Türkei zwischen Salut-Jubel und EM-Ticket

Die Türkei steht kurz vor der EM-Qualifikation. Schon ein Punkt gegen Island reicht. Spannender ist die Frage: Wie reagieren die Spieler im Erfolgsfall? Zuletzt sorgte ihr Salut-Jubel für viel Wirbel - auch und vor allem in Deutschland.

Istanbul (dpa) - Die Bilder vom Salut-Jubel aufgereihter türkischer Fußballer waren der große Aufreger im EM-Qualifikationsfenster im Oktober.

Auch im deutschen Fußball sorgte der Militärgruß an die an der Offensive in Nordsyrien beteiligten türkischen Soldaten für Riesenwirbel bis in die Niederungen des Amateurfußballs hinein. Dass die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can ein Bild der Jubelszene bei Instagram auch noch mit einem Klick auf den Like-Button versahen, trug die Thematik sogar bis in die deutsche Nationalmannschaft.

Einen Monat später gehen die Blicke daher erneut gebannt nach Istanbul. Im Türk Telekom Stadion empfängt die Türkei an diesem Donnerstag Island, schon mit einem Unentschieden haben die Türken das Ticket für die Europameisterschaft im nächsten Jahr sicher. Kommt es also wieder zu Salut-Jubel-Szenen?

Zwar gilt in Nordsyrien inzwischen weitestgehend eine Waffenruhe, das Thema ist aber weiter höchst brisant. Zumindest international. In der Türkei ist die Unterstützung für die «Operation Friedensquelle», wie die Türkei ihre Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG nennt, dagegen weiter groß. Hinzu kommt, dass Soldaten in der Türkei insgesamt einen hohen Stellenwert haben.

Weshalb es nicht überraschen würde, wenn es in Istanbul im Falle einer erfolgreichen Qualifikation erneut zu Bildern von salutierenden Spielern kommt. Die große Frage ist dann: Wie reagiert die UEFA? Nach den Vorfällen in den EM-Qualifikationsspielen gegen Albanien und Frankreich kündigte die Europäische Fußball-Union Ermittlungen an. Ein Urteil gibt es bis heute jedoch nicht, die UEFA teilte auf Anfrage lediglich mit, dass es zu dem Thema nichts Neues gebe.

Dafür äußerte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan - und das mit gewohnt deutlichen Worten. Die türkischen Sportler seien einer «systematischen Lynchkampagne» ausgesetzt. Es sei ihr «natürlichstes Recht», die Soldaten zu einem Erfolg zu beglückwünschen. Ein politisches oder gar provokatives Verhalten sieht er darin nicht und warf der UEFA Diskriminierung vor.

Das Ansehen der UEFA in der Türkei ist seit Jahren schlecht - nicht nur bei Erdogan. Aus Sicht der Türkei hätte es des Spiels gegen Island zum Beispiel gar nicht bedurft. Denn bis der damalige UEFA-Präsident Michel Platini vor sieben Jahren auf die Idee kam, die Europameisterschaft 2020 in ganz Europa stattfinden zu lassen, war die Türkei einziger Bewerber auf die Ausrichtung des Turniers. Nach vergeblichen Bewerbungen für die Veranstaltungen davor sah man sich am Bosporus einfach einmal an der Reihe, die EM im eigenen Land auszurichten.

Doch Platini und seine Mitstreiter in der UEFA-Zentrale in Nyon trauten den Türken die Ausrichtung des auf 24 Teams aufgeblähten Turniers nicht zu, weshalb die EM nun in zwölf verschiedenen Ländern, darunter Deutschland mit München, stattfindet - und die Türkei nicht einmal Standort einiger Vorrundenspiele ist.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...