Der FCE feiert einen ganz wichtigen Dreier im Abstiegskampf. Die Veilchen schlagen Jahn Regensburg mit 4:3 (1:1).
Was für ein Wahnsinn, welch eine Achterbahnfahrt der Gefühle für die Fans, Spieler und Vereinsverantwortlichen des FC Erzgebirge Aue. Die Veilchen liegen zweimal vorn, kassieren zweimal den Ausgleich und geraten zwischendurch sogar in Rückstand. Dann passiert das, was niemand der 8537 Zuschauer im Erzgebirgsstadion mehr für möglich gehalten hatte. Erst erzielte die Veilchen-Elf kurz vor Schluss den Ausgleich – und dann kam der Auftritt von Erik Weinhauer. Ein langer Ball landete in der siebten Minute der Nachspielzeit vor den Füßen des quirligen Offensivspielers, der erst in der Schlussphase eingewechselt worden war, mit der Brust legte er sich den Ball vor und schloss per Dropkick aus 16 Metern ab. Das runde Leder rutschte durch die Hosenträger des Regensburger Keepers und landete im Netz. Der FC Erzgebirge gewinnt das extrem wichtigste Spiel gegen den SSV Jahn mit 4:3 (1:1) und landet damit einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf.
Aue gallig, aber zu fehlerbehaftet
Cheftrainer Jens Härtel, der gegen Regensburg auf dieselbe Startelf setzte wie in der Vorwoche gegen TSG Hoffenheim II (1:1) sah eine Auer Mannschaft, die gallig und aggressiv agierte – in der Offensive allerdings auch zu fehlerbehaftet und zu kompliziert. Die Veilchen wurden zwar nach Distanzschüssen von Julian Guttau und Mika Clausen (jeweils 9. Spielminute) gefährlich, doch wirklich hundertprozentige Möglichkeiten sprangen aufgrund von Fehlpässen und falschen Entscheidungen im Umschaltspiel nicht heraus. Dabei hatte der Gast eigentlich genügend Fehler angeboten.
So waren es schließlich die Regensburger selbst, die zunächst die besseren Chancen hatten, um in Führung zu gehen. Torhüter Martin Männel verhinderte den Einschlag nach einer Volley-Abnahme von Jahn-Stürmer Eric Hottmann (28.), kurz darauf verzog Noel Eichinger einen Freistoß nur knapp (35.) und beinahe lud Männel den bereits genannten Hottmann zum Toreschießen ein, als ihm im eigenen Strafraum der Ball durch über den Spann rutschte (36.). Es blieb allerdings beim 0:0.
Auer Jubel hält nur kurz an
Und das sollte sich ändern, denn in den Schlussminuten der ersten Halbzeit wurde die Härtel-Elf noch einmal aktiver, kam durch Erik Majetschak (36.), Clausen (38.) und Stefaniak (45.+1/Freistoß) zu gefährlichen Aktionen, das Tor aber fiel dann in der zweiten Minute der Nachspielzeit: Nach einer kurz ausgeführten Ecke flankte Pascal Fallmann aus dem Zentrum in den Strafraum, Eric Uhlmann legte den Ball mit der Brust auf Majetschak: Tor und Ekstase im Erzgebirgsstadion.
Der Jubel hielt jedoch nicht lange an. Fünf Minuten Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Nico Fuchs angezeigt, in der sechsten Minute kamen die Regensburger mit dem Pausenpfiff zum Ausgleich. Hottmann vollendete eine präzise Eichinger-Flanke zum 1:1.
Härtel-Elf kommt mit Wucht aus der Kabine
Der späte Ausgleich vor dem Seitenwechsel hatte die Veilchen offenbar angeheizt. Mit viel Schwung kam die Härtel-Elf aus der Halbzeitpause. Jannic Ehlers schoss knapp am Tor vorbei (49.), Paul Seidel prüfte aus der Distanz Jahn-Schlussmann Felix Gebhardt, der stark parierte (51.). Dann belohnten sich die Hausherren. Guttau versenkte eine Ecke direkt im Regensburger Kasten (54.). Und die Auer machten sofort weiter: Ehlers (55.) und Guttau (58.) scheiterten an Gebhardt und verpassten, nachzulegen.
Regensburger Doppelschlag
Das wurde bestraft. Regensburg, die schon in der Vorwoche Comeback-Qualitäten bewiesen und ein 0:2 gegen Stuttgart II noch in ein 3:2 gedreht hatten, kamen mit ihrer ersten Chance im zweiten Durchgang zum Ausgleich. Sebastian Stolze schlenzte den Ball nach einem feinen Zuspiel von Adrian Fein ins lange Eck, nachdem Seidel und Tristan Zobel in der Auer Defensive einen Moment lang unachtsam waren (60.). Doch damit nicht genug. Der SSV Jahn traf kurz darauf sogar zur Führung. Der eingewechselte Jonah Fabisch fälschte einen Abschluss von Benedikt Bauer unhaltbar ab (68.). Im Normalfall hätte Männel das Spielgerät sicher pariert. Die Gegentore waren ein sichtlicher Wirkungstreffer für die Lila-Weißen.
Bär-Comeback nach 234 Tagen
Trainer Härtel reagierte, wechselte dreifach und brachte mit Boris Tashchy, Erik Weinhauer und Marcel Bär drei Offensivkräfte für Mika Clausen, Marvin Stefaniak und Jannic Ehlers ins Spiel. Besonders die Einwechslung von Bär sorgte für Riesenapplaus im Erzgebirgsstadion. Der Stürmer hatte siebeneinhalb Monate verletzungsbedingt gefehlt. An diesem Samstag gab er 234 Tage nach seinem Achillessehnenriss sein Comeback. Kurz darauf brachte Härtel sogar noch mit Ricky Bornschein den nächsten Stürmer in die Partie.
Und die Wechsel trugen Früchte. Weinhauer setzte sich im Eins-gegen-Eins-Dribbling auf dem linken Flügel durch, flankte den Ball in den Strafraum, wo der Ball vor den Füßen von Fabisch landete und er seinen ersten Treffer im lilafarbenen Trikot erzielte (87.). Erstmals seit mehr als zehn Monaten trafen die Auer damit wieder mindestens dreifach in einem Drittligaspiel. Das letzte Mal war dies im Dezember 2024 beim 3:1 gegen 1860 München gelungen.
Statistik
Aue: Männel - Fallmann (V/46. Fabisch/V), Malone (V), Zobel, Seidel (85. Bornschein) - Majetschak, Uhlmann - Guttau (V), Stefaniak (76. Tashchy), Clausen (76. Weinhauer) - Ehlers (76. Bär)
Regensburg: Gebhardt - Ziegele (83. Mätzler), Strauß (V), Wurm - Stolze (V/66. Müller), Saller, Fein (83. Geipl), Oliveira (26. Bauer) - Eichinger (V) - Hermes (66. Beckhoff), Hottmann
SR.: Fuchs (Odenthal). Zuschauer: 8537. Tore: 1:0 Majetschak (45.+2), 1:1 Hottmann (45.+6), 2:1 Guttau (54.), 2:2 Stolze (60.), 2:3 Bauer (68.), 3:3 Fabisch (86.), 4:3 Weinhauer (90.+7)






