hören. "Weiter, weiter!", brüllt der Torhüter des FSV Zwickau immer wieder seinen Vorderleuten zu. Das ist nicht neu. Mit seiner resoluten Art hat sich Brinkies in den vergangenen drei Jahren zu einem der besten Keeper der 3. Liga gemausert. Neu ist, dass der Mecklenburger kommende Saison sein Team als Kapitän auf den Platz führen wird. "Deshalb wird sich aber so viel nicht ändern. Wir verteilen das auf mehrere Schultern. Als es mir mitgeteilt wurde, musste ich nicht lange überlegen. Mir ist klar: Ich muss und will Verantwortung übernehmen."

Dass die Binde auch bei Torhütern, die auf dem Feld nicht der nächste Ansprechpartner des Trainers sind, funktionieren kann, zeigen viele Beispiele - in Paradeform Manuel Neuer beim FC Bayern und in der Nationalelf. Doch die Position auf dem Feld sieht Brinkies in Bezug auf das Kapitänsamt eher nebensächlich. "Wichtiger ist doch, ob du vorangehst und Führungsqualitäten hast", meint der 26-Jährige.

Neu werden für ihn die Ansprechpartner unmittelbar vor ihm. Denn der FSV hat im Sommer seine komplette Dreierkette mit Nico Antonitsch, Bryan Gaul und seinem Vorgänger als Kapitän, Toni Wachsmuth, verloren. Auch Rechtsverteidiger André Barylla hat den Verein verlassen. "Ja, das kommt schon nicht so oft vor, dass die Zentrale komplett neu ist", erklärt Brinkies. "Trotzdem findet man sich relativ schnell, gerade wenn wir jetzt zweimal am Tag trainieren. Da sind ja immer spielerische Elemente dabei. Auch wenn die Vorbereitung nicht so lang ist. Wir müssen und werden uns bis zum ersten Spieltag finden."

Für die Innenverteidigung hat der FSV neben Handke Rückkehrer Ali Odabas sowie Maurice Hehne verpflichtet. Auch Davy Frick kann die Position spielen. Nicht optimal ist allerdings, dass Handke und Odabas letzte Saison keine Stammspieler waren. Erstgenannter absolvierte beim 1. FC Magdeburg sieben Zweitligaspiele (ein Tor) und eine Partie im DFB-Pokal gegen Darmstadt, wurde in der Rückrunde nicht mehr berücksichtigt. Odabas hatte lange Zeit mit einer Kreuzbandverletzung zu kämpfen, kam in der abgelaufenen Spielzeit auf drei Einsätze mit der zweiten Mannschaft von Jahn Regensburg in der Bayernliga. Hehne dagegen stand vor seinem Wechsel im Saft, traf mit der U-23 von Hannover 96 in 27 Partien der Regionalliga Nord nicht auf die Gegenwehr, die nun in der 3. Liga kommt. "Die Abwehr wird eine große Herausforderung. Aber ich bin mit dem Stand jetzt absolut zufrieden. Die Jungs erfüllen voll unsere Erwartungen", sagt FSV-Trainer Joe Enochs vor seiner zweiten Saison beim FSV.

Für Handke wird es die erste. Der verwegen ausschauende Bartträger war der erste Zugang für die neue Saison. Dass die Erwartungen seitens des FSV groß sind, zeigt schon die Tatsache, dass der 30-Jährige von allen Profis die längste Vertragslaufzeit (bis 2022) besitzt. Erfahrungen bringt er viele mit, zuletzt sind es in Magdeburg nicht die besten gewesen. Auf ein zurückliegendes Interview ("Die haben mich wie Dreck behandelt") möchte Handke nicht mehr eingehen, sagt nur: "Ich bin kein Stinkstiefel." In jedem Fall habe es zum Schluss kommunikative Probleme gegeben. Handke, der aus der Erfurter Fußballschule von Rot-Weiß stammt und in fünfeinhalb Jahren mit dem 1. FCM zwei Aufstiege feierte, ging nicht im Frieden von den Anhaltern und wird sie in der Saison bald wiedertreffen - als Gegner. Nun fühlt er sich wohl in Zwickau, wo er mit seiner Freundin eine Wohnung bezogen hat. Bei seinem vielleicht letzten Profiverein will er noch mal durchstarten. "Die Jungs haben mich gut aufgenommen", meint Handke, für den die Formierung einer neuen Abwehrreihe ebenso Neuland bedeutet. Er sieht es als interessante Aufgabe. "Wir müssen uns schnell finden, wer wie mit wem wo am besten zusammenpasst. Die Jungs auf meiner Position sind aber alle spielintelligent genug, um die Herausforderung anzunehmen. Da gibt es kein links und rechts, sondern nur einen Weg." Er soll künftig die Chefrolle in der Abwehr von Wachsmuth übernehmen. "Das liegt jetzt an mir. Ich will es mir noch mal beweisen." Die Zwickauer Fans werden dasgern hören.

4:0-Sieg im Test gegen Hof - Abwehrspieler noch gesucht - Conner wird nicht verpflichtet

Den Test am Donnerstag gegen Fünftligist Bayern Hof gewann der FSV mit 4:0 (1:0). Zunächst traf Christian Bickel (36.), in der 78. Minute profitierte der FSV von einem Eigentor der Hofer. Elias Huth (85./90.) setzte mit einem Doppelpack den Schlusspunkt. Joe Enochs gab allen Feldspielern mindestens 45 Minuten Einsatzzeit. Die Partie wurde für die Videoanalyse aufgezeichnet.

Abwehrmann Drew Conner war nicht mehr dabei. Der US-Amerikaner war auf Empfehlung von Landsmann Bryan Gaul, der am Saisonende in seine Heimat zurückgekehrt ist, als Probespieler mit im Camp. Letztlich entschied die Sportliche Leitung, Conner nicht zu verpflichten. Sportdirektor Toni Wachsmuth: "Da wir eher speziell für die rechte Abwehrseite suchen und sich Drew im defensiven Mittelfeld am wohlsten fühlt, haben wir uns dagegen entschieden."

Einen Defensivspieler will der FSV noch verpflichten. Der Kader hätte dann 20 Feldspieler und drei Torhüter. Davon fallen sieben Feldspieler in die U-23-Kategorie, vier müssen bei jeder Partie laut DFB-Vorgabe auf dem Spielberichtsbogen stehen.

Der reduzierte Kader sei notwendig gewesen, "um eine höhere Qualität zu haben", erklärte Wachsmuth. Für die Spielform "Elf gegen elf" wolle man zur Not das Training mit A-JugendSpielern aufstocken.

Aufgrund der drückenden Hitze wurde das Tagesprogramm im Camp geändert. Anstatt einer Laufeinheit ab 7 Uhr und Training um 11 Uhr wurde die Hauptbelastung auf 9 Uhr verlegt. Um 16 Uhr standen die Profis das zweite Mal auf dem Rasen.

Mike Könnecke gilt bisher als Pechvogel der Vorbereitung. Wegen einer Fußverletzung konnte der Spielgestalter in Bad Blankenburg kein Mannschaftstraining absolvieren. (tp)

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