Fußball
Infantinos Probleme: Visafragen, Anzeige und Nähe zu Trump

Freie Presse auf Google News folgen

Für Gianni Infantino steht bereits fest: Es wird die "großartigste und inklusivste Weltmeisterschaft der Geschichte". Es gibt nicht wenige, die dies anders sehen. Das sind die Gründe.

Washington.

Natürlich besuchte Gianni Infantino auch kurz vor dem Start der XXL-WM noch einmal Donald Trump im Weißen Haus. Gemeinsam streckten beide ihre Daumen grinsend Richtung der Kameras, saßen sich am Schreibtisch im Oval Office gegenüber. Amerika sei bereit, die Welt willkommen zu heißen, bedankte sich der FIFA-Chef beim US-Präsidenten und verkündete ebenfalls via Instagram, es werde die "großartigste und inklusivste Weltmeisterschaft der Geschichte".

Doch bevor Infantino beim Eröffnungsspiel zwischen Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika am Donnerstag auf der Tribüne des Aztekenstadions sitzen wird, mehren sich die Zweifel an diesem Superlativ: Sogar einem FIFA-Schiedsrichter wird die Einreise in die USA verweigert. Dazu sorgen die teils horrenden Ticketpreise, Infantinos Nähe zu Trump sowie der sportliche Gigantismus für Kritik am Fußball-Weltverband. Und dann meldet sich auch noch ein alter Bekannter mit einer Strafanzeige. Das sind Infantinos Problemfelder kurz vor dem WM-Beginn:

Problem 1: Anzeige durch Platini

Kurz nachdem Infantino zum Wochenbeginn im Central Park von New York ein paar Kleinfelder eingeweiht hatte, holten ihn unliebsame Nachrichten aus der Vergangenheit ein. Der frühere UEFA-Präsident Michel Platini reicht in Frankreich Strafanzeige gegen Infantino und weitere frühere Funktionäre ein. Nach Ansicht des 70-Jährigen habe es eine Verschwörung gegeben, um seine Wahl zum FIFA-Präsidenten vor über zehn Jahren zu verhindern. Statt der französischen Fußball-Legende stieg damals Infantino zum Chef des Weltfußballs auf.

Problem 2: Die Nähe zu Trump

Wie sehr gerät die Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA auch zur Trump-Show? Den WM-Pokal wird der US-Präsident beim Finale am 19. Juli in East Rutherford nahe New York definitiv überreichen. Seit Jahren umschmeichelt Infantino den US-Präsidenten, die "Bromance" ("New York Times") der beiden Alphamänner gipfelte bislang in der Verleihung des neu erfundenen FIFA-Friedenspreises bei der WM-Auslosung.

Im Februar verkündete der Weltverband eine Partnerschaft mit Trumps umstrittenen Friedensrat. Bei der ersten Sitzung war auch Infantino dabei, zeitweise trug der Italo-Schweizer eine rote Kappe mit der Aufschrift "USA". "Das Problem ist das Ausmaß der Bereitschaft der FIFA und von Gianni Infantino, als Steigbügelhalter, Verbündeter und de facto Propagandawerkzeug für Donald Trumps Regime zu fungieren", schrieb der britische "Guardian". 

Problem 3: Die US-Einreisepolitik

Die Debatte um die Einreisepolitik stellt den Einfluss der FIFA auf die amerikanische Politik direkt auf den Prüfstand. Die USA verweigerten dem für die WM vorgesehenen Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia die Einreise. Begründung: Bedenken bei der Sicherheitsüberprüfung. Man sei nicht an den Verfahren zur Einwanderung beteiligt, teilt die FIFA machtlos mit. 

Artan ist kein Einzelfall. Beim Iran haben nach eigenen Angaben 15 Funktionäre kein Visum erhalten, das Team selbst darf laut des iranischen Botschafters in Mexiko nur an Spieltagen in die USA einreisen und muss danach ins Quartier nach Mexiko zurückkehren. In den WM-Regularien ist eigentlich festgelegt, dass eine Mannschaft fünf Tage vor ihrem ersten Gruppenspiel im entsprechenden Gastgeberland ankommen muss.

Menschen aus Haiti ist wie Iranern und Iranerinnen die Einreise in die USA derzeit untersagt. Fans aus Senegal und der Elfenbeinküste sind von Einschränkungen betroffen, Berichte über Probleme gibt es beispielsweise auch aus dem Irak. 

Zudem haben nach Angaben des Internationalen Sportjournalisten-Verbands AIPS nicht nur Reporter aus dem Iran, sondern auch aus afrikanischen Ländern keine oder nur eingeschränkte Visa erhalten. "Die Fälle sind zahllos und nicht zu akzeptieren", schrieb AIPS-Chef Gianni Merlo an die FIFA und forderte den Weltverband zur Intervention bei den US-Behörden auf.

Problem 4: Wucher auf dem Ticket-Zweitmarkt

Der Ärger um die WM-Eintrittskarten ist auch kurz vor Turnierstart längst nicht ausgestanden. Sogar die US-Justiz beschäftigt sich dem Ticketsystem: Zwei Generalstaatsanwältinnen kündigten eine Untersuchung wegen möglicherweise irreführender Ticketvergabepraktiken an. Die Fanorganisation "Football Supporters Europe" legte bereits im März bei der Europäischen Kommission Beschwerde ein. 

Die Weiterverkaufsbörse der FIFA für WM-Tickets sorgt für Ärger. (Archivbild)
Die Weiterverkaufsbörse der FIFA für WM-Tickets sorgt für Ärger. (Archivbild) Bild: Maximilian Haupt/dpa

Im Fokus der Kritik: Insgesamt zu hohe Preise, eine zu geringe Anzahl günstiger Tickets, die Auswirkungen des dynamischen Preismodells und Wucher auf dem Zweitmarkt. Diese Plattform für Wiederverkäufe einzurichten, entspreche den gängigen Praktiken in den USA und Kanada, verteidigt sich die FIFA, die rund 30 Prozent an Gebühren verdient.

Problem 5: Belastung für die Spieler

Die WM wird mit 48 Teams und insgesamt 104 Spielen nicht nur die größte der Geschichte. Aus Sicht von Forschern hat es bei einer Weltmeisterschaft durch extreme Hitze, Luftverschmutzung, große Entfernungen und Höhe noch nie "eine solche Kombination von extremen Umweltfaktoren gegeben", wie es im Journal "Sports Medicine" hieß. 

Um die Spieler zu schützen, führte die FIFA verpflichtende Trinkpausen von drei Minuten in jeder Halbzeit ein. In einem offenen Brief forderten internationale Experten weitere Maßnahmen wie längere Pausen und die Unterbrechung oder Absage von Spielen bei mehr als 28 Grad. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
16:32 Uhr
1 min.
Fan-Vergehen kosten den HSV 153.000 Euro
Fan-Vergehen kosten den HSV 153.000 Euro - HSV-Fans hatten während des Spiels bei Borussia Dortmund viel Pyrotechnik abgebrannt. (Archivbild)
Während des Spiels bei Borussia Dortmund haben Fans des Hamburger SV im Gästeblock viel gezündelt. Das wird nun teuer für den Club.
08:22 Uhr
2 min.
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen - Die Polizei wurde zum Wahllokal nach Bad Schlema gerufen.
Ein uneinsichtiger Wahlbeobachter hat am Sonntag in einem Wahllokal in Bad Schlema dafür gesorgt, dass das Auszählen der Stimmen unterbrochen wurde. Hat das Konsequenzen?
Heike Mann
13:01 Uhr
4 min.
Vietnamesen sollen Fachkräftemangel im Vogtland lindern: „Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt“
Vietnamesen sollen Fachkräftemangel im Vogtland lindern: „Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt“ - Chuyen Hoang (links) und Thu Nguyen (rechts) aus Vietnam machen ihre Ausbildung im Vogtland. In der Mitte Hoangs Ausbilderin Madeleine Gläß von S & S Electronic in Klingenthal.
Aus Vietnam ins Vogtland: Für viele Asiaten ist das ein Kulturschock. Eine vogtländische Initiative macht sich dafür stark, jungen Talenten das Ankommen zu erleichtern und Unternehmen neue Fachkräfte zu sichern.
Jana Wejkum
16:31 Uhr
5 min.
AOK beklagt zu viel Physiotherapie und fordert Qualitätskontrollen
AOK beklagt zu viel Physiotherapie und fordert Qualitätskontrollen - Physiotherapie ist das häufigste verschriebene Heilmittel in Deutschland.
Die Heilmittelausgaben sind enorm gestiegen. 14,7 Milliarden Euro zahlten gesetzliche Kassen für Physio-, Ergo- und Ernährungstherapie, für Logopädie und Podologie. Sorgen machen dabei zwei Dinge.
Sylvia Miskowiec
20:49 Uhr
2 min.
Platini zeigt Infantino an – Vorwurf der Verschwörung
Platini zeigt Infantino an – Vorwurf der Verschwörung - Inzwischen ziemlich beste Feinde: Michel Platini (r) und Gianni Infantino. (Archivbild)
Der frühere UEFA-Präsident Platini beschuldigt FIFA-Chef Infantino und weitere Funktionäre der Verschwörung gegen seine Person. Jetzt hat er in Frankreich Strafanzeige erstattet.
11:07 Uhr
5 min.
Mondpreise auf dem Zweitmarkt: Der Ärger um die WM-Tickets
Mondpreise auf dem Zweitmarkt: Der Ärger um die WM-Tickets - Die Ticket-Zweitmarktbörse der FIFA für die bevorstehende WM ist umstritten. (Archivbild)
Hohe Eintrittspreise, eine umstrittene Plattform - die Kritik an der Ticketvergabe vor der Fußball-WM reißt nicht ab. Was sagt die FIFA? Und wie viele deutsche Fans werden eigentlich erwartet?
Christoph Lother, dpa
Mehr Artikel