Zehn Mainzer haben in Aue leichtes Spiel

Der Fußball-Zweitlist Erzgebirge Aue ist aus dem DFB-Pokals ausgeschieden. Mainz gewann in Aue 3:1 (1:0), obwohl der Bundesligist sich früh selbst dezimierte. Für FCE-Trainer Daniel Meyer spielte die Rote Karte den Gästen in die Karte.

Aue.

Wenn ein Zweitligist in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen einen Bundesligisten verliert, ist das normalerweise kein Grund sich sehr zu ärgern. Beim FC Erzgebirge war das am Sonnabend nach der Niederlage gegen Mainz anders. Die Auer Fans pfiffen nach dem 1:3 (0:1) lautstark. "Für die Zuschauer fühlt sich das nicht anders an als für uns: Das ist brutal frustrierend", meinte FCE-Trainer Daniel Meyer. "Das Ausscheiden war total unnötig". Eine Notbremse des Mainzer Moussa Niakhaté an Sören Bertram und der daraus folgende Platzverweis zwei Minuten und wenige Sekunden nach dem Anpfiff stellte die Konstellation auf den Kopf.

Doch die Veilchen konnten die Überzahl nicht nutzen. "Gefühlt waren wir ein Mann weniger. Wir haben es einfach nicht verdient, eine Runde weiterzukommen - obwohl das heute möglich war, hätten wir eine ordentliche Leistung gezeigt", stellte Bertram konsterniert fest.

Die Gastgeber hatten vor mageren 7600 Zuschauern mehr Ballbesitz, konnten damit aber wenig anfangen. Meyer sah in der Überzahl offensichtlich sogar ein Nachteil für die eigenen Schützlinge. "Wenn du zu Hause gegen einen Erstligisten spielst, kannst du eigentlich nur gewinnen. Durch den Platzverweis haben sich die Vorzeichen verändert. Auf einmal waren wir in der Favoritenrolle", sagte Meyer. "Mainz zog sich weiter zurück und spielte auf Konter. Das entspricht eher ihrem Stil in der Bundesliga. Wir mussten das Spiel machen. Das ist für uns eine ungewohnte Rolle, damit haben wir uns schwer getan."

Wie schon bei den bisherigen Punktspielen in dieser Saison - 0:1 gegen Union Belin und 0:0 gegen Magdeburg - schafften es die Auer zu selten, gefährliche Situationen vor des Gegners Tor heraufzubeschwören. "Wir laufen an, laufen an, laufen an - und dann kommt der vorletzte Ball oder der klare Abschluss nicht. Für den Aufwand, den wir betreiben, haben wir zu wenige Chancen", konstatierte Meyer. "Manchmal machen wir es uns zu kompliziert, legen im Strafraum noch einmal quer. Wir übersehen zu oft die einfache Lösung."

Im ersten Durchgang war der Mainzer Torhüter Florian Müller daher weitestgehend beschäftigungslos. Erst nach einem Systemwechsel zur Pause musste der Vertreter der Mainzer Nummer eins, René Adler, ran. Die Erzgebirger stellten von einer einer Dreier- auf Viererkette um, Routinier Christian Tiffert rückte aus dem Abwehrzentrum ins Mittelfeld und mit Jan Hochscheidt kam eine weitere Offensivkraft.

Müller entschärfte aber die Versuche von Clemens Fandrich (49.) und Jan Hochscheidt (55.), den Mainzer Führungstreffer durch Alexandru Maxim zu egalisieren (31.). Die beste Phase der Lila-Weißen wurde allerdings jäh gestoppt, als Robin Quaison (59.) und Maxim (65.) auf 3:0 erhöhten. Hatte die Defensive in den Zweitligapartien noch gut gestanden, ließen sich die Veilchen von den in Unterzahl spielenden Mainzern auskontern. "Unsere Absicherung war nicht gut. Wir haben Nimm-du-ihn-ich-hab-ihn-sicher gespielt. Wir haben uns naiv angestellt. Das hat Mainz brutal bestraft", sagte Meyer. Er betonte jedoch, dass man der Mannschaft in puncto Engagement keine Vorwürfe machen könne.

FCE-Präsident Helge Leonhardt stellte sich ebenfalls vor den Trainer und das Team: "Ich darf die Mannschaft nicht verbal hinrichten. Wir müssen zusammenrücken, wollen nicht in ein tiefes Loch fallen, in dem wir schon ein wenig drinstecken. Jetzt sind Charakter und Disziplin gefragt."

In der 2. Bundesliga hat Aue nach zwei Partien einen Zähler auf dem Konto, nun warten mit den Auswärtsspielen gegen den 1. FC Köln und den FC Ingolstadt zwei schwere Aufgaben auf die Erzgebirger. "Alle haben vor der Saison darüber gesprochen, dass wir ein schweres Programm in den ersten vier Partien haben. Am Ende werden das nicht die Punkte sein, die entscheidend für den Klassenerhalt sind", erklärte Meyer. "Wir müssen die Zeit nutzen, um die aktuellen Fehler abzustellen und uns zu finden, damit wir gegen direkte Konkurrenten Punkte sammeln und am Ende über den Strich stehen."


"Wir haben uns frühzeitig aus dem Spiel katapultiert" 

Torhüter Martin Männel musste gegen den FSV Mainz dreimal hinter sich greifen. Sebastian Siebertz sprach mit dem 30-jährigen Kapitän des FCE. 

 

Freie Presse: Wenn der Gegner knapp 90 Minuten in Unterzahl spielt - muss da nicht mehr drin sein als ein 1:3?

Ja, und das nicht nur aufgrund der Roten Karte. Wir haben über weite Strecken das Heft des Handelns in die Hand genommen und können uns im Vorwärtsgang nicht viel vorwerfen - außer, dass wir im letzten Moment zu ungenau agierten. Wir haben defensiv den Mainzern zu viele Räume zum Kontern gegeben und uns so frühzeitig aus dem Spiel katapultiert.

Lag das nur an der individuellen Klasse der Mainzer?

Natürlich macht Maxim das bei seinen zwei Treffern gut. Aber beim 0:3 blocken wir dreimal den Ball ab und haben danach immer noch keinen Zugriff. Da haben wir als Mannschaft nicht gut verteidigt. Die Mainzer sind nachgerückt, einige von uns nicht. Das ist Cleverness, Erfahrung und Qualität. Davon hat Mainz mehr auf den Platz gebracht.

Der nächste Gegner ist der 1. FC Köln. Was macht Mut, dass man dort etwas mitnehmen kann?

Wir haben endlich das Tor getroffen. Wir hatten in den ersten beiden Partien gegen Berlin und Magdeburg auch unsere Tormöglichkeiten, oftmals hat es an der Präzision gefehlt. Das war heute auch über weite Strecken so, aber das Tor ist gefallen. Vielleicht kehrt der Glauben und das Selbstvertrauen zurück, dass wir Treffer erzielen können.

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