Zwickaus Torwarttrainer: Lieber einfach klären als mit Pirouette

Ein Baustein für die positive Entwicklung beim Fußball-Drittligisten war und ist Keeper Johannes Brinkies. Dass der Norddeutsche noch beim FSV im Tor steht, hat auch mit einem Arbeiter im Hintergrund zu tun.

Zwickau.

In den Vordergrund rückt sich Steffen Süßner nie. Das gehört nicht zu seinem Naturell. Dabei arbeitet er seit 2012 erfolgreich als Torwarttrainer beim FSV Zwickau, erst auf Honorarbasis, seit dem Aufstieg 2016 hauptamtlich. Und zwar so gut, dass der Fußball-Drittligist jüngst den Vertrag mit ihm bis 2022 verlängerte. Sportdirektor Toni Wachsmuth kommt ins Schwärmen, wenn er über den ehemaligen Zweitligakeeper spricht: "Wir sind sowohl von seiner fachlichen Kompetenz, als auch von seinem Charakter voll überzeugt. Wir sehen bei allen unseren Torhütern eine sehr, sehr positive Entwicklung", lobte Wachsmuth. Und "Sü", wie er in Mannschaftskreisen gerufen wird, gibt das Kompliment zurück: "Ich fühle mich wohl in Zwickau. Funktionsteam, Mannschaft und Fans - das passt alles. Und als Torwarttrainer zu arbeiten, ist das, was ich am besten kann", sagt der 39-jährige Chemnitzer vor der Partie am Samstag (14 Uhr) beim MSV Duisburg.

Zu den Chaostagen bei seinem einstigen Arbeitgeber CFC will er sich nicht äußern. "Da fehlt mir der Einblick. Vieles, was ich lese, verstehe ich auch nicht. Aber wir haben auch genug mit uns selbst zu tun", erzählt Süßner. Augenscheinlich wird seine Arbeit während der Punktspiele in den Glanzparaden von Johannes Brinkies. Der Torhüter gilt als ein Garant für die positive Entwicklung des FSV in den vergangenen Jahren. Brinkies hält auf der Linie auch mal den einen oder anderen als "unhaltbar" eingeschätzten Ball, rettete dem FSV in den vergangenen Spielzeiten auch in kritischen Phasen so manchen Punkt. Nicht zuletzt deshalb soll es im Sommer 2018 und auch im Mai die eine oder andere Erkundigung von höherklassigen Vereinen gegeben haben. Brinkies kommentiert dies selbst nicht. Für Süßner war es auf jeden Fall wichtig, den Weg mit dem 26-jährigen Schlussmann in Zwickau weiter fortsetzen zu können. "Ich habe ihm gesagt, dass er sich hier eine Stellung erarbeitet hat, auf die er stolz sein kann und die er sich woanders erst aufbauen muss. Aber letztlich ist auch klar: Die Profikarriere ist nicht lang. Jeder muss seinen eigenen Weg finden", meint Steffen Süßner.

Statt eines Wechsels bekam Stammkeeper Brinkies innerhalb der Mannschaft noch mehr Verantwortung. Seit dieser Saison trägt der Norddeutsche die Kapitänsbinde. Und dies klappte bisher gut. In den vier Saisonspielen stand hinten dreimal die Null, nur bei 1860 München musste der Torhüter dreimal hinter sich greifen. Das soll in Duisburg nicht wieder passieren. Und dafür sollen in erster Linie auch die Vorderleute wie Davy Frick sorgen: "Wir werden alles tun, damit nichts durchkommt. Aber es ist auch ein sehr sicheres Gefühl, einen der besten Drittligakeeper noch hinter sich zu wissen", sagt der Abwehrhüne.

Ob Frick in Duisburg in einer Dreier- oder Viererkette agieren wird, ließ Trainer Joe Enochs offen. Die Vorzeichen sprechen so oder so für einen stressigen Arbeitstag in der Schauinsland-Reisen-Arena. Der MSV verkörpert mit Viktoria Köln die aktuell beste Offensive der Liga. Drei der elf Saisontreffer erzielten die "Zebras" im letzten Punktspiel in Braunschweig, wo sie den Tabellenführer von Thron stießen. Und der 2:0-Sieg im DFB-Pokal gegen Zweitligist Greuther Fürth sollte ebenso dazu beigetragen haben, dass die Elf von Torsten Lieberknecht mit breiter Brust auflaufen wird.

Doch Zwickau will sich nicht verstecken, mindestens einen Punkt entführen. Steffen Süßner strahlt schon mal die Ruhe aus, die in Duisburg nötig sein wird: "Es ist schön, dass sich die guten Eindrücke aus der Vorbereitung bestätigt haben. Aber wir dürfen keine Luft ranlassen. Wir wissen, dass wir jeden in dieser Liga schlagen können. Es kann aber auch schnell umgekehrt laufen", warnt der Coach, der im Mai die höchste DFB-Torwarttrainerlizenz abgeschlossen hat.

In der Entwicklung von Brinkies und dem "hochtalentierten" (Süßner) Vertreter Matti Kamenz sieht er noch Potenzial, wobei er immer schmunzeln muss, wenn bei Brinkies von Reserven im fußballerischen Bereich die Rede ist. "Mir ist die einfache Lösung lieber, als wenn er noch eine Pirouette dreht", sagt Steffen Süßner. Die könnte sich Johannes Brinkies ja für die Zeit nach dem Abpfiff aufheben - natürlich ein Erfolgserlebnis vorausgesetzt.

Voraussichtliche Aufstellung  FSV: Brinkies - Hehne, Frick, Odabas (Lange) - Reinhardt - Schröter, Jensen, Miatke - Viteritti - Huth (König), Wegkamp.

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