«Keine Vergnügungsreise» für Schalke nach Manchester

Mitten im Kampf gegen den Bundesliga-Abstieg muss Schalke in der Champions League bei Manchester City antreten. Was früher ein Festtag war, ist nun eher lästige Pflicht. Nach dem 2:3 im Hinspiel sind die Chancen auf den Viertelfinal-Einzug minimal. Leipzig hat Priorität.

Manchester (dpa) - Selten kam dem FC Schalke 04 ein Champions-League-Spiel wohl so ungelegen wie diesmal. Denn derzeit hat der sportlich in bedrohliche Schieflage geratene Revierclub ganz andere Sorgen als den Auftritt bei Manchester City.

Neun Spieltage vor dem Ende der Saison kämpft das Team von Trainer Domenico Tedesco in der Fußball-Bundesliga um den Klassenverbleib. Kein Wunder, dass Sportvorstand Jochen Schneider am Montag vom Flughafen Münster-Osnabrück seine erste und wohl vorerst letzte Europapokalreise beim neuen Club mit gemischten Gefühlen antrat.

«Es überwiegt die Vorfreude, die aber überlagert wird von der Situation in der Bundesliga», sagte der 48-Jährige vor dem Abflug zum Achtelfinal-Rückspiel am Dienstag (21.00 Uhr/Sky) im Etihad-Stadion. Es sei aber «keine Vergnügungsreise: Man City zählt zu den vier besten Mannschaften in Europa. Wir wollen die Herausforderung annehmen und eine ordentliche Leistung gegen einen Top-Gegner zeigen. Vom Gefühl her dominiert natürlich die Bundesliga.»

Das Fehlen von Amine Harit und Mark Uth, der angeblich ein Training versäumt hatte, wollte Schneider nicht groß kommentieren. Beide Profis waren schon in Bremen außen vor. «Der Trainer hat sie nicht für den Kader nominiert», sagte Schneider nur, räumte aber ein: «Ich habe mit Mark unter vier Augen gesprochen.» Damit sei das Thema durch, ab Mittwoch könnten sich beide wieder für Einsätze empfehlen.

Nach dem 2:3 im Hinspiel glauben nur unverbesserliche Optimisten an den Viertelfinal-Einzug in der Königsklasse. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, zu groß ist die sportliche Kluft zwischen dem englischen Meister und dem deutschen Vizemeister. Für Sky-Experte Lothar Matthäus sind die Chancen kaum messbar. «Die Schalker sind zu 99,9 Prozent ausgeschieden. Sollten sie es noch schaffen, wäre es eines der größten Wunder in der Geschichte der Champions League», sagte der Weltmeister von 1990 der Deutschen Presse-Agentur.

Während Königsblau in der Liga nach nur zwei Punkten aus den zurückliegenden sieben Partien tief in den Keller gerutscht ist und als Tabellen-14. nur vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang hat, thront das Millionen-Ensemble von Pep Guardiola in der Premier League knapp vor dem FC Liverpool an der Spitze. Die Citizens haben 16 ihrer letzten 18 Pflichtspiele gewonnen und nur eines verloren. Am Samstag beim 3:1 gegen den FC Watford zerlegte Stürmer Raheem Sterling die Gäste mit einem Hattrick innerhalb von 13 Minuten zu Beginn der zweiten Spielhälfte fast alleine. Der Ex-Schalker Leroy Sané wurde eingewechselt. Gegen Schalke fehlen die gesperrten Fernandinho und Nicolás Otamendi sowie der verletzte Kevin De Bruyne.

Schalke kassierte beim 2:4 in Bremen die vierte Pflichtspielpleite in Serie (4:14 Tore). Die von Schneider geforderte Trendwende gelang nur sehr bedingt. Immerhin trat das Team über weite Strecken engagierter und spielerisch verbessert auf. Vor allem der Doppelpack des lange verletzten Angreifers Breel Embolo macht Mut. «Wenn wir etwas Positives mitnehmen, dann definitiv die zwei Tore von Breel», sagte Tedesco, der Guido Burgstaller mit in sein Lob einbezog. «Wir haben vorn mit zwei richtigen Stürmern gespielt, die uns lang gefehlt haben. Sie haben viel Power und Aggressivität.»

So gibt es vielleicht doch noch ein Fünkchen Hoffnung auf ein Fußball-Wunder in dem ungleichen Duell. Angreifer Steven Skrzybski glaubt an eine Chance: «Klar sind wir Außenseiter. Aber im Fußball ist schon vieles passiert.» In erster Linie aber geht es darum, sich gut zu verkaufen, nicht die nächste herbe Pleite einzustecken und sich Selbstvertrauen zu holen. Schließlich muss im Heimspiel am Samstag gegen RB Leipzig gepunktet werden. Sonst könnte es eng werden für Tedesco, der weiter großes Vertrauen bei den Verantwortlichen genießt. «Schneider muss diese beiden Spiele abwarten und dann entscheiden», sagte Club-Legende Olaf Thon.

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