Mai macht es FSV Zwickau schwer

Fußball-Drittligist FSV geht mit einer 0:2-Niederlage gegen den Halleschen FC in die Winterpause. Ein ehemaliger Zwickauer überzeugte nicht nur als Torschütze.

Halle.

Wie unterschiedlich selbst Fachleute ein Fußballspiel bewerten können: Wann er denn die zündende Idee ausgebrütet habe, den zuletzt im Mittelfeld agierenden Sebastian Mai als Bewacher für Zwickaus Torjäger Ronny König ins Abwehrzentrum zu stellen, wurde Torsten Ziegner gefragt. "Mitte der Woche", bekundete der Trainer des Halleschen FC, sei diese Entscheidung gefallen. Der Coach sprach von einem Überraschungsmoment und erklärte seinen Geniestreich so: Die Abwehr habe er aufgrund der Gelb-Sperren von Heyer und Landgraf ohnehin umstellen müssen. "Dann noch auf der dritten Position zu ändern und Toni Lindenhahn nach vorn zu ziehen, ist kein sonderlich großes Risiko mehr gewesen. Es war wichtig, dass wir drei Jungs da hinten haben, die im Zweikampfverhalten und in der Kopfballqualität gut sind. Ich hätte kein gutes Gefühl gehabt, wenn ein 1,75 Meter großer Innenverteidiger gegen Ronny König spielt", sagte Ziegner nach dem letztlich verdienten 2:0-Sieg gegen seinen ehemaligen Verein.

Womit Ziegner in jedem Fall Recht hatte, war, dass der über 1,90 Meter große Mai den über 1,90 Meter großen Torjäger des FSV über gut 90 Minuten ziemlich an die Kette legte, dabei aber auch ab und an seine Hände in Ringkampfmanier zu Hilfe nahm. So neu kam Mais Positionswechsel für Joe Enochs, Ziegners Nachfolger beim FSV, allerdings nicht. Als die Mikrofone nach der Pressekonferenz aus waren, lächelte der 47-Jährige über die Frage, ob ihn die personelle Taktik des Gegners überrascht habe. "Dass Mai hinten spielt, wussten wir seit Montag", entgegnete Enochs. Also noch bevor es sein Gegenüber überhaupt entschieden hatte ...

Dass Mai Abwehrchef kann, sollte für Zwickau ohnehin nicht neu gewesen sein. In der Saison 2015/16 trug der inzwischen 26-Jährige in Diensten des FSV wesentlich dazu bei, dass Zwickau mit einer meisterlichen Abwehr aufstieg. Aber wie auch immer wann was am Samstag in der Aufstellung entschieden wurde; letztlich gab es am 2:0-Erfolg der "Chemiker" gegen "Sachsenring" nichts zu rütteln. Dabei entschieden Kleinigkeiten diese letzte Partie vor der Winterpause. So nahm Zwickaus Österreicher Nico Antonitsch eine Portion Ärger mit in den Heimaturlaub samt anschließender Bergtour. Denn in der ersten Halbzeit verursachte er den Freistoß, in dessen Folge ausgerechnet Sebastian Mai zum 1:0 für den Gastgeber abstaubte. Und dann hatte der Abwehrrecke zweimal den Ausgleich auf dem Fuß bzw. dem Kopf. Doch einmal grätschte HFC-Stürmer Mathias Fetsch noch dazwischen, und einmal stand die Latte den Hallensern Pate. "Beim Foul bin ich zuvor kurz weggerutscht, kam eine Millisekunde zu spät. Den Freistoß kann man pfeifen", gab Antonitsch ehrlich zu. So kam es, wie es kommen musste. In der stärksten Phase des FSV sorgte Pascal Sohm, der einen blitzsauberen Konter eiskalt abschloss, für den 2:0-Endstand.

Ziegner hatte das 20. Punktspiel der Saison zur Willensfrage erklärt. Doch könnte vielleicht die Wissensfrage das Duell entschieden haben? Immerhin hatte Ziegner zehn der elf FSV-Spieler in der Startelf selbst trainiert. Zudem besitzen mit Torhütercoach Marian Unger sowie den Spielern Jan Washausen (verletzt), Bentley Baxter Bahn und eben Mai weitere Hallenser eine Zwickauer Vergangenheit. "Wir haben jetzt schon gefühlt zehn Mal gegen Halle gespielt. Wir wissen, was die Spieler können und was nicht, genauso, wie das von uns bekannt ist", bemerkte FSVKapitän Toni Wachsmuth. Und Nico Antonitsch fügte an: "Wir haben alles versucht und gezeigt, dass wir in der Liga mithalten können", sagte der Verteidiger, bevor er mit Baxter Bahn nach einer herzlichen Umarmung das Trikot tauschte. "Das wollte ich schon im Hinspiel, aber da war Bax ganz schnell weg", grinste Antonitsch. Zum Saisonauftakt hatte Zwickau 2:0 gewonnen.

Wachsmuth vermied es ebenso, von einem Stimmungskiller vor Weihnachten zu reden. "Wir haben 25 Punkte, grundsätzlich stimmt die Richtung", schätzte der 32-Jährige ein. Dass noch viel Arbeit auf dem Weg zum Klassenerhalt bevorsteht, sei jedem Spieler bewusst. Wobei das Wohl und Wehe des FSV nicht nur von der Mannschaft abhängig ist. Rund 740.000 Euro fehlen laut DFB im laufenden Etat der Saison. Eine Antwort auf die Beschwerde des Vereins stehe vom Verband noch aus, sagte Sportdirektor David Wagner in Halle. Ein Spielerverkauf in der Winterpause sei "aktuell nicht vorgesehen". Bis 31. Januar bleibt noch Zeit, die Finanzen zu regeln. Ab heute sind aber erst mal ein paar Tage Weihnachtsfrieden angesagt.

Statistik

HFC: Eisele - Kastenhofer, Mai, Arkenberg - Manu (70. Pagliuca/V), Lindenhahn (85. Guttau), Jopek (V), Ajani (90. Henschel) - Fetsch (V), Sohm, Bahn.

FSV: Brinkies - Barylla, Wachsmuth (V), Antonitsch (V), Lange - Reinhardt, Frick (V/76. Hoffmann) - Schröter, Könnecke (70. Lauberbach), Miatke (70. Bonga) - König.

SR.: Günsch (Marburg); Zu.: 7510; Tore: 1:0 Mai (30.), 2:0 Sohm (69.).


So geht's weiter mit dem FSV 

Nach der Weihnachtsfeier noch am Samstagabend im VIP-Raum des Zwickauer Stadions verabschiedeten sich die Profis, Trainer und Betreuer in alle Himmelsrichtungen in den Kurzurlaub. Trainingsauftakt nach der Winterpause ist am 4. Januar. Einen Tag später tritt der FSV als Gastgeber und Titelverteidiger beim ZEV-Hallenmasters in der Zwickauer Stadthalle in Aktion.

Der FSV reist nicht in ein Wintertrainingscamp in den Süden, bestreitet drei Testpartien gegen Magdeburg, Erfurt und Auerbach. Anstoßzeiten und Spielorte müssen noch festgelegt werden. Die erste Partie nach der Winterpause steht am 27. Januar (Sonntag, 13 Uhr) daheim gegen den Karlsruher SC an.

Der DFB hat die Spieltage 24 bis 32 konkret terminiert. Der FSV Zwickau empfängt Jena zum Derby am 17. Februar (Sonntag, 14 Uhr). Die weiteren Ansetzungen lauten: Kaiserslautern (A/24. Februar, 13 Uhr); Lotte (H/2. März, 14 Uhr), Osnabrück (A/9. März, 14 Uhr); Uerdingen (H/12. März, 19 Uhr); Aalen (A/16. März, 14 Uhr); Cottbus (H/25. März, 19 Uhr), Rostock (A/30. März, 14 Uhr); Wehen Wiesbaden (H/6. April, 14 Uhr).

Im Sachsenpokal ist das Halbfinale bei Budissa Bautzen auf den 10. April, 19 Uhr, angesetzt worden. tp

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