Fußball
DFB-Torschützin Mühlhaus: Das kenne ich nur vom Fernsehen

Tor, Gänsehaut und viel Lob: Larissa Mühlhaus erlebt in Dresden ein Fußballmärchen. Beim 5:0 gegen Slowenien belebt sie direkt den Konkurrenzkampf in der deutschen Offensive.

Dresden.

Leicht nervös, aber breit lächelnd trat Larissa Mühlhaus vor die Mikrofone und Kameras, um im Dresdner Stadion über ihre großen Gefühle zu sprechen. "Unglaublich, ich kann das gar nicht in Worte fassen. Ich muss erst mal alles verarbeiten. Es waren sehr, sehr viele Emotionen", sagte die 23 Jahre alte Stürmerin über ihr Länderspieldebüt samt Tor für die deutschen Fußballerinnen beim 5:0 (2:0) gegen Slowenien.

Nun Teil des DFB-Teams zu sein, sei ein "bisschen unrealistisch", gestand die Angreiferin von Werder Bremen nach dem erfolgreichen Start in die WM-Qualifikation, "es fühlt sich an wie ein Traum. Und der ist gerade in Erfüllung gegangen." Sowieso mit diesem Einstand: Eingewechselt zur Pause traf Mühlhaus wenig später akrobatisch zum 4:0. "Ich hatte schon Gänsehaut die ganze Zeit auf der Bank, wo ich zugesehen habe. Weil ich das nur vom Fernsehen kenne, wenn die da spielen."

55. Tor für Schüller

Gegen überforderte Sloweninnen verschärfte Bremens Bundesliga-Toptorschützin ("Ich bin ein Gewinnertyp") gleich mal den Konkurrenzkampf in der deutschen Offensive. Neben Mühlhaus, die für die verletzte Hoffenheimerin Selina Cerci nachnominiert worden war, und der quirligen Startelf-Debütantin Shekiera Martinez von West Ham United durfte auch die fast schon abgeschriebene Lea Schüller mal wieder ran. Sie dankte es nach ihrer Einwechslung mit ihrem 55. Tor im 83. Länderspiel. 

"Wir alle wollen die alte Lea Schüller wieder haben. Ich glaube schon, dass sie wieder auf dem Weg dazu ist", sagte Bundestrainer Christian Wück, der sich mit 19.169 Zuschauern zudem über Tore von Spielmacherin Linda Dallmann, Vivien Endemann und Elisa Senß freuen durfte.

Schüller stand nach ihrem Winter-Wechsel von München zu Manchester United besonders im Blickpunkt. Die Top-Torjägerin hatte während der EM im vergangenen Jahr in der Schweiz ihren Stammplatz an die derzeit verletzte Leipzigerin Giovanna Hoffmann verloren und kam danach auch beim FC Bayern seltener zum Einsatz. Als Konsequenz ging sie nach England, um ihrer Entwicklung einen neuen Schub zu geben.

Wück über Schüller: "Würde uns allen guttun"

Bei der Frage nach Schüllers Situation überlegte Wück lange mit seiner Antwort - und holte dann aus. "Wenn man von einer Spielerin überzeugt ist, die gerade eine sehr schwierige Phase hat, dann ist es auch die Aufgabe des Trainerteams, die Spielerin auf unsere Art zu unterstützen", sagte der 52-Jährige. Das Ziel gegen Slowenien sei gewesen, dass Schüller sich selbst belohnt, dass sie Selbstvertrauen tankt - "weil sie eine Stürmerin ist, die sich über Tore definiert. Ich hoffe, dass sie jetzt wieder mehr zu dieser alten Form zurückfindet – die würde uns allen guttun." 

Eine Konsequenz aus Schüllers Rückkehr war, dass Frankfurts Nicole Anyomi, die in den vergangenen vier Länderspielen stets beginnen durfte, diesmal keine Minuten erhielt. Und Bundesliga-Toptorjägerin Vanessa Fudalla war einmal mehr gar nicht erst für den Kader nominiert worden - trotz zwölf Toren und fünf Vorlagen in 18 Ligaspielen.

Viel Lob für Mühlhaus

"Ich sehe andere Spielerinnen vor Vanessa, und das ist eine Einschätzung, die ich getroffen habe, die sich in den letzten Spielen in der Bundesliga nicht verändert hat", hatte Wück vor ein paar Tagen schon erklärt. Spielerinnen wie Mühlhaus offenbar, die in Dresden viel Lob einheimste, auch vom Coach. "Sie hat Talent, sie hat vieles richtig gemacht, sie hat sich selbst belohnt", fand Wück.

Die eine oder andere Baustelle gebe es zwar noch bei Mühlhaus, aber daran kann sie vielleicht schon am Samstag weiterarbeiten. Dann geht es für das DFB-Team in Stavanger gegen Norwegen (18.00 Uhr/ZDF) mit dem zweiten Qualifikationsspiel weiter. Dritter Gegner auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien ist Österreich. Nur der Gruppenerste qualifiziert sich direkt für das Turnier. Die Norwegerinnen starteten mit einem 1:0-Sieg in Österreich in die Qualifikation. (dpa)

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