"Chancenverwertung ist das große Manko"

Frauenfußball: Trainer Alexander Zamzow zeigt sich mit dem Saisonergebnis des FC Erzgebirge Aue in der Regionalliga unzufrieden

Aue.

Im Sommer 2016 übernahm Alexander Zamzow die Frauenmannschaft des FC Erzgebirge Aue. Nach der zweiten Saison steht in der Endabrechnung ein achter Platz in der Regionalliga zu Buche. Mit dem 47-jährigen Coach sprach Martina Martin.

Freie Presse: Sie mussten im Gegensatz zur Männermannschaft des FC Erzgebirge nie um den Klassenerhalt bangen. Dennoch hatten Sie sich sicher mehr erhofft als den achten Rang?

Alexander Zamzow: Erst einmal bin auch ich natürlich sehr froh und erleichtert, dass es unsere Männer geschafft haben, weiterhin in der Zweiten Liga zu bleiben. Wir haben alle mit gebangt, sind, wenn es sich mit unseren Terminen nicht überschneidet, stets im Stadion unter den Zuschauern, einige der Spielerinnen auch oft auswärts mit dabei. Zu unserer Saison: Mit dem achten Rang bin ich unzufrieden. Wir müssten bedeutend besser dastehen, besitzen viel mehr Potenzial.

Welche Ursachen sehen Sie, dass es nicht ausgeschöpft wurde?

Unser größtes Manko ist die Chancenverwertung. Sie war extrem schlecht. Das zog sich durch die gesamte Saison. Wir wurden oft nicht für gute spielerische Leistungen belohnt, mussten viele Punkte unnötig abgeben, obwohl es nach dem Verlauf hätte anders sein müssen.

War das teilweise auch eine Kopffrage?

Auf alle Fälle. Wir haben im Training darauf schwerpunktmäßig immer großen Wert gelegt. Es klappte da besser, aber es zog keinerlei Sicherheit ein. Im Spiel wirkte es verkrampft, das konnte teilweise kein Mensch mehr begreifen. Das Problem gibt es überall, aber bei uns empfand ich das extrem. Ich bin schon lange im Fußball tätig, aber das habe ich so noch nicht erlebt.

Stets ein Platz im gesicherten Mittelfeld entspricht aber schon Ihren Ambitionen?

Das ist klar, denn es hat sich in der Regionalliga eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet. Es gab mit dem 1. FC Union Berlin, der nach dem Abstieg sofort die Rückkehr in die Zweite Bundesliga schaffte, dem Magdeburger FFC, Viktoria Berlin und RB Leipzig vier Mannschaften, die sich hinsichtlich des Leistungsvermögens klar absetzen. Das Niveau stieg insgesamt. Die anderen Teams sind etwa auf Augenhöhe mit uns, da gibt es keine potenziellen Punktelieferanten mehr. Aber es hätte für uns schon eine bessere Platzierung herausspringen müssen, zumal wir spielerisch auch gegen die starken Gegner teilweise mithalten konnten.

Würden Sie das vorzeitige Pokalaus als Tiefpunkt bezeichnen?

Das kann man so sagen. Es war bitter, im Halbfinale gegen unseren Dauerrivalen Fortuna Dresden 0:5 zu verlieren, das hat richtig wehgetan. Die Mannschaft war zwar heiß, aber dann überdreht, unser wohl schlechtestes Saisonspiel. Dabei wollten wir nach 2014 endlich wieder den Sachsenpokal gewinnen. Solch eine Trophäe ist einfach mal etwas, das man auch greifen kann.

Wie fällt ein Gesamtresümee nach Ihrer zweiten Saison als Trainer aus?

Die Mannschaft hat sich trotzdem weiterentwickelt. Meiner Philosophie mit variablem Kurzpass-Spiel und vielen Ballkontakten zu agieren, wurde immer besser umgesetzt. Auch waren wir in der Lage, uns flexibler auf den jeweiligen Gegner einzustellen. Ich selbst konnte nach der Premierensaison, die auch ein Lernprozess für mich war, mit mehr Routine und Selbstsicherheit die Sache bewältigen. Trotzdem wollten wir schon weiter sein, was aber praktisch schwierig umzusetzen ist.

Welche Gründe gibt es dafür?

In der Winterpause hatten wir zwei Abgänge, darunter unser Kapitän Tina Liebold, die Mutterfreuden entgegensieht, zu verkraften. Unser Kader war zuletzt mit nur 17 Spielerinnen nicht groß. Und da wirkt sich noch mehr die teilweise unregelmäßige Trainingsbeteiligung, zwangsweise wegen Studiums, schulischen Verpflichtungen oder Schichtarbeit, negativ aus. Es ist beispielsweise kaum möglich, spezielle taktische Dinge einzustudieren.

Haben Sie Spielerinnen in der Serie besonders überzeugt?

Normalerweise hebe ich niemanden besonders hervor, es ist immer die gesamte Mannschaft angesprochen. Aber ein Sonderlob verdient in dieser Saison unsere Torhüterin Lisa Unger, die teilweise sensationelle Paraden gezeigt hat, immer ein starker Rückhalt war. An ihrer Entwicklung sieht man auch, wie sich die speziellen Übungseinheiten meines Co-Trainers Bernd Stettinius positiv auswirken. Überhaupt ist er als ehemaliger Oberliga-Torhüter mit seinen Erfahrungen für die Mannschaft goldwert. Wir beide verstehen und ergänzen uns dabei bestens.

Wird es Veränderungen im Kader geben?

Drei Stammspielerinnen haben ihre Karriere beendet. Unserer Abwehrstrategin Kathleen Buchmann, die über zehn Jahre für uns spielte, verletzte sich leider im ihrer letzten Partie noch schwer am Knie. Sie wollte ich eigentlich für zumindest noch eine Saison überreden, aber das hatte sich damit erledigt. Aline Christen, die mehrfach pro Woche aus Dresden kam und als Ärztin arbeitet, hat als 30-Jährige private Gründe. Bei Sophia Barloschky besitzt erst einmal das Studium Vorrang. Heidi Dotzauer, die schon bei RB Leipzig und nach einer Pause erst einmal in unserer zweiten Mannschaft aktiv war, wird uns verstärken. Dazu kommen noch zwei, drei jüngere Spielerinnen. Es wird in der nächsten Saison vielleicht einen Tick schwerer, aber längerfristig baue ich auf die Entwicklungsfähigkeit der verjüngten Mannschaft.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Wer wird Fußballweltmeister?

Deutschland, weil sie es können und aus meiner Sicht von der Qualität her den besten Gesamtkader aller Mannschaften haben.

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