Nach 24 Jahren erster Sieg für Zwickau?

3. Fußball-Liga: 1995 hat der FSV letztmalig in Chemnitz gewonnen - Glöckner sieht den Gegner als Favorit, Enochs den CFC sehr gefährlich

Chemnitz/Zwickau.

Seit 24 Jahren hat der FSV Zwickau kein Spiel mehr beim Chemnitzer FC gewonnen. Kann die einstige BSG Sachsenring am heutigen Freitag, ab 19 Uhr, im Westsachsenderby der 3. Fußball-Liga den Bock umstoßen? "Freie Presse" hat die Ausgangslage beleuchtet.

Ist es ein Vorteil, dass der CFC zwei Tage länger Zeit zur Regeneration hatte als Zwickau?

Für die Kicker des CFC stand nach dem 1:1 daheim gegen Uerdingen am Sonntag das Auslaufen an, am Montag war dann frei, während der FSV in Braunschweig (1:3) spielte. 48 Stunden mehr Zeit zum Regenerieren dürfte für die Himmelblauen kein Nachteil sein. Trainer Patrick Glöckner dazu: "Ich denke nicht, dass die längere Regenerationszeit zu diesem Zeitpunkt der Saison eine Rolle spielen wird." Sein Gegenüber Joe Enochs begegnet dem Thema der ungünstigen Ansetzung mit zwei Auswärtspartien innerhalb von fünf Tagen mit Ironie: "Der DFB wird sich etwas dabei gedacht haben." Ansonsten lässt der Coach keine Ausreden zu: "Die Mannschaft wird konditionell in der Lage sein, mehr als 90 Minuten Gas zu geben."

Wie sieht die Personalsituation vor dem Derby aus?

Glöckner kann im Derby auf die Mannschaft bauen, die sich in den vergangenen Wochen immer mehr eingespielt hat. Auch der Ex-Zwickauer Tarsis Bonga, der nach dem Uerdingen-Spiel mit einem schmerzenden Knöchel vom Platz humpelte, konnte in der Woche voll trainieren. Neben den Langzeitverletzten Ioannis Karsanidis und Philipp Sturm fehlt nur Stürmer Dejan Bozic. Für den jüngst verpflichteten Außenverteidiger Sandro Sirigu kommt das Derby wohl noch zu früh. Er soll zunächst an der Fitness arbeiten. Beim FSV steht ein Linksfuß wieder bereit. Freistoßspezialist René Lange hat seinen Muskelfaserriss auskuriert. Bis auf die Langzeitverletzten Mike Könnecke und Sascha Härtel sind alle an Bord.

Spielt die Niederlage des FSV vom Sachsenpokalfinale im Mai dieses Jahres noch eine Rolle?

Nein, nicht mal als Motivation in der Ansprache wird Enochs auf die bittere 1:2-Niederlage hinweisen. Damals hieß der CFC-Trainer noch David Bergner. "Wir schauen nicht zurück, nur nach vorn", sagt Enochs. Zwickaus Mittelfeldmann Julius Reinhardt, in Karl-Marx-Stadt geboren und beim CFC zum Profi gereift, untermauert dies: "Bei aller Brisanz sollten wir versuchen, locker zu bleiben - gerade auch im Kopf. Überdrehen bringt für solche Spiele nichts. Wir wissen, was wir vorhaben, und wir wissen auch, dass wir gewinnen wollen."

Was sagen die Trainer über den Gegner?

Patrick Glöckner hat sich die Zwickauer im Vorfeld einmal live und die letzten drei Partien des FSV auf Video angeschaut. Dabei ist er zu der Erkenntnis gelangt, dass man insbesondere Ronny König nicht aus den Augen lassen darf. Denn mit seiner Körpergröße und Wucht stellt der Ex-Chemnitzer einen ständigen Unruheherd im Strafraum dar. Zwar lobte der CFC-Coach auch die Mentalität des Gegners, bezeichnete seine Truppe diesbezüglich jedoch als gleichwertig. Enochs sieht den CFC seit dem Trainerwechsel im Aufwind und bezeichnete den Kontrahenten als sehr gefährliche Mannschaft: "daher sind wir gewarnt."

Was könnte den Ausschlag für den Sieg geben?

Der CFC spielt seit dem Trainerwechsel erfolgreicher und auch deutlich selbstbewusster. "Der Trainer gibt uns einen klaren Plan in die Hand, den wir auch umsetzen können", sagte CFC-Offensivgeist Tobias Müller. Doch Glöckner bremst. "Wir sind der Außenseiter, schließlich stehen wir auf einem Abstiegsplatz und würden sehr gern den Tabellenplatz einnehmen, den Zwickau gerade hat", meint der CFC-Chefcoach. Seine Mannschaft hat in den letzten Begegnungen gut gespielt, was fehlte, sind die Erfolge. "Es wird auf die Effektivität vor dem gegnerischen Tor ankommen. Meine Jungs müssen sich für ihren Aufwand mit Toren belohnen, dann können wir auch gegen Zwickau erfolgreich sein", sagt der Coach. Auf der anderen Seite unterlag der FSV zuletzt zu vielen Leistungsschwankungen, und verschlief wie in Braunschweig nicht zum ersten Mal die erste Halbzeit einer Partie. Zwickaus Trainer hat dies vor der Mannschaft klar angesprochen, fordert neben den Stärken des frühen Pressings "eine klare und einfache Spielweise. Das wird wichtig sein." Andernfalls könnte genau das passieren, was in Braunschweig der Genickbrecher war: "Dort haben wir dem Gegner zwei Tore selbst aufgelegt", so Reinhardt.

Was sagt die Statistik aus?

Nach den Worten des 31-jährigen Reinhardt gar nichts. Da der FSV nicht nur vor 24 Jahren das letzte Mal in Chemnitz siegte, sondern zudem noch kein Abendspiel in dieser Saison gewonnen hat, "bräuchten wir ja gar nicht erst hinfahren, wenn das etwas zu sagen hätte", meinte Reinhardt grinsend. Beim 1:0-Sieg am 9. Dezember 1995 (Torschütze Lars Hermel) hatte er übrigens als Siebenjähriger gerade bei Fortuna Chemnitz begonnen, in einer Gruppe mit der späteren Nationalspielerin Anja Mittag sowie Keeper Ralf Fährmann dem runden Leder nachzujagen. Nun tritt er mit Zwickau in der 3. Liga in seiner Heimatstadt an, spricht aber nur bedingt von einem besonderen Spiel. Zum einen steht kein Profi aus seiner letzten Dienstzeit (2016 - 2018) beim CFC im aktuellen Kader. Zudem wird das Sachsenderby mit rund 7000 erwarteten Besuchern nicht ausverkauft sein. Julius Reinhardt erklärt mit einem Augenzwinkern, warum: "An dem Tag ist die Kelly Family in Chemnitz. Und da sollen mehr Leute hingehen als ins Stadion. So besonders kann das Spiel also nicht sein." (tp/kbe)

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