Zwickau gegen Kaiserslautern: Punkt in letzter Sekunde und Tumulte

Später Ausgleich und jede Menge Diskussionen: Beim 1:1 gegen Kaiserslautern stand Fußball-Drittligist FSV Zwickau das Glück des Tüchtigen zur Seite. Zum Elfmeter gab es zwei Meinungen.

Zwickau.

Wenn die Formulierung der "ausgleichenden Gerechtigkeit" eine Berechtigung hat, dann wurde dieses Punktspiel des FSV Zwickau am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern dafür erfunden. Als sich ein aufopferungsvoll kämpfender Gastgeber in der Nachspielzeit gegen die erste Heimniederlage der Saison stemmte, pfiff Schiedsrichter Markus Wollenweber aus Mönchengladbach Handelfmeter zugunsten des FSV. Kapitän Toni Wachsmuth verwandelte sicher vom Punkt und rettete durch das 1:1 einen Zähler. Doch mit Abpfiff überschlugen sich die Emotionen. Kaiserslauterns Torwarttrainer Gerry Ehrmann ließ seinen Frust verbal raus. Es kam zu Tumulten auf dem Rasen. Sicherheitspersonal und die noch besonnen gebliebenen Spieler und Betreuer beruhigten die Lage, als die Rangeleien zu eskalieren drohten.

Mittendrin FCK-Spieler Jan Löhmannsröben. "Jeder, der ein Prozent Ahnung von Fußball hat, hat gesehen, dass ich vor der Szene gefoult wurde", ereiferte sich der Profi. Im Abwehrversuch, als er sich in einen Schuss der Zwickauer hineinwarf, berührte er das Leder mit der Hand, was wiederum FSV-Coach Joe Enochs von einer Kann-Entscheidung sprechen ließ. Das besagte Foul zuvor sollte Ronny König begangen haben, als dessen Ellbogen Löhmannsröben stoppte. Während Enochs den Lauterer in den Ellbogen seines Stürmers "hineinlaufen" sah, bewertete sein Gegenüber Michael Frontzeck die Szene anders: "Ich rede eigentlich nie über den Schiri. Aber was heute passiert ist, habe ich selten erlebt. Jan bekommt erst den Ellbogen an den Kiefer und im Fallen den Ball an die Hand. Der Elfmeter war eine Frechheit", schilderte er die entscheidende Szene.

Ronny König selbst wies eine Absicht zurück: "Ich wollte zum Ball gehen, und er wollte den Freistoß haben", beschrieb Zwickaus Torjäger den Schlussakkord aus seiner Sicht und konnte einen verschmitzten Blick in seinen Augen nicht verbergen. Sechs Tage zuvor in Jena allerdings sah es im Routinier innerlich anders aus. Der nach Fernsehbildern unberechtigte Elfmeter zu ungunsten seines Teams war ihm am Sonntag noch nicht entgangen. "Ich hatte danach gesagt, dass sich das bis Saisonende irgendwie ausgleichen wird. Dass es nun so schnell gegangen ist, umso besser", sagte der 35-Jährige.

Irgendwann hatten sich dann die Gemüter auch wieder beruhigt. Die Zwickauer Spieler hüpften vor den Fans und ließen sich feiern. Neun Punkte aus sechs Partien ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Das bestätigte auch der nervenstarke Kapitän, der Verantwortung übernahm und Keeper Jan-Ole Sievers beim Elfmeter keine Chance ließ. Viel gedacht habe er auf dem Weg zum Punkt nicht, meinte der 31-Jährige nach der Partie: "Nur, dass er irgendwie reingehen sollte", erklärte Wachsmuth mit breitem Grinsen: "Am Ende bin ich froh für die Mannschaft, dass wir uns für den riesigen Aufwand belohnt haben", sagte "Wachser" und wies trotz Freude über den Punkt gleich auf die Reserven hin. "Wir müssen zwingender und klarer nach vorn spielen. Auch haben wir heute die Standards nicht so gut verteidigt."

Sein Trainer hatte der erfolgreichen Startelf vom letzten Heimsieg gegen Fortuna Köln vertraut, begann also mit Tarsis Bonga und Sturmtank König auf der Bank. In der ersten Halbzeit verbuchten die balltechnisch starken Pfälzer die hochkarätigeren Torchancen, wirkten auch spielerisch viel besser als es der Tabellenstand ausdrückte. Nur mit ihren Tor-Möglichkeiten gingen die Gäste zu fahrlässig um.

Die Gastgeber warfen Leidenschaft und Mentalität in die Waagschale, wollten nach der bitteren Niederlage in Jena diesmal unbedingt punkten. Doch ausgerechnet, als sie nach Wiederanpfiff besser ins Spiel kamen, gerieten sie durch individuelle Fehler in Rückstand. So verlor Christian Bickel im Vorwärtsgang das Leder ohne Not. Im Gegenzug nutzte Lauterns Timmy Thiele einen Abpraller von Torhüter Johannes Brinkies eiskalt und schob zum 1:0 ein. Doch die Zwickauer, die zu Ehren des verstorbenen Sachsenring-Spielers Gert Schellenberg mit Trauerflor spielten, gaben nie auf.

Enochs wechselte mutig, setzte vor 9024 Zuschauern zuletzt auf drei Mittelstürmer. Als nachträgliches Geburtstagsgeschenk sah der Trainer den späten Punktgewinn aber nicht. "Für mich ist es ein Geschenk, dass ich jeden Tag mit dieser Mannschaft arbeiten darf", sagte der am Vortag 47 Jahre alt gewordene Chefcoach. Gefeiert hat er den Ehrentag am Abend bei einem Glas Wein mit seiner Frau. Am Sonntag folgte eine kleine Bierrunde mit ein paar Kollegen. Und spätestens danach sollte der Puls wieder unten gewesen sein.

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