Bayern-Pläne schwappen ins DFB-Camp

Der FC Bayern bastelt an seiner neuen Mannschaft. Die Personalien beschäftigen auch das Nationalteam. Was will Fan-Liebling Sané? Wie geht es weiter mit Werner? Vom Bayern-Boss gibt es einen Zwischenstand. Ein Mitspieler glaubt nicht an einen Wechsel.

Venlo (dpa) - Wenn Leroy Sané in diesen Tagen in der Öffentlichkeit auftaucht, steigt der Lärmpegel bei den Fans und Autogrammsammlern nach oben. «Leroooooy, bitte ein Foto!»

Der 23 Jahre junge Ruhrpott-Junge hat in der Nationalmannschaft schon nach 19 Länderspielen für Deutschland die Rolle des Lieblings übernommen, zumindest beim jungen Publikum. Und natürlich schwappt auch das Thema, ob der gebürtige Essener Sané bald im Trikot des nationalen Branchenführers FC Bayern aufläuft, hinein ins DFB-Quartier.

Ob er den Ex-Schalker Sané Richtung München locken würde, wurde der ehemalige Gelsenkirchener Manuel Neuer gefragt. Schließlich kenne er Leroy ja aus gemeinsamen Zeiten. «So oft habe ich mit Leroy auf Schalke nicht zusammengespielt. Er war damals Balljunge, als ich im Tor gestanden habe», antwortete DFB- und Bayern-Kapitän Neuer mit einem Augenzwinkern und schloss ernsthaft an: «In der Phase gibt es immer Gerüchte.»

Die heißesten Spekulationen um Spieler, die sich gerade in der niederländischen Kleinstadt Venlo auf die EM-Quali-Spiele in Weißrussland und gegen Estland vorbereiten, drehen sich um die Angreifer Sané von Manchester City und Timo Werner von RB Leipzig.

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge übermittelte via «Sport Bild» (Mittwoch) nach Venlo: «Wir haben kein Angebot für Leroy Sané abgegeben. So weit ist es noch lange nicht.» Sané hat beim Club von Trainer Pep Guardiola noch einen Vertrag bis 2021. Mitspieler Ilkay Gündogan glaubt nicht an einen Wechsel von Sané: «Ich habe mich ein bisschen mit Leroy unterhalten. Er hat mir nicht den Anschein gemacht, dass er unbedingt weg will», berichtete der City-Kollege am Mittwochabend nach dem öffentlichen Training in Aachen.

Die Zeitung «The Guardian» hatte jüngst von einem Ablöse-Angebot der Bayern über 80 Millionen Euro berichtet, das der Sané-Club abgelehnt habe. Erst müsse der Spieler wissen, ob er sich vorstellen könne, zum FC Bayern zu kommen, bemerkte nun Rummenigge: «Wenn dies der Fall ist, gehen wir mit Manchester City in konkrete Verhandlungen.» Offenbar habe sich Sané «noch nicht entschieden», sagte der Münchner Clubchef, der den Nationalspieler «sowohl von der fußballerischen Qualität als auch als Typen» spannend findet.

Pikant: Die sportliche Zukunft von Sanés DFB-Kollegen Werner, der im Nationalteam auch Kontrahent um einen Platz in der Angriffsabteilung ist, könnte mit von der Entscheidung des City-Profis abhängen. Denn auch Werner gilt als Kandidat für den FC Bayern. Der ebenfalls 23 Jahre alte Stürmer hat bei Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig nur noch einen Kontrakt bis 2020. Die Sachsen wollen eigentlich nicht ohne eine Vertragsverlängerung mit Werner in die neue Spielzeit gehen - der Ausgang der Personalie ist offen.

In der Nationalmannschaft hat der immer wieder mit Extravaganzen aufwartende Sané den eher nüchtern auftretenden Werner als größte Zukunfts-Hoffnung abgelöst. Dem gebürtigen Stuttgarter Werner wurde nur wenige Spiele nach seinem Debüt im März 2017 schon zugetraut, der neue Miroslav Klose im Nationaltrikot werden zu können. Klose hatte bis 2014 mit 137 Länderspielen und 71 Toren in der DFB-Elf eine Ära geprägt. Sané fremdelte nach seinem Debüt im November 2015 in der Nationalelf lange Zeit. Noch im vorigen Sommer strich Bundestrainer Joachim Löw den England-Profi überraschend aus seinem WM-Kader.

Sané überdachte danach anscheinend seine Einstellung zum Beruf, beschwerte sich nicht öffentlich. Das hat Löw honoriert. «Ich versuche, mich in meinem Spiel zu verbessern, damit der Jogi beim nächsten Mal keine Möglichkeit hat, mich nicht zu nominieren», erklärte Sané nach dem Umbruch, den der Bundestrainer im Herbst vollzogen hat. Sané, Werner, Serge Gnabry, Kai Havertz und Julian Brandt sind die neuen Offensiv-Optionen für den derzeit erkrankten Löw - und auch für dessen Vertreter Marcus Sorg für die beiden letzten Länderspiele der Saison.

Seine Mitspieler erleben Sané «wie in den vorherigen Lehrgängen», berichtete Marco Reus: «Er ist der gleiche Junge, als wenn er ein Angebot vom FC Barcelona bekommen würde. Das spielt keine Rolle für ihn.» Sané demonstriert seine besonderen Vorlieben außerhalb des Platzes auch beim Nationalteam, ob mit Felljacke oder Designer-Rucksack.

In Venlo tauchte er mit einer Flechtzöpfchen-Frisur auf, den sogenannten Cornrows. Die trug er schon im WM-Trainingslager in Südtirol vor einem Jahr, was bei einigen Ex-Weltmeistern nicht besonders ankam. Inzwischen hat sich Sané auch beim DFB mit seinen sportlichen Qualitäten, mit denen er das Nationalteam neu mitbelebte, Kredit erarbeitet. Und die Geschichte mit Bayern bleibt spannend.

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