Frohe Botschaft kam erst während der Rückreise

Die Blindenfußballmannschaft des Chemnitzer FC ist wie 2015 Deutscher Vizemeister. Dieser Erfolg kam auch für das Team überraschend.

Rostock/Chemnitz.

Es war schon etwas ungewöhnlich, wie das Blindenfußballteam des Chemnitzer FC von der Verteidigung des zweiten Platzes in der Deutschen Meisterschaft erfuhr. "Wir waren bereits in zwei Kleinbussen auf der Rückreise von Rostock, hörten über die Handys die Liveübertragung des entscheidenden Spiels. Dann reagierten wir erst einmal ungläubig, denn damit konnten wir überhaupt nicht rechnen", beschrieb Kapitän Jörg Fetzer die Momente, bis der Jubel ausbrach, gleich die Anrufe hin und her gingen. Dabei gab es noch ein paar bange Minuten zu überstehen, bis aus der Ferne die endgültige Entscheidung verkündet wurde, dass Stuttgart die abgebrochene Partie gegen den alten und neuen Titelträger Marburg verlor. Erst damit rückte der CFC auf den Silberrang vor.

Wie kam es überhaupt zu dieser Situation? Die Chemnitzer lagen vor dem Abschlussturnier der Bundesliga auf dem vierten Rang. Um überhaupt noch einen Podestplatz zu erreichen, waren sie auf Schützenhilfe der Kontrahenten angewiesen. Dass diese dann noch größer als insgeheim erhofft, ausfiel, kam sehr überraschend. Zunächst verlor St. Pauli (vorher Zweiter) unverhofft gegen Schalke 0:1. Daraufhin musste für Bronze nur noch ein Erfolg gegen die SG 1860 München/Würzburg gelingen. Doch das erwies sich schwerer, als gedacht. "Wir waren zwar der klare Favorit, aber ich bin draußen bald verzweifelt", berichtete Trainer Michael Falb, der hinter der Bande das Geschehen stets mit starken Emotionen verfolgt. "Die Jungs wollten es erzwingen, brachten einfach keine Ruhe rein. Zudem scheiterten sie mit ihren Schüssen immer wieder am Torhüter oder diese landeten am Pfosten", fügte der Coach hinzu. Erst in der Schlussphase konnten endlich Jörg Fetzer und Robert Matthies die ersehnten Treffer zum 2:0 erzielen.

Bereits danach lagen sich alle glücklich in den Armen, denn der dritte Medaillengewinn nach Bronze 2014 und Silber 2015 war perfekt. An eine Veredlung dachte da niemand mehr. Nach weiteren Partien war erst für den Abend die abschließende Siegerehrung geplant. Da drei CFC-Akteure gestern wieder arbeiten mussten, entschied sich die Truppe zur vorzeitigen Rückreise. Dass die Schwaben, die nur noch ein Remis benötigten, ihre Nerven nicht im Griff hatten, konnte niemand ahnen und auch in keiner Weise nachvollziehen. Obwohl sie 1:0 führten, wurden zwei der vier Spieler wegen grober Fouls des Feldes verwiesen. Laut Reglement kommt es bei dieser Konstellation zum Abbruch. Die Stuttgarter, seit Gründung der Bundesliga 2008 Rekordmeister und stets mit Auswahlakteuren in ihren Reihen, rutschten so noch auf Rang vier zurück.

Indes konnten die Chemnitzer ihre beeindruckende Serie fortsetzen. Saisonübergreifend sind sie seit August 2014 in nunmehr 17 Bundesligapartien ungeschlagen. Zu Beginn hieße es nur am grünen Tisch 0:2 gegen Marburg, da sie am ersten Spieltag wegen akuten Besetzungsproblemen nicht antreten konnten. Ihr Antrag auf Verlegung wurde damals abgelehnt. "Dieser zweite Platz ist auch deshalb so wertvoll, weil das gemeinsame Training wegen der beruflichen Verpflichtungen nicht mehr so oft möglich ist. Aber die Truppe hat sich dennoch spielerisch insgesamt wieder stark präsentiert und Maßstäbe gesetzt", resümierte Michael Falb. Für Keeper Sebastian Themel, der auch bereits seine ersten Auswahleinsätze absolvierte, gab es noch ein Sahnehäubchen obendrauf: Er wurde als bester Torhüter der Saison geehrt.

Übrigens eine zünftige Feier mit allen Beteiligten folgt natürlich noch ...

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