Jensen erst mit links, dann mit rechts

Der FSV Zwickau gewinnt in der 3. Fußball-Liga gegen die Münchner Reserve mit 3:0 und klettert in der Tabelle auf Rang sieben. Gegen die kleinen Bayern spielte einer groß auf.

Zwickau.

Leon Jensen verpackte die Botschaft an alle jungen Fußballtalente in zwei Traumtore. Auch wenn es manchmal nervig ist, das Schießen mit beiden Beinen zu üben: Die Beidfüßigkeit ist eine notwendige Voraussetzung, um Profi werden zu können. Der Mittelfeldspieler war am Sonntag beim 3:0- Erfolg gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München mit zwei Toren der Mann des Tages. Beim ersten hämmerte Jensen das Leder mit links in die Maschen. Den Treffer zum Endstand besorgte der Berliner mit dem rechten Bein. "Das rechte ist eigentlich mein stärkeres. Dass so ein Ding dann auch mal mit links reinfliegt, kann man nennen wie man will: Zufall, Glück oder eben Training", meinte Jensen zu seinem sehenswerten Distanzschuss zum 1:0. Auch Dynamo Dresdens Manager Ralf Minge nickte nach dem Tor begeistert auf der Tribüne.

Nach Abpfiff hüpften die glücklichen Sieger vor ihren Fans. Und Sportdirektor Toni Wachsmuth sprach im Spielerkreis davon, dass der Sieg das Ergebnis der engagierten Trainingsleistungen in den Tagen zuvor gewesen sei. Denn nachdem Fabio Viteritti beim Stand von 0:0 in der 22. Minute einen Foulelfmeter verschossen hatte, hätte die Partie auch eine andere Wendung nehmen können. "Wir haben uns aber alle in die Zweikämpfe reingehauen, so wie in der ganzen Woche. Von dieser Trainingsintensität war ich anfangs überrascht", erzählte Offensivgeist Viteritti von einer neuen Erfahrung nach seinem Wechsel nach Zwickau vor dieser Saison: "Aber das zeichnet uns aus."

3:0 gewonnen, dazu der verschossene Elfmeter - das klingt zunächst mal souverän. Am verdienten Sieg gab es letztlich vor 6755 Zuschauern auch nichts zu rütteln. Zwickau investierte wie schon so oft in dieser Saison mehr Willen und Leidenschaft als der Gegner. Die kleinen Bayern ließen den FSV zwar in der ersten Viertelstunde laufen, doch heraus sprang für das Team von Sebastian Hoeneß nichts Zählbares. Glück hatten die Zwickauer in der ersten Halbzeit, als Schiedsrichter Lukas Benen nach einer kniffligen Situation weiterspielen ließ. Morris Schröter und René Lange hatten Torjäger Kwasi Okyere Wriedt im Strafraum in die Zange genommen, doch der Pfiff blieb letztlich aus.

Die Gäste hatten ihre großen Hoffnungsträger, Alphonso Davies und Michael Cuisance, daheimgelassen. Innenverteidiger Lars Lukas Mai fehlte verletzt. Damit spielten die Bayern ohne drei ihrer Säulen. Zu Beginn ließen sie dennoch allerhand fußballerische Klasse aufblitzen. Der FSV ersetzte den gesperrten Davy Frick mit Maurice Hehne in der Abwehrkette. Nach schwierigen Anfangsminuten rückten Hehne mit Innenverteidigerkollege Christopher Handke weiter nach vorn, um Leon Jensen und Julius Reinhardt in der Mittelfeldzentrale mehr zu entlasten. Der Plan ging auf. "Wir waren wieder als Einheit auf dem Platz. In den Zweikämpfen wollten wir etwas härter zur Sache gehen. Das mögen die Bayern nicht so", verriet Hehne die Strategie.

FSV-Trainer Joe Enochs forderte an der Linie permanent das frühe Pressing ein, was den Bayern zunehmend nicht behagte und zu Fehlern führte. Die ersten beiden Tore fielen in der 46. Minute: Jensens Traumtor mit dem Halbzeitpfiff und das 2:0, als nach der Pause noch nicht wieder alle Plätze in der GGZ-Arena besetzt waren. Elias Huth zirkelte nach einer Viteritti-Ecke den Ball cool ins Tor. Beim Stand von 3:0 war die Spielfreude der "Bayern-Bubis" dann endgültig gebrochen. Zwickau spielte die Partie souverän herunter, sündigte sogar noch mit Torchancen, was die Sangesfreude der Fans ("Wir zieh'n den Bayern die Lederhosen aus") nicht schmälerte. Kein Wunder. 18 Zähler nach 12 Spieltagen, Tabellenplatz 7, nur 2 Gegentore in den letzten 4 Spielen: Mit dieser Bilanz reisen die Westsachsen nun mit breiter Brust zum Tabellenzweiten Unterhaching. Bleibt nur noch die Frage, wer künftig die Elfmeter beim FSV schießt? Fabio Viteritti hatte bisher in der 3. Liga noch nie einen verschossen, diesmal aber rechts am Pfosten vorbeigezielt. "Das gehört zum Fußball dazu", sagte Viteritti und schickte die Antwort hinterher: "Wenn wir einen Elfer bekommen sollten, lege ich mir den Ball wieder hin und haue ihn rein."

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