Kevin Kunz: Ich spüre jetzt das Vertrauen

Der Torwart verrät, wo beim CFC noch die Säge klemmt, über welche Gegentore er sich ärgert und warum er keine Elfmeter schießt

Chemnitz.

Mit einer Flatterpartie in Aalen begann Kevin Kunz im Juli 2015 seine Karriere im Kasten des Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC. Inzwischen ist er eine feste Bank im Team der Himmelblauen, gehört auch in dieser bislang nicht zufriedenstellenden Saison zu den besten Chemnitzern. Thomas Scholze sprach vor dem Sachsenpokalauftritt des CFC am Sonntag (Anstoß 15 Uhr) beim Oberligisten SSV Markranstädt des mit dem 24 Jahre alten Torwart.

Freie Presse: Sechs Punkte aus fünf Spielen, erst ein Sieg, Platz elf in der Dritten Liga - das läuft noch nicht nach Wunsch.

Kevin Kunz: Die Bilanz nagt an uns. Jeder Einzelne ist mit großen Zielen und Erwartungen in die Saison gegangen, dazu passen die bisherigen Spiele nicht. Wir wissen, dass wir uns steigern, jetzt - zu deutsch - den Arsch hochbekommen müssen.

Wo konkret klemmt die Säge?

Wir schaffen es nicht, uns gute Tormöglichkeiten zu erspielen. Die Defensive soll sicher stehen, aber wir müssen auch mehr gezielte Nadelstiche setzen, Chancen kreieren. Das ist bisher zu wenig. Am letzten Samstag kamen die hohe Anzahl an Ballverlusten, das fehlende Tempo im Umschaltspiel hinzu. Die Abstände zwischen den Spielern wurden zu groß, so sind die Lücken entstanden, die Lotte genutzt hat.

Sie haben nach dem 0:1 auch relativ harsche Kritik an der Einstellung Ihrer Vorderleute geübt.

Ich war frustriert, musste das einfach loswerden. Außerdem war auch so jedem selbst klar, dass wir nicht genügend für einen Sieg getan hatten. Lotte hat das Spiel absolut verdient gewonnen.

Und der Trainer hat den freien Tag gestrichen. Ärgert Sie das?

Freie Tage sind schön und wichtig, weil man da auch mal abschalten kann, den Fußball nicht an erster Stelle im Kopf haben muss. Auf der anderen Seite ist klar: Hätten wir gegen Lotte ein ordentliches Spiel abgeliefert, wäre der Montag trainingsfrei gewesen. Also müssen wir uns an die eigene Nase fassen, künftig so auftreten, dass wir uns die freien Tage verdienen.

Sie persönlich können sich eigentlich keinen Vorwurf machen: fünf Gegentreffer - verhindern konnten Sie keinen?

Vielleicht den gegen Frankfurt. Ich hätte Dennis Grote früher auf den Gegenspieler auf seiner Seite hinweisen müssen, dann wäre der Frankfurter wohl gar nicht erst so frei zum Schuss gekommen. Und beim Gegentreffer in Halle habe ich vielleicht eine kleine Chance, den Ball zu parieren, wenn ich noch einen Schritt weiter, noch etwas aggressiver aus dem Tor komme. Solche Gedanken macht man sich als Torwart schon.

Für viele ist der CFC in dieser Saison eine große Nummer in der Dritten Liga. Geht auch die Mannschaft mit diesem Selbstverständnis auf dem Platz?

Viele sehen uns als Favoriten. Ich selbst glaube nicht, dass wir zum Beispiel gegen eine Mannschaft wie Lotte, die gerade einen Erstligisten aus dem Pokal geworfen hat, der große Favorit sind. Das sind in der Bundesliga Bayern oder Dortmund, in der Dritten Liga gibt es keine Überflieger. Jedes Spiel ist schwer, in jedes muss man mit mindestens 100 Prozent gehen, will man gewinnen.

Was außer Bälle zu halten oder sich zu ärgern, wenn man einen fängt, kann man als Keeper tun, um das Spiel der eigenen Mannschaft zu verbessern?

Ich coache meine Vorderleute, speziell die Viererkette. Weiter vorn hört mich bei dem Lärm im Stadion keiner. Ich versuche, die Abwehr so zu stellen, dass für den Gegner möglichst wenige Schusschancen oder Passmöglichkeiten in unserem Sechzehner entstehen. Meine ersten Ansprechpartner sind Kevin Conrad und Marc Endres. Generell hat jeder die Aufgabe, mit seinem Nachbarn zu kommunizieren. Ziel ist es, Räume so zu besetzen, dass wir schnell den Ball erobern können.

Wenn man den Kevin Kunz vom Sommer 2015 mit dem von heute vergleicht, dann steht einem jetzt ein anderer gegenüber: selbstbewusster, reifer - ein Führungsspieler.

Ich habe in diesem Jahr viel erlebt, bin daran hoffentlich auch gewachsen. Als ich hier ankam, musste ich in die großen Fußstapfen eines Philipp Pentke treten, mich gegen einen internen Konkurrenten behaupten. Das war nicht einfach. Es hat eine Weile gedauert, bis ich hier richtig angekommen bin. Jetzt bin ich es. Ich fühle mich wohl in der Stadt und im Verein, spüre, dass man mir Vertrauen entgegenbringt.

Waren Sie froh, dass es in diesem Sommer keine Frage nach der Nummer 1 gab, Sie als Torwart gesetzt waren?

Ja. Auf der einen Seite habe ich es genossen, denn so eine komfortable Situation hatte ich vorher noch nie. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch die Verantwortung. Ich weiß, dass ich funktionieren muss. Und richtig ist auch: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich denke, einen gesunden Konkurrenzkampf gibt es hier jetzt auch.

Sie sind stark auf der Linie, beherrschen Ihren Strafraum, pflücken Flanken sicher weg. Aber wenn Sie den Ball mit dem Fuß spielen müssen, haben Sie noch immer etwas Bammel.

Das ist mein kleines Manko. Ich habe in letzter Zeit viel an meiner Fußtechnik gefeilt, weiß, dass das zu einem modernen Torwartspiel gehört. Ich probiere im Training oder in Testspielen immer mal was aus. Im Ernstfall behält dann aber doch eher der Gedanke die Oberhand: Mach bloß keinen Fehler! Da spiele ich dann eher den einfachen, kurzen, Pass als den diagonalen, den eventuell ein Gegenspieler erlaufen könnte. Da muss ich mir vielleicht noch etwas mehr zutrauen und natürlich technisch noch besser werden.

In der Vorsaison haben Sie zweimal nach jeweils ziemlich dussligen Aktionen eine Rote Karte gesehen, waren anschließend gesperrt. Auch das kann einen Stammtorwart schnell zum Bankdrücker machen. Spielen Sie jetzt zurückhaltender, schlauer?

Es waren meine zwei ersten Roten Karten überhaupt. Es gehört zu meinem Reifeprozess, auch aus solchen Situationen zu lernen. Ich werde jetzt hoffentlich cleverer reagieren oder die Gefahr eher erkennen und eine Eskalation vermeiden. Jedes Spiel bringt ein Stück Routine, das trifft auch auf diesen Punkt zu.

Wie geht der CFC das Sachsenpokalspiel in Markranstädt an? Als Test für die Liga?

Das wäre fatal. Für den Kontrahenten ist es wahrscheinlich das Spiel des Jahres, wir werden nichts geschenkt bekommen, dürfen die Partie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auch wenn der Gegner nur ein Oberligist ist, wird er uns alles abverlangen. Wir brauchen eine absolut engagierte und konzentrierte Leistung zum Weiterkommen.

Und wenn es ein Elfmeterschießen gibt, gehört Kevin Kunz zu den Schützen.

Lieber nicht. Ich habe das als Jugendlicher oft gemacht, dann mal einen verschossen und es danach nie wieder probiert. Und am Sonntag wird es kein Elfmeterschießen geben, das sollten wir vorher klar machen.

Voraussichtliche Aufstellung des CFC: Kunz - Bittroff, Endres (Koch), Conrad, Grote - Danneberg, Dem - Türpitz, Fink, Mast (Cincotta) - Frahn.

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