In Zugzwang: FSV Zwickau und die wunden Punkte

Der FSV will über dem Strich überwintern, braucht dringend Zähler in den Derbys gegen Halle und gegen den Chemnitzer FC. Vor allem die Führungsspieler sind gefragt.

Zwickau.

Abzusehen war das Anfang Juli im Trainingslager in Bad Blankenburg nicht unbedingt, als sich die Spieler des FSV Zwickau und des Halleschen FC bei den Testspielen in der Sportschule gegenseitig über die Schultern schauten: Gut fünf Monate später treffen sich die Traditionsteams am Sonntag (ab 14 Uhr Stadion Zwickau ) in der Liga fast auf Augenhöhe wieder. Bei einem Sieg würden die Westsachsen, aktuell 17. der Tabelle und damit einen Rang vor dem rettenden Ufer platziert, zumindest punktuell zum Gegner (12.) aufschließen. "Wir wollen Weihnachten über dem Strich stehen", hat FSV-Trainer Torsten Ziegner als Minimalziel bis zur Winterpause ausgegeben.

Das schlechtere Torverhältnis als Halle (aktuell +11 für den HFC) wird seine Elf mit hoher Wahrscheinlichkeit behalten, zumal Toni Wachsmuth keine ungleiche Partie erwartet. "Die Derbys werden beide enge Spiele. Aber wir sind erst einmal nur beim Sonntag und bei Halle. Wir wissen, dass wir uns in einer entscheidenden Saisonphase befinden. Alle sind bis in die Haarspitzen motiviert", beschrieb der FSV-Kapitän die Situation im Team. Der 31-Jährige gehört neben Torjäger Ronny König oder Keeper Johannes Brinkies zu den Führungsspielern, die in diesen wegweisenden Spielen besonders gefragt sind. Dabei geht es nicht nur um das fußballerische Handwerk, wie Wachsmuth betont: "Gerade wenn die Spiele so Spitz auf Knopf sind, entscheidet oft mehr der Kopf als die Beine über den Ausgang. Wir müssen noch zweimal 90 Minuten alles raushauen", forderte der Kapitän. Ob der vierte Triumph im zehnten Heimspiel (dazu zwei Remis und vier Niederlagen) gegen den HFC gelingt, ist auch von den wunden Punkten abhängig, die den FSV in den letzten Wochen begleiteten. "Freie Presse" hat sie beleuchtet.

Die Personallage: Die drei Langzeitverletzten (Sorge, Odabas, Koch) sind bei der ohnehin dünnen Personaldecke kaum zu ersetzen. Besonders schwer wiegt der Ausfall von Morris Schröter, der sich auf der rechten Abwehrseite zu einem stabilen Faktor entwickelt hatte und Schnelligkeit mitbringt. Dass Trainingseinheiten mit manchmal nur 13 Spielern in den zurückliegenden Wochen nicht optimal waren, will Wachsmuth nicht als Ausrede zulassen: "Die Spieler, die gesund sind, müssen es richten. Verletzungen dürfen uns nicht aufhalten." Hinzu kommt: Halle pfeift ebenso auf dem letzten Loch. Neben Franke, Pintol, Ludwig, Barnofsky, Müller und Sliskovic fällt gegen den FSV noch Ajani (Rot-Sperre) im Team des Chemnitzer Trainers Rico Schmitt aus.

Die Reservebank: Durch die angespannte Personallage beim FSV kamen lange Zeit kaum Impulse von den Einwechslern, ausgenommen das letzte Spiel bei Fortuna Köln. Fabian Eisele sorgte mit seinem Jokertor für den 1:1-Ausgleich. Auch Sinan Tekerci trainiert wieder komplett mit. Er müsste der Mannschaft helfen können, wenn er das spielt, wozu er glaubt, fähig zu sein. Der ebenso lange verletzte Ronny Garbuschewski (in Köln seit August erstmals wieder in der Startelf) sollte langsam Fahrt aufnehmen.

Die Taktik: In Köln probierte es Trainer Ziegner überraschend mit Dreierkette, die im Sommer während der Vorbereitung gemeinsam im Team abgewählt wurde. Trotz des positiven Ergebnisses boten sich der Fortuna Chancen für zwei Spiele. Unvermögen oder Brinkies verhinderten die fünfte Liga-Pleite in Serie. Fest steht: Zwickau war mit Viererkette neben Kiel in der letzten Rückrunde die beste Drittligamannschaft. Taktische Varianten dürfen die Mannschaft jetzt nicht verunsichern. Wachsmuth sagt: "Ob Dreier- oder Viererkette, ist egal. Entscheidend wird sein, dass alle richtig verteidigen, wenn der Ball in unseren Strafraum kommt."

Die Psyche: Der FSV hat im Saisonverlauf nicht nur einmal bewiesen: In heiklen Phasen kann die Mannschaft eine starke Leistung abrufen. Beispiele dafür sind die siegreichen Heimderbys gegen Magdeburg und Jena. "Der Punkt zuletzt in Köln war ganz wichtig für den Kopf. Das hat uns Auftrieb gegeben", meinte Mike Könnecke. Der 29-Jährige mit 73 Zweitligapartien in seiner Vita gehört zu denen, die jetzt vorangehen müssen. Vielleicht mit dem ersten Saisontor nach seinem letzten Drittligatreffer vor gut einem Jahr? Damals beim 3:0 über Paderborn stand Zwickau auf Rang 19 das Wasser noch mehr bis zum Hals.

Voraussichtliche Aufstellung, FSV: Brinkies - Barylla, Wachsmuth, Antonitsch, Lange - Frick - Bahn, Könnecke, Göbel (Miatke) - Garbuschewski (Wagner), König.

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