René Langes Wohlfühlformel: "In Zwickau passt einfach alles"

Fußball-Drittligist FSV muss in den nächsten Wochen ohne Torwart Johannes Brinkies auskommen. Trotzdem wollen die Zwickauer ihren guten Lauf fortsetzen. Gefordert sind nun vor allem die Etablierten - wie René Lange.

Zwickau.

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Nur noch vier Spieler des FSV Zwickau waren am 29. Mai 2016 beim Aufstiegskrimi gegen die SV Elversberg im Plauener Vogtlandstadion dabei und konnten sich damals als Helden feiern lassen. Neben Kapitän Toni Wachsmuth und Dauerbrenner Davy Frick (seit 2011 im Verein) ist René Lange übrig geblieben. Der Vierte im Bunde ist Morris Schröter, der sich momentan aber mit einer langwierigen Schambeinentzündung herumplagt.

Einen Punkt gegen die hoch eingeschätzten "Roten Teufel" vom Betzenberg und ein vor Begeisterung bebendes "Schwanennest" - so macht der Fußball René Lange Spaß. "Klar: Wir hätten gern gewonnen. Doch so, wie das Spiel gelaufen ist, können wir gut mit dem Punkt leben", blickte Lange noch einmal auf das Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern zurück. Der 29-jährige Linksverteidiger hatte die Westsachsen in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten, als er zweimal auf der Torlinie rettete. Auch den ersten Gegentreffer der neuen Saison im Heimstadion konnte Lange verschmerzen, hat der FSV doch mit fünf Gegentoren aus sechs Spielen die zweitbeste Abwehr der 3. Liga. "Wir spielen in der Viererkette schon länger zusammen, sind gut aufeinander abgestimmt. Und Joe Enochs hat an einigen Stellschrauben gedreht, um das Defensivverhalten der Mannschaft zu verbessern", erklärt Lange, eher ein Vertreter der leisen Töne, den Zwickauer Aufschwung.

René sei kein Mann, der auf dem Platz herumschreit, überzeuge aber jeden Tag mit Leistung und totalem Einsatz, lobt Enochs den Blondschopf und hebt dessen Stärken bei Standardsituationen hervor. "Die können zur Waffe werden, wenn bei René alles klappt." Enochs bezeichnet es als einen Faustpfand, dass die eingespielte Abwehr um Torwart Johannes Brinkies zusammengeblieben sei. Der Torhüter wird nun aber mindestens sechs Wochen fehlen. Innenbandriss im Knie, lautete die erschütternde Diagnose der MRT-Untersuchung Anfang der Woche. Die Zwickauer wollen trotzdem keinen neuen Torhüter verpflichten, sondern bauen auf Matti Kamenz, der am 9. August 20 Jahre alt geworden ist. Kamenz, der bei Energie Cottbus in der A-Junioren-Bundesliga zwischen den Pfosten stand, kann auf keinerlei Erfahrungen im Profifußball verweisen. "Wir haben trotzdem vollstes Vertrauen zu Matti. Er ist ein talentierter Keeper, der seinen Weg gehen wird. Die Mannschaft wird ihm helfen, dass er gut in seine Rolle findet und ein sicherer Rückhalt für uns wird", unterstreicht René Lange den großen Teamgeist beim FSV.

Für Joe Enochs ist es ein Genuss, "dass ich jeden Tag mit den Jungs arbeiten darf. Ich liebe diese Mannschaft. So einen Zusammenhalt wie hier gibt es im Profifußball selten." Enochs macht keine Unterschiede zwischen Stammspielern und den Jungs aus der zweiten Reihe. Alle seien wichtig, weil man in einer langen Saison mit 38 Punktspielen jeden brauche. Siehe: Matti Kamenz. Dennoch kommt der Trainer nicht umhin, Leute wie Toni Wachsmuth, Ronny König, Mike Könnecke oder eben René Lange herauszuheben, die als erfahrene Stammkräfte die jungen Spieler führen müssen.

Lange spielt seine vierte Saison beim FSV. Nachdem er zuerst im defensiven Mittelfeld und auch in der Innenverteidigung agierte, hat er seine Stammposition als linker Außenmann in der Viererkette gefunden. "Ich denke, dort kann ich mich gut einbringen, neben meiner Defensivarbeit die Offensivleute mit Flanken füttern", sagt der gebürtige Teterower, der über über die Stationen Hansa Rostock und 1. FC Magdeburg in die Muldestadt kam. "Ich fühle mich hier pudelwohl. Die Mannschaft, das Umfeld und die Fans - es passt einfach alles", betont Lange. Auch der Trainerwechsel. Nach drei Jahren unter Torsten Ziegner musste sich Lange plötzlich unter Joe Enochs beweisen. "So ein Wechsel ist manchmal auch gut. Es kommen neue Denk- und Sichtweisen ins Spiel. Joe Enochs ist sehr ambitioniert und detailversessen. Ich fühlte mich sofort angespornt, mich durchzubeißen", so Lange, der den guten Lauf mit der Mannschaft am nächsten Wochenende in Lotte fortsetzen will: "Die nächsten Spiele entscheiden, ob wir uns im Mittelfeld festsetzen oder ob es nach hinten geht." Keine Frage ist, was ihm lieber wäre.

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