Rüdiger nach Affenlauten: «Gefühlt, als wäre ich ein Tier»

London (dpa) - Beim deutschen Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger vom englischen Premier-Legaue-Club FC Chelsea haben die rassistischen Beleidigungen gegen ihn Spuren hinterlassen.

Als ihn unlängst beim Spiel gegen Tottenham Hotspur Fans mit Affenlauten diffamierten, habe er sich gefühlt, «als wäre ich kein Mensch, als wäre ich ein Tier», sagte Rüdiger in einem Interview dem «Spiegel». «Ich glaube, dass sich niemand in diese Situation reinfühlen kann, der das noch nie erlebt hat.» Die Täter müssten so hart bestraft werden, dass es ihnen richtig weh tut. Stadionverbote allein genügten nicht. «Denn sie wissen gar nicht, was sie uns mit Affenlauten antun.»

Beim Thema Rassismus würden die dunkelhäutigen Spieler alleine gelassen. «Ich würde mir wünschen, dass mehr Spieler ihre Stimme erheben. Es hat nichts mit der Hautfarbe zu tun. Deshalb verstehe ich nicht, warum da so wenig kommt. Und da geht es nicht allein um Rassismus, es geht auch um Homophobie, Antisemitismus. Nur wir Betroffenen reden», sagte der 27-Jährige. Es müsse endlich etwas passieren, «sonst wird es immer schlimmer.» Für ihn ist Bildung der Schlüssel. Schon zu Hause, in den Kindergärten und dann in den Schulen müssten die Kinder lernen, «dass wir alle gleich sind», sagte der Abwehrspieler, der vor kurzem zum ersten Mal Vater geworden ist.

Auch zum in Deutschland eskalierten Streit zwischen Ultras und dem Deutschen Fußball-Bund, bei dem Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp immer wieder im Fadenkreuz steht, hat Rüdiger eine klare Meinung. «Niemand, absolut niemand muss sich so beleidigen lassen», sagte der gebürtige Berliner. Anderseits stellt er sich die Frage, warum nicht bei anderen Fällen so durchgriffen wird. Dabei sprach er die rassistischen Beleidigungen gegen Herthas Jordan Torunarigha oder die länger anhaltenden Beleidigungen gegen Leipzigs Stürmer Timo Werner an: «Hier ist nicht wirklich etwas passiert.»


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