Tag der Emotionen in Zwickau

Fußball-Drittligist FSV Zwickau hat sich mit einem 2:0-Sieg über Münster aus der Punktspielsaison verabschiedet. Kapitän Toni Wachsmuth konnte einen Wermutstropfen gut verdauen.

Zwickau.

Es brach die 75. Minute im Stadion Zwickau an. Auf der kleinen Tafel am Seitenrand leuchtete die 14 auf, und dann hielt es kaum einen der über 5800 Zuschauer auf den Sitzen. Toni Wachsmuth umarmte jeden Mitspieler auf dem Feld, winkte ins applaudierende Publikum, gab die Kapitänsbinde ab und wurde von Trainern und Betreuern geherzt. Oben auf der Tribüne klatschte sogar Präsident Helge Leonhardt vom Rivalen Erzgebirge Aue, der das Spiel eine Sitzreihe vor Dynamo Dresdens Sportmanager Ralf Minge beobachtete.

Was für ein Abschied für den Mann, der über Jahre vor allem in schwierigen Phasen vornweg ging. Und schwierig war es manchmal beim FSV in Zwickau. "Toni Wachsmuth - Fußballgott" skandierten die Fans bei dessen Abgang und hielten das Transparent "Der Wachser macht's!" hoch. Der Protagonist selbst war geschafft, aber glücklich nach diesen Gänsehautmomenten: "Der ganze Tag war extrem emotional für mich. Das begann ja schon damit, dass ich mit meinen Kindern einlaufen durfte. Und dann dieser Abschied. Ich fühle mich sehr geehrt und bin stolz, dass ich Kapitän dieser Mannschaft sein durfte", sagte Wachsmuth am Tag nach dem Spiel und der Nachbereitung des lockeren Auslaufens: "Ich bin froh, dass wir bereits vorher die Klasse gehalten haben. Nur so und ohne diesen Stress war auch genügend Platz für diese Gefühle. Ich werde diesen Tag meiner Karriere nie vergessen."

Und ganz ist die aktive Karriere noch nicht vorbei. Bezeichnend für die Einstellung des Abwehrrecken wies er gleich nach dem 2:0-Sieg über Preußen Münster im Spielerkreis auf das letzte Ziel hin. Nach den Worten des Dankes an die Mitspieler ließ er diese wissen, dass ihm der Triumph im Sachsenpokal am kommenden Samstag in Chemnitz noch sehr am Herzen liegt. Bei der letzten Niederlage im Endspiel 2015 in Zwickau saß Wachsmuth, der Ex-Profi des CFC, gesperrt auf der Bank. "Dass wir verloren haben, war schon schlimm damals. Aber nicht mitspielen zu können, war noch schmerzhafter. Ich habe den Jungs im Kreis gesagt, dass wir jetzt noch eine Woche Gas geben", schilderte Toni Wachsmuth und wurde von den Mitspielern anschließend mit Lob überschüttet: ",Wachser' wird eine Lücke hinterlassen. Er ist ein echter Leitwolf. Wir müssen künftig alle mehr Verantwortung übernehmen, sonst wird es schwer", schätzte Torhüter Johannes Brinkies ein.

Wachsmuth trägt als künftiger Sportdirektor selbst mit Cheftrainer Joe Enochs die Verantwortung dafür, dass Abgänge kompensiert werden. Und da gibt es nach dem Pokalfinale wohl einiges zu tun: So stand der Käpt'n am Sonnabend gegen Münster nicht allein im Mittelpunkt. Auch Verteidiger Nico Antonitsch durfte seine Huldigung bei der Auswechslung in der 87. Minute genießen. Klar sind auch die Abgänge von Kevin Hoffmann und Alexander Sorge. Sollten sich Gerüchte bestätigen, dass Bryan Gaul trotz laufenden Vertrages lieber zurück in die US-Heimat will, benötigt der FSV eine neue Abwehrreihe. Für Toni Wachsmuth wird die Arbeit nach dem Mallorca-Trip der Mannschaft in der kommenden Woche also nicht viel einfacher.

Einen Wermutstropfen des letzten Saisonspiels konnte der gebürtige Thüringer übrigens bestens verdauen. Ronny König setzte sich mit seinem Kopfballtor in der 73. Minute zum 1:0 in der internen Torschützenliste gegen Wachsmuth (10 Tore) durch. Es war der elfte Saisontreffer des Stürmers, womit er am Ende eine Kiste mehr gemacht hat als der FSV-Spielführer: "Jetzt ärgere ich mich ein bisschen, weil es ,Wachser' eigentlich verdient hätte. Ich habe ja auch ziemlich lange gewartet mit dem Tor. So konnte er aber wenigstens mit einem 1:0-Vorsprung das Feld verlassen", sagte Ronny König nach der dritten Drittligasaison mit einer zweistelligen Torausbeute.

Das Duell der Routiniers glich aber nur einer Randnotiz an diesem erfolgreichen Punktspielabschluss. Beeindruckende 52 Zähler und Platz 7 stehen am Ende zu Buche. Wieder hat der FSV eine bessere Rück- als Hinrunde (25/27 Punkte) gespielt. Erstmals beendet man eine Saison mit einem positiven Torverhältnis. Aber was sind schon Zahlen an so einem Tag der Emotionen.

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