«Schwarzer Tag», «Schande»: Wut in Niederlanden nach Abbruch

Die Folgen des Saison-Abbruchs sorgen für reichlich Ärger im niederländischen Fußball. Der erste Club aus der Eredivisie will gegen die Verbandsentscheidung klagen. Der Wirbel könnte ein Vorgeschmack für andere Elite-Ligen sein.

Amsterdam (dpa) - Als erste größere Fußball-Nation Europas haben die Niederlande ihre Saison abgebrochen - die Wut und Enttäuschung bis hin zu Klage-Drohungen geben einen Vorgeschmack, was auch den anderen Eliteligen drohen könnte.

Gleich mehrere Vereine fühlen sich von der Entscheidung des nationalen Verbands KNVB sportlich und finanziell schwer benachteiligt. Der FC Utrecht spielt durch das vorzeitige Ende kommende Saison nicht im Europapokal - und will nun sogar vor Gericht gehen. Aus Sicht von Manager Thijs van Es ist es ein «schwarzer Tag für den Fußball». Den Entscheidungen des KNVB «mangelt es an Transparenz und Objektivität», schimpfte er.

Der KNVB hatte am Freitag entschieden, dass es nach dem Abbruch der Saison keine Meister sowie keine Auf- und Absteiger gibt. Damit bleibt beispielsweise dem Zweitliga-Tabellenführer SC Cambuur trotz komfortablen Vorsprungs auf die Playoff-Plätze der mögliche Sprung in die Erevisie verwehrt. «Das ist die größte Schande in der Geschichte des niederländischen Sports», schimpfte Cambuur-Trainer Henk de Jong beim Sender - und erregte damit internationales Aufsehen. Auch aus England erreichten ihn Interviewanfragen. «Wenn die BBC ein Gespräch mit Henk de Jong will, dann ist etwas sehr Besonderes los», sagte er.

Auch der deutsche Trainer Peter Hyballa besaß mit seinem Team NAC Breda noch Chancen auf den Aufstieg. «Ich sehe es so, es gibt bei so etwas keine perfekte Entscheidung», sagte der frühere Bundesligacoach der «Bild». «Wenigstens haben wir jetzt eine, mit der wir die neue Saison planen können.»

Die Europäische Fußball-Union UEFA hatte zuvor die Möglichkeit eröffnet, dass die Verbände auch Europapokalteilnehmer benennen können, selbst wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird. Die Plätze in Champions League und Europa League sollten aufgrund «sportlicher Leistung» vergeben werden.

Und genau dies sorgt nun für Jubel, aber auch für Ärger in den Niederlanden. Die Fans des Tabellenfünften Willem II Tilburg feierten mit einem Autokorso, dass ihr Club kommende Saison in der Qualifikation der Europa League antreten darf.

Als Sechster ist Utrecht hingegen nicht dabei, obwohl der Rückstand auf Willem II bei einem absolvierten Spiel weniger und der besseren Tordifferenz nur drei Punkte betrug. Dazu stand der Club im Pokalfinale, das eigentlich über den Einzug ins internationale Geschäft entscheiden sollte. Man werde alle möglichen Anwälte nutzen, kündigte Club-Besitzer Frans van Seumeren im regionalen Fernsehen an.

Experten räumen Klagen aber nur geringe Chancen ein. «Ein Richter in den Niederlanden berücksichtigt die sportlichen Aspekte kaum, sondern beurteilt vor allem die Verfahrensweise», sagte der Dozent für Sport und Recht Marjan Olfers dem Sender NOS.

Tabellenführer Ajax Amsterdam steigt später als der punktgleiche Zweite AZ Alkmaar in die Qualifikation der Champions League ein. Pokalfinalist Feyenoord Rotterdam, die PSV Eindhoven und Willem II Tilburg sollen in der Europa League an den Start gehen.

Am Montag will Belgien über den Abbruch der Saison entscheiden. Aus Sicht von KNVB-Präsident Just Spee könnte es dabei europaweit in der Corona-Krise zu einem Saisonstopp kommen. Die Chance, dass in anderen Ligen noch gespielt werden könnte, bezeichnete er als gering. «Um ehrlich zu sein, wenn ich sehe, was passiert und dass Spiele Woche um Woche um Woche verschoben werden: Wie realistisch ist es, dass es in den kommenden drei oder vier Woche zu einer anderen Lösung kommt? Nicht sonderlich, denke ich», sagte Spee der BBC.

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